Warnstreiks am Montag: Einschränkungen im ÖPNV gehen weiter
Seit Tagen kämpfen Fahrgäste aufgrund des Wetters mit erheblichen Einschränkungen im Straßenbahnverkehr. Nun kündigt Verdi für Montag auch noch Warnstreiks für den gesamten Berliner Nahverkehr an.
Die Gewerkschaft Verdi hat in der laufenden Tarifrunde erstmals zu Warnstreiks im Berliner Nahverkehr aufgerufen. (Archivbild)Michael Ukas/dpa
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Für Fahrgäste bleibt die Lage im Berliner Nahverkehr auch in den kommenden Tagen äußerst schwierig. Zwar läuft inzwischen ein Großteil des Straßenbahnnetzes wieder, nachdem die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) aufgrund von Eisregen den Tramverkehr am Montag vollständig eingestellt hatten. Doch übers Wochenende soll es erneut kalt werden - und nun hat die Gewerkschaft Verdi für Montag auch noch einen ganztägigen Warnstreik im gesamten Berliner Nahverkehr (ÖPNV) angekündigt.
Tram-, Bus- und U-Bahnverkehr soll ganztägig bestreikt werden
Wer zuletzt aufgrund der Glätte in Berlin auf Bus und Bahn ausgewichen ist, dürfte am Montag auch dort das Nachsehen haben. Der Tram-, Bus- und U-Bahnverkehr soll ganztägig bestreikt werden, teilte die Gewerkschaft mit.
Die BVG kündigte an, den Betrieb infolge des Warnstreiks ab 3.00 Uhr morgens vollständig einzustellen. Lediglich die Fähren, der Shuttle-Dienst Muva, die Jelbi-Stationen und einzelne Buslinien seien nicht betroffen.
Auch in den anderen Bundesländern hat Verdi zu Warnstreiks bei den Verkehrsunternehmen aufgerufen. Hintergrund sind die derzeit bundesweit parallel laufenden Tarifrunden im öffentlichen Nahverkehr. S-Bahnen und Regionalverkehrszüge würden hingegen fahren, teilte die Deutsche Bahn als nicht betroffene Betreiberin mit.
Bereits seit Tagen kommt es aufgrund der Witterung zu erheblichen Einschränkungen im Tramverkehr. (Archivbild)Sebastian Gollnow/dpa
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BVG behält sich rechtliche Schritte vor
Die BVG reagierte mit Unverständnis auf den Warnstreik und kritisierte eine „unverhältnismäßige Eskalation“. „Angesichts der aktuellen Extremwetterlage und der weiterhin bestehenden Herausforderungen, insbesondere im Straßenbahnbetrieb, gefährdet die stundenlange Arbeitsniederlegung den Tramverkehr in Berlin erneut“, teilte das Unternehmen mit.
„Die BVG appelliert an die Gewerkschaft, den Streikaufruf für Berlin in der aktuellen Ausnahmesituation zurückzunehmen und Lösungen am Verhandlungstisch zu finden.“ Gleichzeitig behalte sich das Unternehmen rechtliche Schritte gegen den Arbeitskampf vor.
Die Gewerkschaft wirft der Arbeitgeberseite in den laufenden Verhandlungen eine Blockadehaltung vor. „Der BVG-Vorstand verweigert jede ernsthafte Auseinandersetzung mit der Realität der Beschäftigten“, teilte Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt mit. „Dabei sind gute Arbeitsbedingungen, unter denen die Kolleg*innen ihren Beruf auch langfristig ausüben können, zentral, um Beschäftigte im Unternehmen zu halten.“ Auch in anderen Bundesländern soll es zu Arbeitskämpfen kommen.
Kein Ergebnis nach zwei Verhandlungsrunden
Zwei Gesprächsrunden zwischen den beiden Tarifparteien sind bisher ohne Ergebnis geblieben. Verdi verhandelt derzeit parallel in allen 16 Bundesländern mit den Verkehrsunternehmen. Während sich die Tarifrunde im vergangenen Jahr um mehr Geld drehte, geht es dieses Mal in den meisten Ländern um den sogenannten Manteltarifvertrag, so auch in Berlin. Dieser regelt vor allem die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten.
Verdi fordert unter anderem mehr Urlaubstage für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, eine Mindestruhezeit zwischen den Schichten von elf Stunden sowie mehr Urlaubsgeld mit Umwandlungsmöglichkeit in freie Tage. Außerdem will die Gewerkschaft eine Erhöhung der sogenannten Wendezeit auf sechs Minuten ohne Ausnahme. Das betrifft die Zeit, die Fahrerinnen und Fahrer an einer Endhaltestelle haben, bevor sie wieder in die Gegenrichtung aufbrechen.
Der BVG zufolge hat die Gewerkschaft in der ersten Runde ihren Forderungskatalog noch einmal ausgeweitet. Darin enthalten sei auch eine 35-Stunden-Woche, die die Gewerkschaft durchsetzen wolle. Verdi selbst hatte sich bisher nicht dazu geäußert.