VW-Tarifstreit: Das ist der Fahrplan für die nächsten Wochen
Volkswagen steht vor einem tiefgreifenden Umbau - und muss nun über wichtige Punkte verhandeln. Das könnte enorm schwierig werden. Was als Nächstes passiert - und wo es brenzlig werden dürfte.
Droht Volkswagen der größte Konflikt in der Unternehmensgeschichte? (Archivbild)Moritz Frankenberg/dpa
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Im Ringen um schärfere Sparmaßnahmen steuert Volkswagen auf einen heißen Winter zu. Der Autobauer will im großen Stil Stellen streichen und Milliarden einsparen. Die IG Metall macht dagegen mobil. In einem Monat beginnen die Verhandlungen über einen der größten Firmentarifverträge in Deutschland. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Wann beginnen die Verhandlungen?
Der erste Verhandlungstermin soll am 24. November in Emden stattfinden. Die Fortsetzung ist für den 15. Dezember in Zwickau geplant. Darauf haben sich der Autobauer und die IG Metall verständigt. Sowohl in Emden als auch in Zwickau hat VW Werke, deren Zukunft offen ist. „Tarifverhandlungen gehören dorthin, wo die Zukunft der Standorte auf dem Spiel steht“, sagte Niedersachsens IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger. Eine Nähe zur Vorstandsetage im Wolfsburger Markenhochhaus sei dafür der falsche Ort. Nach Ansicht der Gewerkschaft soll deshalb auch in Hannover verhandelt werden.
Wie viele Menschen betrifft der Tarifstreit?
Der VW-Haustarif gilt für rund 130.000 Beschäftigte an den Standorten Braunschweig, Chemnitz, Dresden, Emden, Hannover, Kassel, Salzgitter, Wolfsburg und Zwickau. Die Volkswagen AG umfasst die Kernmarke sowie Volkswagen Nutzfahrzeuge, die Komponentensparte und Konzernstellen.
Was will die VW-Führung erreichen?
Das Ziel des Unternehmens ist es, die Kosten so schnell wie möglich zu senken. Das soll Volkswagen im internationalen Wettbewerb robuster machen und ist ein Element des Zukunftsplans 2030, der den gesamten Konzern wieder auf Kurs bringen soll. Außerdem verhandeln will der Autobauer über zusätzliche sozialverträgliche Personalinstrumente, darunter Transfergesellschaften.
Denn: Bei der Volkswagen AG sollen bis 2030 nochmals rund 12.000 Stellen gestrichen werden - zusätzlich zum bereits vereinbarten Abbau von 35.000 Jobs bis Ende des Jahrzehnts. Auch das wird Teil der Verhandlungen sein. Der Stellenabbau soll sozialverträglich ablaufen, VW will nach eigenen Angaben die Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 einhalten.
Sie werden bald neu verhandelt: Die Tarifverträge bei Volkswagen. (Archivbild)Moritz Frankenberg/dpa
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Was Volkswagen darüber hinaus erreichen will, muss sich erst noch zeigen. Das Unternehmen hat zehn Tarifverträge komplett oder in Teilen gekündigt. Diese enthalten unter anderem Regelungen zur Arbeitszeit, Urlaubstage und Zulagen. Was das Unternehmen dort konkret ändern will, soll nach dpa-Informationen erst in den Verhandlungen präsentiert werden.
Der Personalvorstand der Kernmarke VW, Arne Meiswinkel, teilte mit: „Wir müssen über wettbewerbsfähige Arbeitskosten sowie über Themen wie Veränderungsbereitschaft und einen flexibleren Personaleinsatz sprechen“.
Wofür steht die IG Metall?
Die IG Metall hatte bereits vor der Kündigung der Tarifverträge fünf Prozent mehr Geld für die VW-Beschäftigten gefordert und das unter anderem mit der Inflation begründet. Sie hätten in den vergangenen Jahren bereits erhebliche Einschnitte getragen. Mehr Geld bekommen hätten die VW-Mitarbeiter zuletzt im Mai 2024. Die Preise seien aber auch für sie gestiegen.
Angesichts der Kündigungen will die Gewerkschaft aber noch weitere Ideen ausloten. „Den Manteltarifvertrag hätten wir von uns aus nicht angetastet. Nun liegt er offen auf dem Tisch“, sagte Gröger. Betriebsräte, Vertrauensleute und Beschäftigte wüssten genau, wo sich das Tarifwerk verbessern ließe. „Die einschlägigen Paragrafen sind bereits zusammengestellt.“
Als Beispiele nannte er eine Verlängerung der Altersteilzeit oder die Frage, wie weit man die Beschäftigungssicherung fortschreiben könne. Die Gewerkschaft will „zu gegebener Zeit“ ein Konzept für die Zukunft Volkswagens vorlegen.
Wie lange werden die Gespräche dauern?
Das kann nicht vorhergesagt werden. Die Gespräche sind umfassend, es liegen viele komplizierte und folgenreiche Themen auf dem Tisch. Vermutlich können die Verhandler auch die Zukunft der bedrohten VW-Werke nicht ausklammern. Alles hänge mit allem zusammen, heißt es aus Kreisen des Unternehmens. Bei VW hoffen manche zwar noch auf ein schnelles Ergebnis, stellen sich aber auch auf Warnstreiks ein.
Zum Vergleich: Bereits 2024 war um schwierige Themen gerungen worden. Der Kompromiss sah letztlich den Abbau Zehntausender Stellen vor. Außerdem wurden Bonuszahlungen und Zulagen gekürzt und Entgelterhöhungen auf Eis gelegt. VW verzichtet im Gegenzug auf betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen - und sagte Investitionen und neue Produkte für deutsche Standorte zu. Dafür nötig waren - unter deutlich besseren wirtschaftlichen Voraussetzungen - fünf Verhandlungsrunden und Warnstreiks. Die letzte Runde war ein einwöchiger Verhandlungsmarathon kurz vor Weihnachten.
Bei VW drohen nach dem Jahreswechsel VW Warnstreiks. (Archivbild)Hendrik Schmidt/dpa
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Es spricht vieles dafür, dass sich die Verhandlungen bis ins Jahr 2027 ziehen werden. Und auch nach einem möglichen Kompromiss könnte es noch einmal kompliziert werden. Das Ergebnis müssen nämlich die Mitglieder der IG Metall abnicken. „Sie haben das letzte Wort“, hieß es.
Droht eine beispiellose Eskalation?
Wenn man den niedersächsischen IG-Metall-Chef Gröger sprechen hört, klingt das bereits nach Wintersturm: Die Stimmung in der Belegschaft habe einen Siedepunkt erreicht. „Alles deutet auf eine Auseinandersetzung hin, die größer werden könnte als alles das, was dieser Konzern jemals erlebt hat“. Man bereite die Eskalation vor. Nicht weil man es wolle, sondern weil man es müsse. „Wir suchen den Konflikt nicht, aber wir sind vorbereitet“, sagte er.
Die Friedenspflicht endet am 31. Dezember.