Glätte und Frost in Nordosten - Tauwetter naht
Es kam wie vorhergesagt: Im Nordosten wurde es extrem glatt. Viele Menschen rutschen aus, in OP-Sälen ist Hochbetrieb, es gab Dutzende Unfälle. Die Temperaturen steigen leicht, doch der Winter bleibt.
Spiegelglatte Straßen behinderten den Verkehr in MV.Stefan Sauer/dpa
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Eis, Schnee und gefrierende Nässe haben in weiten Teilen von Mecklenburg-Vorpommern die Gehwege und Straßen in spiegelglatte Rutschbahnen verwandelt. Es kam im Tagesverlauf zu Dutzenden Verkehrsunfällen, bei denen es in den allermeisten Fällen laut Polizei bei Blechschäden blieb.
In einigen Regionen wurde zeitweise der Busverkehr eingestellt. Räum- und Streudienste waren im Dauereinsatz. Trotz Eisschollen soll auf Hiddensee bald der Fährverkehr wieder anlaufen, Eisbrecher sind dort im Einsatz. Die Temperaturen steigen leicht, es bleibt aber auch am Wochenende winterlich, sagen Meteorologen.
Glatteis und zu schnell unterwegs
Im Bereich der Polizeidirektion Rostock kam es in den frühen Morgenstunden zu 21 Unfällen aufgrund von Straßenglätte und unangepasster Geschwindigkeit. Davon ereigneten sich allein 15 im Bereich des Landkreises Rostock. Insgesamt wurden sechs Menschen verletzt, einer von ihnen schwer. Der Gesamtsachschaden beläuft sich auf etwa 200.000 Euro.
Auf der L39 kurz hinter Dummerstorf in Richtung Laage verlor ein Fahrzeugführer gegen 5.45 Uhr die Kontrolle über sein Auto und kam ins Schleudern. Auf der Gegenfahrbahn stieß er mit einem Fahrzeug zusammen. Beide Fahrer wurden leicht verletzt.
Auch das Polizeipräsidium Neubrandenburg meldete zahlreiche Glätteunfälle. Eine 22-Jährige verlor auf der A20 in Fahrtrichtung Lübeck kurz hinter der Anschlussstelle Greifswald die Kontrolle über ihr Auto, kam nach rechts von der Fahrbahn ab und überschlug sich mit dem Fahrzeug. Die Frau wurde laut Polizei schwer, aber nicht lebensbedrohlich verletzt.
Die Glatteis-Situation führte zudem zu zahlreichen Stürzen. Das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg meldete am Nachmittag, dass aktuell rund 25 Menschen mit Sturzverletzungen in der Zentralen Notaufnahme seien. Das habe zu erhöhter Auslastung in den Operationssälen geführt. Auch das Universitätsklinikum Greifswald meldete eine außergewöhnlich starke Belastung wegen Sturzverletzungen.
Ab Samstag wieder am Start: Die Fähre „Vitte“ auf dem Weg nach Hiddensee.Philip Dulian/dpa
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„Vitte“ mit Kurs auf Hiddensee
Das Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie teilte mit, das Stettiner Haff sei vollständig mit Eis bedeckt, das teils dicker als 20 Zentimeter sei. Im Peenestrom komme von Karnin bis ins Achterwasser sehr dichtes, örtlich über 15 Zentimeter dickes Eis vor.
Auf der seit Tagen nur per Notfahrplan mit dem Festland verbundenen Insel Hiddensee soll von Samstag an die nach einem Eisschaden reparierte Fähre „Vitte“ wieder verkehren, wie die Reederei mitteilte. Dann sollen auch wieder Urlauber mitgenommen werden. Zuletzt wurde die Versorgung der Insel nur mit einem Eisbrecher gesichert, auf dem aber keine Feriengäste mitfahren durften.
Winterdienste im Dauereinsatz
Bei den Kommunen sind derzeit Räum- und Streufahrzeuge rund um die Uhr im Einsatz. Manche Städte vor allem im Nordosten von MV verstärkten das Personal, um Salz auf die vereisten Fahrbahnen und öffentlichen Gehwegen zu streuen.
Für die Räumdienste ist Hochsaison.Philip Dulian/dpa
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In Greifswald arbeiten bereits seit Donnerstagfrüh 3.00 Uhr jeweils 17 Beschäftigte des städtischen Bauhofs in zwei Schichten, wie die Stadt miteilte. Zudem seien die sogenannten Handarbeitskräfte auf neun Personen aufgestockt worden. Sie kümmern sich insbesondere darum, Bushaltestellen, Übergänge, Treppen und Brücken zu streuen und von Eis zu befreien.
In Stralsund sind 25 Männer und Frauen pro Schicht seit 3.00 Uhr im Einsatz. Zudem helfen laut Stadtverwaltung auch Hausmeister der Schulen und Sportstätten, die Gehwege vom Eis zu befreien.
Eingeschränkter Busverkehr
Die Wetterlage wirkte sich in MV auch auf den Busverkehr aus. Die Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen teilte mit, dass es wegen des starken Eisansatzes bis auf weiteres in Vorpommern keinen Busverkehr gebe. Reisende wurden aufgefordert, sich telefonisch oder auf der Homepage zu informieren, ab wann die Busse wieder fahren.
Ebenso fuhren am Morgen aufgrund der Glatteisgefahr weder im Landkreis Ludwigslust-Parchim noch im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Linien- und Schülerbusse. Wegen der teils extremen Glätte auf Straßen und an Haltestellen war auch der Linienverkehr in Neubrandenburg vorübergehend vollständig eingestellt worden.
Schneeschaufeln und Streuen gehören derzeit zum Winter-Alltag. Philip Dulian/dpa
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Zoos und Wildpark geschlossen
Doch nicht nur der Nahverkehr im Land ist betroffen, auch die Zoos in Rostock und Stralsund blieben geschlossen. Grund dafür sei die Unwetterwarnung wegen Glätte, teilte der Zoologische Garten Rostock mit.
Auch der Wildpark-MV in Güstrow bleibt zu. Wegen der anhaltenden Wetterlage habe man beschlossen, bis einschließlich Sonntag geschlossen zu bleiben. Die Versorgung der Tiere sei gewährleistet.
Zeugnisausgabe auch später möglich
Am letzten Schultag vor den am Montag in MV beginnenden Winterferien stand die Zeugnisausgabe an. Selbst die konnte eisbedingt verschoben werden: Schüler, die witterungsbedingt nicht zur Schule kommen konnten, können die Zeugnisse auch in der kommenden Woche abholen. Über die genauen Uhrzeiten würden die Schulen informieren, teilte das Schweriner Bildungsministerium mit. Blieben die Zeugnisse auch dann liegen, würden sie in den ersten beiden Schultagen nach den Ferien überreicht. In MV dauern die Winterferien bis zum 20. Februar.
Es bleibt winterlich kalt
Auch wenn der Deutsche Wetterdienst das bevorstehende Wochenende allgemein unter der Überschrift „Auftauen“ stellte, gibt es nach Angaben der Meteorologen im äußersten Nordosten bei „zarten Plusgraden“ einen Mix aus Schneeregen, Regen und gefrierendem Regen. Die Temperaturen bewegen sich dabei am Sonntag bei 0 bis 2 Grad plus.