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Unterirdischer Kohlebrand: Warum das Löschen so schwer ist

Trotz Löschhubschrauber und Sprenkleranlage: Warum der Kampf gegen den Schwelbrand auf einem ehemaligen Tagebaugelände sich als zäh gestaltet – und wie Experten die Lage einschätzen.

26.07.2026

Der Brand auf der ehemaligen Tagebaufläche war Ende Juni ausgebrochen. (Archivbild)Bodo Schackow/dpa

Der Brand auf der ehemaligen Tagebaufläche war Ende Juni ausgebrochen. (Archivbild)Bodo Schackow/dpa

© Bodo Schackow/dpa

Vor einem Monat hat der Brand auf einem ehemaligen Kohlebergbaugelände beim thüringischen Meuselwitz nahe der Grenze zu Sachsen-Anhalt und Sachsen begonnen. Die Flammen über der Erde waren bereits kurze Zeit später gelöscht - jedoch schwelt der Brand weiterhin im Untergrund. Warum gestalten sich die Löschversuche als so schwierig? Fragen und Antworten im Überblick. 

Was brennt überhaupt? 

Der Brand auf der stillgelegten Kohlebergbaufläche des ehemaligen Tagebaugebietes Rusendorf war am extrem heißen letzten Juni-Wochenende ausgebrochen. 

Nachdem der oberirdische Brand gelöscht war, wurde das Areal an die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) übergeben. Das Unternehmen ist Eigentümerin der Fläche. Seitdem schwelt der Brand auf dem Areal eines sogenannten Kohletrübebeckens. Demnach wurde das Becken unter anderem vom Bergbauunternehmen Mibrag bis 2013 zur Ascheeinspülung genutzt. Dadurch befinden sich Braunkohlereste im Boden. 

Die LMBV ist unter anderem mit der Sanierung früherer DDR-Braunkohletagebaue betraut. Zu ihren Aufgaben gehören etwa die Wiederherstellung von Flächen und Gewässern.

Was war der Auslöser?

Ersten Angaben zufolge wurden die Flammen vermutlich durch ein durchhängendes Hochspannungskabel ausgelöst, das einen Baum entzündete.

Der Brand sei ein Paradebeispiel für den Klimawandel, erklärt Tobias Rudolph, Professor für Geo- und Umweltmonitoring an der Technischen Hochschule Georg Agricola in Bochum. Lange Trockenphasen führten zu einer Durchtrocknung der Böden - nicht nur an der Oberfläche, sondern auch in tieferen Schichten. Dazu komme, dass in diesem Bergbaugebiet der Grundwasserspiegel abgesenkt sei. Dann reiche ein Funke, der die Stäube anzünde und dadurch einen Brand auslöse, so der Geologe.

Warum ist das so schwer zu löschen? 

Problematisch ist laut LMBV, dass vor Ort nur wenig Wasser verfügbar ist und die brennende Fläche nicht betreten werden kann. Außerdem verlagerten sich die Brandherde immer wieder und flammten in unterschiedlichen Bereichen auf. 

„Dort gab es ein ehemaliges Kraftwerk, wovon der Kohlestaub in die Absetzbecken gespült wurde“, erläutert Martin Kreßner, Professor für Tagebau und Rekultivierung an der TU Bergakademie Freiberg. Diese Ablagerungen fingen Feuer und seien auch in tiefere Erdschichten gelangt. „Das Problem ist, dass die relativ geringe Deckschicht den unmittelbaren Zutritt des Löschwassers verhindert.“ Da der Zugang beschränkt ist, sei der Brand schwierig zu löschen. Zum Löschen gibt es laut Kreßner nun zwei Möglichkeiten: entweder wird der Brandherd abgekühlt - oder der Luftzutritt wird unterbunden. 

Welche Maßnahmen wurden bisher unternommen?

Ein Löschhubschrauber hatte testweise an zwei Tagen Wasser auf einer festgelegten Fläche verteilt. Dies habe nicht die gewünschte Wirkung erzielt, hieß es dazu von der LMBV. Demnach wirbelte das Wasser die Oberfläche auf - löschte jedoch nicht die tiefer liegenden Schichten. Auch ein Sprinklersystem wurde installiert, mit dem die Brandherde bekämpft werden sollen. Um eine Ausbreitung des Brandes zu verhindern, wurde zudem eine Brandschutzschneise um die betroffene Fläche gezogen. 

Der Einsatz des Löschhubschraubers erzielte nicht die gewünschte Wirkung. (Archivbild)Bodo Schackow/dpa

Der Einsatz des Löschhubschraubers erzielte nicht die gewünschte Wirkung. (Archivbild)Bodo Schackow/dpa

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Nach Angaben der LMBV soll das Areal nun mit Wasser benetzt werden. Dafür sollen zwei Rohrleitungen von einem vier Kilometer entfernten Bergbaurestloch gelegt werden. Wann die Flutung beginnen kann, blieb bislang unklar.

Gab es in der jüngeren Vergangenheit Kohlebrände in der Region? 

„Also mir ist nichts dergleichen bekannt“, sagt Bergbauingenieur Kreßner. Einen Brand, bei dem das sogenannte Flöz - also die Lagerstätte von Kohle - in Brand geriet, gab es ihm zufolge vor mehr als 160 Jahren in Zwickau. Dort hatte es über mehrere Jahrhunderte gebrannt, bis 1860 die Flammen endgültig gelöscht wurden. Dabei handelte es sich um eine Steinkohlenlagerstätte. 

Jedoch seien Flözbrände in Steinkohlenlagerstätten mit der derzeitigen Situation in Meuselwitz nicht zu vergleichen, betonte Kreßner. Steinkohle hat ihm zufolge einen deutlich höheren Energiegehalt und ist tiefer gelagert. Dadurch komme man zum Löschen noch schwieriger an die brennenden Bereiche - in Zwickau brannte es ihm zufolge in Tiefen von mehreren hundert Metern. 

Ist ein jahrelanger Brand möglich?

Nein, sagen die Experten. In den USA schwelt etwa in Centralia im US-Bundesstaat Pennsylvania seit 1962 ein Kohlebrand. Dieser ließ die Straßen aufplatzen und machte den Ort zu einer Geisterstadt. Mehr als 60 Jahre später schwelt der Brand noch immer und wird dies wohl noch Jahrzehnte tun. Nach dem Entstehen des Brandes sei allerdings nicht unmittelbar eingegriffen worden - „und dann ist es im Grunde aus dem Ruder gelaufen“, sagt Rudolph. 

Seit mehr als 60 Jahren schwelt das Kohlefeuer in Centralia. (Archivbild)Benno Schwinghammer/dpa

Seit mehr als 60 Jahren schwelt das Kohlefeuer in Centralia. (Archivbild)Benno Schwinghammer/dpa

© Benno Schwinghammer/dpa

Das sei jedoch absolut nicht mit der Situation in Meuselwitz vergleichbar. „Das ist ein Sonderfall und den kann man so erst mal nicht auf andere Produktionsstandorte der Steinkohle oder auch Braunkohle übertragen“, betonte der Geologe. Durch die Flutung solle der Brand bald gelöscht sein. „Man ertränkt sozusagen den Kohlenstaub in Wasser, macht den wieder feucht und dann brennt da auch nichts mehr“, so Rudolph. 

Wie sieht es heute in der Region rund um die Kohleförderung aus? 

Vor der Wende wurden Kreßner zufolge in Ostdeutschland jährlich bis zu 300 Millionen Tonnen Kohle in 39 Tagebauen abgebaut. Heutzutage gibt es noch zwei Tagebaubetriebe in Mitteldeutschland - in Profen und im Vereinigten Schleenhain - sowie drei in der Lausitz. „Dort ist die Produktion entsprechend zurückgegangen.“ Mittlerweile werden in Mitteldeutschland 11,5 Millionen Tonnen Braunkohle im Jahr abgebaut und in der Lausitz 34,6 Millionen Tonnen. Dementsprechend ist die LMBV an mehreren Orten in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit der Nachsorge der ehemaligen Kohlebergbauflächen beauftragt.