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Uni Dresden mit fliegendem Testlabor für Luftfahrtantriebe

In Kamenz geht die Forschung künftig wie im Flug. Ein Flugzeug soll im Auftrag der Technischen Universität Dresden neue Antriebssysteme für die Luftfahrt erforschen.

26.03.2026

Das Forschungsflugzeug der TU Dresden soll bei der Entwicklung fossilfreier Luftfahrtantriebe zum Einsatz kommen. Sebastian Kahnert/dpa

Das Forschungsflugzeug der TU Dresden soll bei der Entwicklung fossilfreier Luftfahrtantriebe zum Einsatz kommen. Sebastian Kahnert/dpa

© Sebastian Kahnert/dpa

Forschen im Flug: Die Technische Universität Dresden schickt künftig ein fliegendes Testlabor in die Lüfte, um neue Luftfahrtantriebe und Treibstoffe zu erforschen. Im Fokus stehen fossilfreie Antriebssysteme, etwa elektrische, wasserstoffbasierte oder hybride Konzepte, teilte die TU Dresden mit. Diese könnten unter identischen Randbedingungen im Flug getestet und miteinander verglichen werden.

„Gleichzeitig lassen sich Energiesysteme, Sensorik und Strukturkomponenten im Zusammenspiel analysieren. Die gewonnenen Betriebs- und Leistungsdaten sollen helfen, Technologien aus dem Labor für die praktische Anwendung weiterzuentwickeln“, hieß es weiter. An dem Projekt sind die TU-Institute für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK) und für Luft- und Raumfahrttechnik (ILR) beteiligt.

Laut Institutsdirektor Maik Gude soll das Forschungsflugzeug schließen wir die entscheidende Lücke zwischen Theorie und praktischer Anwendung. Sebastian Kahnert/dpa

Laut Institutsdirektor Maik Gude soll das Forschungsflugzeug schließen wir die entscheidende Lücke zwischen Theorie und praktischer Anwendung. Sebastian Kahnert/dpa

© Sebastian Kahnert/dpa

Lücke zwischen Theorie und praktischer Anwendung geschlossen

„Mit dem Forschungsflugzeug schließen wir die entscheidende Lücke zwischen Theorie und praktischer Anwendung. Denn bei der nachhaltigen Luftfahrt geht es nicht nur um das Triebwerk, sondern um die ganzheitliche Integration von Antriebssystemen in das Flugzeug“, erklärte ILK-Institutsdirektor Maik Gude. Man bekomme nun die einmalige Gelegenheit zu zeigen, wie sich etwa leichte Tanksysteme und komplexe Strukturkomponenten unter den dynamischen Belastungen des realen Flugbetriebs bewähren.

Für Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) ist das fliegende Testlabor ein „weiterer wichtiger Baustein für einen gelingenden Strukturwandel“ in Ostsachsen. „Das Projekt wird überwiegend aus europäischen Mitteln aus dem sogenannten Just Transition Fonds finanziert, mit dem gezielt zukunftsweisende Konzepte gefördert werden. Hier geht es um nicht weniger als die Zukunft der Luftfahrt.“

Praxistest für neuartige Messsysteme und Antriebskomponenten

Die Testplattform basiert auf einer „Diamond Aircraft DA62 MPP“, einem zweimotorigen Spezialflugzeug für Forschungs- und Vermessungsmissionen. „Dieses Flugzeug zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Effizienz und Modularität aus. Dank seiner sparsamen Jet-A1-Kolbentriebwerke er-
reicht es eine Flugdauer von bis zu zehn Stunden bei gleichzeitig minimalen Betriebs- und Wartungskosten“, hieß es.

Luftfahrtforschung soll in Ostdeutschland Aufwind bekommen

Das Forschungsflugzeug ist zudem Bestandteil der neu gegründeten Wissenschafts- und Wirtschaftsplattform „OST4Aviation“, die den Aufbau einer leistungsfähigen Luftfahrtforschungsregion in Ostdeutschland vorantreibt. Künftig soll am Standort Kamenz eine eigene Tankstelle für
nachhaltige Flugkraftstoffe (SAF) und Wasserstoff zur Verfügung stehen.

Das Flugzeug im Dienste der Forschung wird über das von der EU geförderte Projekt „FoFlu“ betrieben. Die Kosten der Maschine belaufen sich auf rund drei Millionen Euro. Weitere Investitionen sollen in Wasserstoff-Flugmotoren, Infrastruktur und Sensorik erfolgen. Insgesamt beträgt die EU-Förderung rund 4,6 Millionen Euro.