Umfrage: CDU fällt auf 23 Prozent – AfD erreicht Höchstwert
Bei der Landtagswahl waren Grüne und CDU knapp beieinander. Sieben Monate später fällt die CDU deutlich zurück. Was steckt hinter dem Umschwung?
Manuel Hagel ist CDU-Landeschef und Innenminister. (Archivbild)Katharina Kausche/dpa
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Gut sieben Monate nach der Landtagswahl verliert die CDU in Baden-Württemberg einer Umfrage zufolge erheblich an Zustimmung – während die AfD deutlich zulegt. Wenn am Sonntag Landtagswahl im Südwesten wäre, kämen beide Parteien auf jeweils 23 Prozent. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des SWR, der „Stuttgarter Zeitung“ und der „Südwest Presse“ hervor.
Damit verschieben sich die Kräfteverhältnisse hinter den Grünen von Ministerpräsident Cem Özdemir deutlich. Zusammen hätten Grüne und CDU aber nach wie vor eine stabile Mehrheit für eine gemeinsame Koalition: Die Grünen bleiben mit 30 Prozent stärkste Kraft.
Allzeithoch für AfD
Bei der Landtagswahl im März hatte die CDU von Landeschef Manuel Hagel mit 29,7 Prozent nur knapp hinter den Grünen mit 30,2 Prozent gelegen. In der aktuellen Umfrage beträgt der Abstand dagegen sieben Prozentpunkte. Nur noch 17 Prozent der Befragten trauen der CDU zu, die wichtigsten landespolitischen Probleme anzupacken – ein Minus von 13 Punkten. Bei den Grünen sind es 27 Prozent.
Die AfD verbessert sich gegenüber ihrem Wahlergebnis von 18,8 Prozent um 4,2 Prozentpunkte – ein Allzeithoch im sogenannten BW-Trend, wie der SWR mitteilt. Der Verfassungsschutz beobachtet die AfD in Baden-Württemberg als rechtsextremistischen Verdachtsfall.
Die SPD kann sich gegenüber ihrem Wahlergebnis im März (5,5 Prozent) leicht verbessern auf 7 Prozent. Die Linke, die damals den Einzug in den Landtag knapp verpasst hatte, würde jetzt 6 Prozent erreichen. Die FDP verharrt laut Umfrage bei 4 Prozent, auch sie war aus dem Landtag geflogen.
Liegt es am Kanzler?
Der Absturz der Südwest-CDU dürfte mit der Krise in der Bundes-CDU und der Regierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) zu tun haben. Im Bund liegt die Union derzeit weit abgeschlagen hinter der AfD. In einer Umfrage des Instituts Insa etwa kamen CDU und CSU diese Woche bundesweit lediglich auf 18,5 Prozent, die AfD auf 30 Prozent.
Aber mit Hagels Arbeit im Land sind auch nur 30 Prozent der Befragten zufrieden. Özdemir baut indes sein Ansehen in der Bevölkerung als Ministerpräsident aus. 58 Prozent der Wahlberechtigten sind zufrieden mit der Arbeit des Regierungschefs. Das sind 7 Prozentpunkte mehr als kurz vor der Landtagswahl, als Özdemir noch Spitzenkandidat war.
Besonders bitter für Innenminister Hagel: Selbst CDU-Anhänger schätzen Özdemir dem SWR zufolge mehr als ihn. 68 Prozent der CDU-Anhänger sind demnach mit dem grünen Regierungschef zufrieden, aber nur 61 Prozent mit Hagel. Fast ein Drittel aller Befragten kennt Hagel nicht oder gibt an, seine Arbeit nicht beurteilen zu können.
Zufriedenheit wie bei Kretschmann
Mit Özdemirs Regierung insgesamt sind derzeit laut Erhebung 51 Prozent zufrieden, 43 Prozent sehen sie kritisch. Das entspricht laut SWR den Werten der Vorgängerregierung unter dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann kurz vor der Wahl im März. Kretschmann hatte das Land 15 Jahre regiert. Die Zufriedenheit mit einer Landesregierung liege derzeit nur in Schleswig-Holstein und Hamburg höher.
Sorge um Jobs wächst
Neben den Parteipräferenzen erfasst der BW-Trend auch die Stimmung zur Wirtschaft. Der Mitteilung zufolge machen den Menschen im Land die Folgen der Krise zu schaffen. Die Sorge um die Autoindustrie ist groß, die Angst um den eigenen Arbeitsplatz wächst.
Für die Umfrage wurden insgesamt 1.191 Menschen in Baden-Württemberg zwischen dem 8. und 13. Oktober 2026 befragt. Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Die sogenannte Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahlverhalten.