Tschentscher: „Sagen Sie Ja zu Olympia in Hamburg“
Beim Referendum am 31. Mai entscheidet Hamburg über eine Olympia-Bewerbung. SPD, Grüne und CDU sehen darin mehr als ein Sportevent – es geht auch um Zusammenhalt und Zukunft.
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hält das Hamburger Olympia-Konzept für das beste, „das in Deutschland bisher entworfen wurde“.Ulrich Perrey/dpa
© Ulrich Perrey/dpa
Eine große Mehrheit aus SPD, Grünen und CDU haben in der Hamburgischen Bürgerschaft um ein klares Ja zu Olympischen Spielen in der Hansestadt geworben. „Beim Referendum am 31. Mai geht es nicht nur um ein konkretes Projekt und ein sportliches Großereignis, es geht auch um den Zusammenhalt der Menschen und die Werte, für die wir als Freie und Hansestadt Hamburg seit Generationen eintreten“, sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) in einer Regierungserklärung. Unterstützung bekam er sowohl vom Grünen-Koalitionspartner als auch vom CDU-Oppositionsführer. Kritik kam dagegen von den Linken und der AfD.
Tschentscher: historische Chance für Hamburg
Tschentscher sprach von einer historischen Chance für Hamburg. Am Ende gehe es auch um eine Entscheidung über das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, über das Vertrauen in die Zukunft. „Und deshalb (...) liebe Hamburgerinnen und Hamburger, sagen Sie „Ja“ zu Olympia,
sagen Sie „Ja“ zu Olympischen und Paralympischen Spielen in Hamburg.“ Das Hamburger Konzept sei das beste Olympia-Konzept, „das in Deutschland bisher entworfen wurde“.
Hamburgs rot-grüner Senat möchte sich für Olympische und Paralympische Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben. Neben Hamburg bemühen sich auch Berlin, München und die Region Rhein-Ruhr, der deutsche Kandidat zu werden. In Hamburg wird am 31. Mai mit einem Referendum über die Bewerbung abgestimmt. Die Entscheidung über den deutschen Olympia-Bewerber fällt im September.
Seit dem Referendum 2015 hat sich viel geändert
Seit dem Referendum 2015, bei dem sich in Hamburg Olympia-Gegner durchgesetzt hatten, habe sich viel geändert, sagte Tschentscher. „Früher mussten sich die Olympia-Städte den Spielen anpassen, mit gigantischen Stadien und massiven Umbauten.“ Heute gehe es nicht mehr um Arenen der Superlative, „es geht um Nachhaltigkeit und Gemeinschaft, es geht um die Förderung des Schul- und Breitensports, um Inklusion und Barrierefreiheit“.
Tschentscher räumte ein, dass es auch kritische Stimmen gebe. „Aber es gibt auch Einwände und Kritik, die nicht berechtigt und sogar irreführend sind.“ Dabei gehe es vor allem um die Kosten. „Der wichtigste Punkt ist, dass die Kosten für die Organisation und Durchführung der Spiele im Umfang von 4,8 Milliarden Euro vollständig durch den Verkauf von Tickets, Lizenzen und weitere Einnahmen gedeckt werden. Diese Rechnung steht.“
Tschentscher betonte, Olympische Spiele hätten „positive Effekte auf die Wirtschaft“. Auch deshalb sei die Wirtschaft in ganz Norddeutschland für Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg. Er widersprach damit allerdings zahlreichen Ökonomen und Wirtschaftswissenschaftlern, die keine wirtschaftlichen Effekte bei Olympischen Spielen erkennen können, wie auch die Linken-Fraktionsvorsitzende Heike Sudmann sagte.
Thering warnt: Werden abgehängt bei einem Nein
CDU-Fraktionschef Dennis Thering warnte: „Wir werden abgehängt, wenn wir weiter nur Nein sagen. Wir werden abgehängt, wenn wir wie die Linke und die AfD immer nur quengeln, jammern, schlechte Stimmung machen und keine Lust auf Zukunft haben.“ Olympische Spiele böten eine Chance, die Infrastruktur zu verbessern, Sportstätten zu modernisieren und die Barrierefreiheit auf ein neues Niveau zu heben. Auch könnten junge Menschen für Sport, für Fairness und für Gemeinschaft begeistert und Hamburg international positioniert werden. „Das generiert Wachstum und Wohlstand weit über die Olympischen Spiele hinaus, über Jahrzehnte“, sagte Thering.
Auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Sina Imhof warb für ein „Ja“ beim Referendum. Paris habe vorgemacht, wie das gehen könne: „Olympische und paralympische Spiele, die sich in die Stadt einfügen und sie langfristig voranbringen.“ Es gehe um weit mehr als ein Sportevent. „Wenn wir den Bau der U5 oder den Ausbau des Hauptbahnhofs beschleunigen, so tun wir das nicht für das IOC – sondern für die hunderttausend Menschen in unserer Stadt, die jeden Tag Bahnfahren.“
Linke und AfD kritisieren Bewerbung um Olympische Spiele
Sudmann verwies unter anderem auf das Internationale Olympische Komitee (IOC), das immer noch mit Korruption, mit mangelnder Transparenz kämpfe, und warnte vor steigenden Mieten. AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann kritisierte die Kosten und monierte unter anderem das Fehlen einer Kalkulation für die Sicherheit während Olympischer Spiele.