Torloses Remis: England und Kane enttäuschen gegen Ghana
England verpasst gegen Ghana die vorzeitige Qualifikation für das Sechzehntelfinale. Warum ein Spieler nach turbulenten Tagen ausgebuht wird und ein Fluch über dem Spiel liegt.
Kein Faktor bis zur Pause: Englands Superstürmer Harry Kane. Tom Weller/dpa
© Tom Weller/dpa
Englands Star-Offensive um Superstürmer Harry Kane ist an Ghanas Abwehr-Bollwerk verzweifelt und hat auf seiner Titel-Mission bei der Fußball-WM einen herben Dämpfer kassiert. Die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel kam gegen die Afrikaner nicht über ein 0:0 hinaus und verpasste die vorzeitige Qualifikation für die K.o.-Runde. Die Three Lions bleiben zwar Tabellenführer der Gruppe L, doch der Auftritt bremst die Hoffnung der Fans auf den zweiten WM-Stern der Verbandsgeschichte.
Die besten Chancen vergaben Nico O’Reilly mit einem Kopfball an die Latte und Kane mit dem Nachschuss in der 86. Minute. Vor 63.983 Zuschauern in Boston verpasste der Bayern-Torjäger die Chance, sich zum alleinigen WM-Rekordtorschützen Englands zu krönen. So muss er sich die Zehn-Tore-Bestmarke weiterhin mit Gary Lineker teilen.
„Harry macht den normalerweise rein. Wenn du kein Tor schießt (...), wenn die so tief stehen, dann wird es einfach verdammt schwer“, sagte Tuchel. „Es waren Chancen da, aber leider konnten wir uns nicht belohnen.“ Man habe auch „höllisch aufpassen“ müssen bei den Angriffen des Gegners.
Der 22 Jahre alte Jude Bellingham avancierte zum jüngsten Spieler mit 50 Länderspieleinsätzen für England. Doch angesichts des enttäuschenden Auftritts der Engländer geriet dieser Meilenstein schnell in den Hintergrund.
Am letzten Spieltag der Gruppenphase ist England klarer Favorit gegen Panama. Ghana trifft auf Kroatien. Auch die Afrikaner haben weiter gute Aussichten, sich für das Sechzehntelfinale zu qualifizieren.
Nach Einreiseverbot in Kanada: Erster Auftritt von Partey
Besonders im Fokus stand Ghanas Mittelfeldspieler Thomas Partey, der den WM-Auftakt in Kanada wegen einer Einreisesperre verpasst hatte. Der 33-Jährige steht seit April dieses Jahres wegen Missbrauchsvorwürfen in London vor Gericht. Ihm wird in der Anklage vorgeworfen, im Dezember 2020 eine Frau zweimal vergewaltigt zu haben. In die USA durfte er einreisen.
Sprach am Tag vor dem Spiel vor Reportern: Ghanas Thomas Partey.Martin Rickett/PA Wire/dpa
© Martin Rickett/PA Wire/dpa
„Es passieren Dinge außerhalb des Fußballs, die man nicht beeinflussen kann. Mir geht es jetzt gut und ich fühle mich spielbereit“, hatte Partey angekündigt. Bei der Vorstellung der Spieler sowie bei Ballkontakten wurde er von vielen Zuschauern ausgebuht.
Schamane wollte Kane mit Fluch belegen
Oft kam der Ghanaer aber ohnehin nicht an den Ball. England war drückend überlegen. Dass man trotz rund 80 Prozent Ballbesitz in der ersten Halbzeit ohne Torerfolg blieb, versetzte Tuchel in Rage. Im letzten Drittel fehlte dem Favoriten die Konsequenz und die Präzision.
Ging mit unzufriedener Miene in die Halbzeitpause: Englands Trainer Thomas Tuchel. Tom Weller/dpa
© Tom Weller/dpa
Die Folge übernatürlicher Kräfte? Ein afrikanischer Schamane hatte nämlich vor dem Spiel angekündigt, Kane mit einem Fluch zu belegen. „Es wird ihn davon abhalten, Tore zu schießen“, kündigte Nana Kwaku Bonsam gegenüber dem „Daily Star“ an und behielt Recht. Es dauerte bis zur Nachspielzeit der ersten Hälfte, bis Kane erstmals in Szene gesetzt wurde.
David Beckham sieht enttäuschende Engländer
Das Spiel bot so gut wie keine Highlights. Zweimal wurde es in den ersten 60 Minuten laut: Einmal, als die Fans ihren Unmut über die Trinkpause äußerten. Und einmal, als David Beckham eingeblendet wurde. Ghana verteidigte und machte es Englands Offensive schwer. Beide Torhüter waren lange Zeit quasi beschäftigungslos.
Englands Fußball-Legende David Beckham verfolgte die Partie live im Stadion.Tom Weller/dpa
© Tom Weller/dpa
Mitte der zweiten Halbzeit startete England zwar mal wieder eine Drangphase, doch entweder die Schüsse von Noni Madueke und Anthony Gordon waren abermals zu unplatziert oder Kanes Kopfball flog weit über die Latte. Statt Treffer prägten viele ruppige Zweikämpfe die Partie.
Offensivspieler Jude Bellingham war überhaupt kein Faktor in der Partie.Tom Weller/dpa
© Tom Weller/dpa