Tödlicher Malaria-Fall beschäftigt Frankfurter Stadtteil
Eine Anopheles-Mücke soll Malaria vom Frankfurt Flughafen nach Schwanheim gebracht haben. Ein Infizierter starb dort. Wie die Fälle das Stadtgespräch prägen.
Der Stadtteil Schwanheim liegt im Westen von Frankfurt, direkt am Main. Im Süden grenzt ein Waldgebiet an, dahinter befindet sich der Frankfurter Flughafen, der größte Airport bundesweit. Überregional bekannt war Schwanheim bisher höchstens für ein Naturschutzgebiet, die Schwanheimer Düne. Doch nun haben ausgerechnet zwei Malaria-Fälle den Stadtteil bekannter gemacht.
Eine Anopheles-Mücke soll den Erreger fünf Kilometer weit vom Flughafen in den Stadtteil mit rund 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern transportiert und zwei Bewohner infiziert haben. Einer von beiden starb, wie das Gesundheitsamt am Donnerstag bekanntgegeben hat. Es handele sich um seltene und ungewöhnliche Fälle der sogenannten Flughafen-Malaria, sagen Experten.
Der genaue Ablauf wird derzeit noch untersucht. Die Stadt hat dazu etwa Mückenfallen aufgestellt, sowohl in Schwanheim als auch am Flughafen. In seltenen Fälle könnten Anopheles-Mücken fünf bis zehn Kilometer überwinden, erklärte das Frankfurter Gesundheitsamt. Das würde in diesem Fall passen. Grund zu Angst oder Panik gebe es aber nicht.
Die Malaria-Fälle beschäftigen die Menschen in Schwanheim, wie ein Besuch dort zeigt. Felix Kögel, der gerade in der Ortsmitte unterwegs ist, sagt, er habe sich kurz Gedanken gemacht, als ihn eine Fliege in der Nacht nicht schlafen ließ. Trotzdem glaubt er nicht, dass er sich infizieren könnte. „Selbst wenn – ich bin noch jung. Die Chancen sind hoch, dass es nicht schlimm wird“.
Der Stadtteil Schwanheim liegt im Westen Frankfurts. Boris Roessler/dpa
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Erkrankte in stationärer Behandlung
Zu den zwei Schwanheimer Malaria-Erkrankten gibt es vom Gesundheitsamt keine weitere Information. Bekannt ist lediglich, dass beide in verschiedenen Haushalten lebten und der verstorbene Patient oder die verstorbene Patientin in der Universitätsmedizin in Behandlung war. Auch der zweite Fall wird stationär behandelt, hieß es zuletzt. Weitere Fälle seien nicht bekanntgeworden.
Von Flughafen-Malaria geht das Gesundheitsamt aus, da die beiden Betroffenen zuvor keine Reise in ein Malaria-Gebiet unternommen hatten. Bereits im Sommer gab es in Frankfurt sechs Fälle einer solchen Infektion, betroffen waren Mitarbeiter des Flughafenbetreibers Fraport. Zwei von ihnen starben.
Der Flughafen Frankfurt ist der größte bundesweit. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa
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Die Anopheles-Mücken, die den Erreger in sich tragen, werden mit Flugzeugen aus Malaria-Gebieten eingeschleppt. Pro Jahr gibt es nur wenige Fälle von derartigen Infektionen. Dass Flughafen-Anwohner betroffen sind, ist noch seltener. Das Gesundheitsamt rief die Menschen auf, Fliegengitter und anderen Mückenschutz zu verwenden und bei Symptomen zum Arzt zu gehen.
Malaria-Angst in WhatsApp-Gruppen
Felix Kögel berichtet in Schwanheim von Panikmache unter älteren Leuten, besonders über WhatsApp-Gruppen. Davon ist bei zwei älteren Herren in einem Eiscafé jedoch nichts zu spüren. Sie möchten ihren vollen Namen nicht nennen. „Wenn man so alt ist wie wir, hat man keine Angst mehr“, sagt einer der beiden. Betroffen mache es aber, wenn Menschen sterben. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bevölkerung in Gefahr ist“, sagt der andere.
Eine Apothekerin berichtet, sie habe bisher nicht mitbekommen, dass sich die Schwanheimer große Sorgen machten. Kunden seien bis jetzt nicht besorgt auf sie zugekommen. „Die Fliege hat bestimmt auch schon lange das Zeitliche gesegnet“, mutmaßt sie.
Mücken der Gattung „Anopheles“ können den Malaria-Erreger übertragen. (Archivbild) Stephen Morrison/EPA FILE/dpa
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Viele Fragen sind derweil offen: Wie viele Mücken sind für die acht Infektionen und drei Todesfälle verantwortlich? Wieso flogen sie kilometerweit durch den Wald? Könnten Malariamücken sogar in der Nähe des Flughafens heimisch geworden sein?
Für Malariaforscher wie Carsten Köhler, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Leiter des Kompetenzzentrums Tropenmedizin an der Uni Tübingen, sind diese Fragen „wissenschaftlich höchstspannend“, wie er im Interview mit der „Zeit“ sagte.
Dass eingeschleppte Mücken die Malaria dauerhaft zurück nach Deutschland bringen, hält er für unwahrscheinlich – unter anderem, weil sie den Winter nicht überleben würden.
Die Stadt Frankfurt rief Ärztinnen und Ärzte auf, Flughafen-Malaria als potenzielle Erkrankung auf dem Schirm zu haben. Auch Bürger und Bürgerinnen sollen bei Symptomen aktiv werden.
In der Praxis schwer zu erkennen
In der Hausarztpraxis sei Malaria „ohne Vorwarnung“ – also, ohne dass der Patient zuvor in einem Risikogebiet war – schwer zu erkennen, sagt der Vorsitzende der hessischen Hausärzte, Christian Sommerbrodt. „Das liegt daran, dass das extrem selten vorkommt und dass die Symptome so unspezifisch sind.“
Die Mücke soll mit Flugzeug aus einem Malaria-Gebiet gekommen sein.Boris Roessler/dpa
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Charakteristisch für Malaria sei, dass die Patienten Fieberschübe haben, ohne Halsschmerzen oder Husten. Seit den Fällen am Flughafen seien die Ärzte aber für das Thema sensibilisiert. Typischerweise denke man als Hausarzt bei Fieber nicht zuerst an Malaria, wenn der Kranke nicht auf Reisen war, „sondern vielleicht erst nach dem zweiten oder dritten Fieberschub“, so Sommerbrodt. Ein Indiz könnte sein, dass andere Symptome, die mit Infekten einhergehen, wie eben Halsschmerzen oder Husten, fehlen.