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Ende in Kiel: THW trennt sich von Trainer Filip Jicha

Nach sieben Jahren als Chefcoach bei Rekordmeister THW Kiel muss Chefcoach Filip Jicha seinen Posten aufgeben. Der Tscheche prägte eine Ära als Spieler und Trainer. Wird Börge Lund sein Nachfolger?

22.06.2026

Handball-Rekordmeister THW Kiel hat seinen Trainer Filip Jicha freigestellt. (Archivbild)Philipp Szyza/dpa

Handball-Rekordmeister THW Kiel hat seinen Trainer Filip Jicha freigestellt. (Archivbild)Philipp Szyza/dpa

© Philipp Szyza/dpa

Der erfolgreichste Handball-Akteur in der Geschichte des THW Kiel muss gehen. Nach 33 Titeln als Spieler und Trainer endet für Filip Jicha seine Zeit beim deutschen Rekordmeister. Auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Trainingszentrum Altenholz verkündete Geschäftsführer Viktor Szilagyi die Trennung von dem 44-jährigen Tschechen und damit das Ende einer Ära. 

„Meine Aufgabe ist es, aus Erkenntnissen zu handeln. Ich hätte mir gewünscht, den Neustart unserer neu formierten Mannschaft wie geplant gemeinsam mit Filip angehen zu können“, sagte Szilagyi, „aber der Ballast der sportlichen Entwicklung in den letzten Monaten wiegt dafür zu schwer.“

Jicha: „Ich bin enttäuscht“

Jicha wurde der sechste Rang des Traditionsclubs in der abgeschlossenen Bundesliga-Saison zum Verhängnis. Diese Platzierung war die schlechteste der Zebras seit 23 Jahren. Erstmals seit 33 Jahren sind die Norddeutschen nicht im internationalen Geschäft vertreten. Zum dritten Mal nacheinander verpassten sie die Qualifikation zur Champions League. Die Entscheidung über die Freistellung sei erst am Wochenende getroffen worden.

Jicha meldete sich kurze Zeit nach Bekanntwerden der Trennung. „Ich bin natürlich enttäuscht, dass diese Entscheidung gefallen ist, wie sie jetzt ist“, schrieb er bei Instagram. „Über das Warum mag man spekulieren, aber ich mache hier einen Punkt.“

 

„Kieler Nachrichten“: Börge Lund wird Jicha-Nachfolger

Nach Informationen der „Kieler Nachrichten“ soll der Norweger Börge Lund die Nachfolge Jichas antreten. Der 47-Jährige steht seit 2020 beim norwegischen Club Elverum Handball unter Vertrag und spielte von 2007 bis 2010 für die Kieler.

Szilagyi hielt sich mit Aussagen über den künftigen Trainer noch zurück. „Zu eventuellen Nachfolgern werden wir heute nichts sagen. Natürlich wissen wir, dass in den nächsten Tagen beinahe jeder Name im Welthandball mit uns in Verbindung gebracht werden wird“, sagte er. Es sei erst einmal „der Tag der Dankbarkeit für das, was Filip für den THW Kiel geleistet hat“. 

Jicha prägte als Spieler und Trainer den THW

Der im tschechischen Pilsen geborene Jicha verkörperte wie kaum ein anderer als Trainer und als Spieler die Erfolgsgeschichte des THW. 2007 war er nach zuvor zwei Jahren beim TBV Lemgo an die Förde gewechselt. In seiner Zeit als Spieler gewann er zweimal die Champions League, siebenmal die deutsche Meisterschaft und achtmal den DHB-Pokal.

2015 verabschiedete er sich zum FC Barcelona nach Spanien. 2018 kehrte er nach Kiel zurück, zunächst als Co-Trainer des heutigen Bundestrainers Alfred Gislason. Seit 2019 trug Jicha die Verantwortung an der Seitenlinie. 

Dreimal gewann er mit den Kielern den nationalen Titel, unter anderem in der wegen der Corona-Pandemie abgebrochenen Saison. Zweimal gab es den Triumph im DHB-Pokal und 2020 auch in der Königsklasse. Erst im Oktober hatten der Club und der Tscheche den Vertrag bis zum 30. Juni 2028 verlängert.

Der letzte von vielen Titeln: Filip Jicha mit dem deutschen Pokal 2025. (Archivbild)Marius Becker/dpa

Der letzte von vielen Titeln: Filip Jicha mit dem deutschen Pokal 2025. (Archivbild)Marius Becker/dpa

© Marius Becker/dpa

Der bis dato letzte nationale Titel gelang 2025 im Pokal. Die Meisterschale wanderte zuletzt 2023 in die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein.
Danach ging es in der Liga bergab: 2024 und 2025 gab es nur Platz vier, bevor in der abgelaufenen Saison mit dem sechsten Platz ein für das Selbstverständnis des THW dramatisches Ergebnis folgte.

Personelle Probleme und taktische Defizite

Die Spielzeit stand für die Kieler personell unter keinem guten Stern. So fiel der dänische Rückraumwerfer Emil Madsen ebenso aus wie der Spielmacher Elias Ellefsen à Skipagötu. Der Profi von den Färöern plagte sich zuletzt mit Schulterproblemen herum.

Die personellen Ausfälle waren aber nicht allein verantwortlich für den Niedergang der einstigen Überflieger von der Förde. Auch eine etwas antiquierte Spielweise und zu wenig Tempo wurden Jicha immer wieder zur Last gelegt.

Kritik an Jichas Spielweise

Gleiches galt für das permanente Überzahlspiel mit dem siebten Feldspieler, das einerseits große Chancen eröffnete, andererseits aber die große Gefahr von Gegentreffern in das leere Tor eröffnete. So setzte es unter anderem am vorletzten Spieltag eine peinliche 30:34-Auswärtspleite bei Absteiger GWD Minden.

Immerhin gelang es dem THW Kiel, dem neuen Meister SC Magdeburg die einzige Niederlage in der vergangenen Bundesliga-Saison beizufügen. Für eine Zukunft von Jicha im Verein war das aber zu wenig. 

Mit dem Slowenen Domen Makuc (kommt vom FC Barcelona) und Nationalspieler Julian Köster (VfL Gummersbach) als namhafteste Zugänge soll in der nächsten Saison ein Neuanfang an der Förde gestartet werden. 

Jicha wird dann nur noch Beobachter sein. Einmal soll der einstige Weltklasse-Rückraumspieler noch einmal im Mittelpunkt stehen. Szilagyi kündigte an, Jicha solle in der Ostseehalle noch einmal die Möglichkeit bekommen, sich vor großer Kulisse mit seiner Familie vom Verein und den Fans zu verabschieden.