Weitere Sprengsätze an Stromleitungen - Täter auf der Flucht
Die Polizei hat weitere Sprengsätze an einer Stromleitung entdeckt. Die Spur führt auch hier zu einem 48-Jährigen, den der Bundesinnenminister als „Klimaterroristen“ bezeichnet. Aber wo ist der Mann?
Die Polizei ist derzeit rund um die kritische Energie-Infrastruktur immer wieder im Einsatz.Christoph Reichwein/dpa
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Nach der Serie von Angriffen auf das Stromnetz in mehreren Bundesländern fahnden die Behörden weiter nach dem mutmaßlichen Täter. Bislang habe man den 48-Jährigen nicht aufspüren können, sagte ein Polizeisprecher. „Die polizeilichen Fahndungsmaßnahmen laufen weiter.“
Nach den Sabotage-Aktionen in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg wurden auch in Sachsen weitere selbst hergestellte Abschussvorrichtungen im unmittelbaren Bereich von Hochspannungstrassen entdeckt. Die Sprengvorrichtungen seien durch Spezialkräfte des Landeskriminalamtes entschärft worden. Damit erhöhe sich die Zahl der in allein Sachsen aufgefundenen Vorrichtungen nach Angaben der Behörden auf 21.
Zusammenhang der Fälle wird geprüft
Wegen eines Bekennerschreibens und „der Art der Sprengvorrichtungen“ werde ein Zusammenhang zu den Fällen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen geprüft, schrieben die Behörden.
Der Verdächtige hatte überall versucht, mit selbstgebauten Raketen einen dünnen Draht über die Hochspannungsleitungen zu schießen und so einen Kurzschluss auszulösen. In Bergheim zwischen Düsseldorf und Köln waren dadurch mehrere Blöcke eines Stromkraftwerks lahmgelegt worden, zu Stromausfällen kam es aber nicht. Auch bei Jänschwalde in Brandenburg war ein solcher Angriff auf das Stromnetz erfolgreich.
Beschädigter Zaun an Umspannwerk führt zu Polizeieinsatz
Einen größeren Polizeieinsatz gab es auch an einem Umspannwerk in Wesel am Niederrhein. In der Nacht zum Montag war einer Polizeistreife dort ein Loch in einem Zaun aufgefallen. „Wir sind jetzt sensibilisiert in Bezug auf solche Einrichtungen und fahren dort vermehrt Streife“, sagte der Polizeisprecher. Der Bereich wurde von Beamten abgesucht, es habe an dem Umspannwerk aber keine weiteren Hinweise auf eine Straftat gegeben.
Das Loch in einem Zaun des Umspannwerks Wesel war einer Polizeistreife aufgefallen. Die Einsatzkräfte starteten daraufhin einen großen Einsatz.Nonstopnews/dpa
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In Berlin-Mitte kam es zu einer Explosion in einem Umspannwerk, wie ein Sprecher des Betreibers 50Hertz sagte. Rund 90 Ampeln in der Hauptstadt fielen aus. Unternehmenssprecher zufolge deutet derzeit einiges darauf hin, dass ein technischer Defekt die Ursache ist. Dies bestätigte auch die Polizei nach ersten Ermittlungen.
Fahnder hoffen weiter auf Hinweise von Zeugen
Zu den Taten in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen gibt es Bekennerbriefe, die die Ermittlungsbehörden für authentisch halten und dem gesuchten 48-Jährigen aus Gevelsberg im südlichen Ruhrgebiet zuordnen. „Das Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist eindeutiges Täterwissen“, hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Freitag gesagt. Es handele sich offensichtlich um „Klimaterrorismus“ eines Einzeltäters.
Am Samstag veröffentlichten die Ermittler einen Fahndungsaufruf mit zwei Fotos des Verdächtigen. Inzwischen wird auch nach einem Fahrrad gefahndet, das er möglicherweise benutzt hat. Die Ermittler hoffen weiterhin auf Hinweise von Zeugen. In der Wohnung des Tatverdächtigen hatten Fahnder Sprengstoff gefunden.
Ermittler sichern nach dem Fund von Sprengvorrichtungen an Hochspannungsleitungen in Ostsachsen die Spuren.Jenny Pohl/xcitepress/dpa
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Am Sonntag hatte es einen Großeinsatz im lange Zeit von Klimaaktivsten besetzten Hambacher Forst im Rheinischen Braunkohlerevier nahe Köln gegeben, nachdem der Camping-Lastwagen des Verdächtigen ganz in der Nähe gefunden wurde. Allerdings fanden die Beamten dort keine Hinweise auf den Mann.
In den Bekennerbriefen hatte der mutmaßliche 48-jährige Täter die Angriffe auf das Stromnetz mit dem Kampf gegen fossile Energien begründet. „Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen“, heißt es in den Briefen, die auch der „Deutschen Presse-Agentur“ vorliegen. In allen drei betroffenen Bundesländern wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt.