Stromnetz Berlin investiert Millionen in mehr Sicherheit
Nach den Brandanschlägen investiert Betreiber Stromnetz Berlin einen zweistelligen Millionenbetrag in mehr Sicherheit. Die Gesamtinvestitionen ins Netz sind aber weitaus höher.
Nicht nur die Zentrale von Stromnetz Berlin wird per Kamera überwacht, auch immer mehr Teile des Netzes werden seit den beiden Brandanschlägen im September und Januar genauer kontrolliert. Soeren Stache/dpa
© Soeren Stache/dpa
Weniger als acht Minuten mussten Berliner Haushalte im Schnitt im vergangenen Jahr ohne Strom auskommen - damit sind die Ausfallzeiten zum dritten Mal in Serie gesunken. Bei Tausenden Menschen in Treptow-Köpenick oder im Südwesten Berlins dürfte diese Statistik nach den tagelangen Ausfällen im September und Januar aber eher ärgerliche Erinnerungen hervorrufen. Der Stromnetzbetreiber Stromnetz Berlin will solche Ereignisse in Zukunft besser verhindern und investiert daher in diesem Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag in Sicherheitstechnik und Wachschutz.
100-prozentige Sicherheit könne es nicht geben, sagte Stromnetz-Geschäftsführer Erik Landeck. „Dennoch tun wir das technisch und Menschenmögliche, um unsere Einrichtungen und das Berliner Stromnetz wirkungsvoll zu schützen.“ Das soll mit einer Kombination aus Kameratechnik, Sensoren und höheren Zäunen mit Stacheldraht gelingen. Stromnetz Berlin hat Landeck zufolge 20 Kilometer solcher Zaunanlagen beschafft, die bis Juni aufgebaut werden sollen.
Beide großen Stromausfälle waren Folgen von mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlägen. Vor allem der Anschlag am 3. Januar sorgte für große Aufmerksamkeit, da in vielen Häusern bei eisigen Temperaturen auch die Heizungen ausfielen. 45.000 Haushalte und 2.000 Gewerbe waren vom Stromausfall betroffen. Am 7. Januar war die Stromversorgung wieder für alle hergestellt. Im September waren 50.000 Haushalte und 2.000 Gewerbe betroffen, der Ausfall dauerte rund 60 Stunden.
Landeck: An beiden Anschlagsorten wurden Redundanzen geplant
Beide Anschläge hatten so große Auswirkungen, weil es an beiden Orten nicht genügend Redundanzen, also alternative Kabel mit der gleichen Aufgabe gab. In Treptow-Köpenick gab es zwar zwei Kabel, die sich bei einem Ausfall gegenseitig ersetzen sollen - sie verliefen aber über denselben Masten und wurden beide beschädigt.
Landeck sagte, beide Orte seien den Stromnetz-Experten schon vor den Anschlägen als kritische Punkte bekannt gewesen. Wäre es erst einige Monate später zu den Anschlägen gekommen, hätten sie keine so große Wirkung erzielt, so der Geschäftsführer. Bei der Kabelbrücke in Lichterfelde sei ein System bereits auf eine neue Brücke verlegt gewesen, beim Anschlag im Südosten Berlins hätte es sechs Monate später ein redundantes System an einem anderen Ort gegeben.
Stromnetz-Geschäftsführer Landeck ist sich sicher, dass die Kombination aus Sensor- und Kameratechnik sowie höheren Zäunen für mehr Sicherheit sorgen wird. Soeren Stache/dpa
© Soeren Stache/dpa
Alle Strommasten in Berlin sollen gesichert werden
Stromnetz Berlin sichert das Netz derzeit unter anderem mit circa 200 Kameras. Die Netzknoten und Umspannwerke seien ausgestattet. Ziel sei es, alle 120 Strommasten in Berlin mit einer Sensor- und Kameratechnik zu sichern. Die Sensoren reagierten nicht nur auf Bewegungen, sondern zum Beispiel auch auf Schwingungen oder typische Geräusche, die beim Schweißen oder Sägen entstehen.
Die Videotechnik, die derzeit verbaut werde, sei hilfreich. „Wir sehen Dinge, und wir sind in enger Zusammenarbeit mit der Polizei, dann die Verfolgung aufzunehmen. Ob das immer neue Täterinnen und Täter sind oder jemand ist, der über die Zaunanlage gehen wollte, wissen wir nicht“, sagte Landeck. Diese Frage entfalle aber künftig mit den Zäunen samt Stacheldrahtbesatz. „Wenn dann jemand da drüber will, muss man davon ausgehen, dass da jemand auch was vorhat.“
Millionen-Investitionen nicht nur für mehr Sicherheit
Betrachtet man die gesamten Investitionspläne des Stromnetzbetreibers, dann wird deutlich, dass die Herausforderungen des Unternehmens lange nicht nur im Bereich Sicherheit liegen. Stromnetz Berlin strebt in den kommenden Jahren eine Verdopplung der Kapazitäten des Berliner Stromnetzes an. Der Bedarf wachse, etwa durch neue Rechenzentren, die Dekarbonisierung der Industrie, mehr Wärmepumpen und neue Quartiere.
Für das laufende Jahr hat das Unternehmen Investitionen von 597 Millionen Euro für den Erhalt, den Ausbau, für mehr Digitalisierung, aber auch die Erhöhung der Resilienz der Berliner Stromnetzinfrastruktur eingeplant.
Weitere Zahlen zum Stromnetz in Berlin
- Im vergangenen Jahr ist der Stromtransport durch das Berliner Netz im Vergleich zum Vorjahr minimal gestiegen - von 12.275 Gigawattstunden auf 12.290 Gigawattstunden.
- Stromnetz Berlin sieht den Bedarf für eine Verdopplung der Netzkapazität in den kommenden zehn Jahren. Im Januar 2026 wurde eine Höchstlast von 2.200 Megawatt verzeichnet. Für 2034 erwartet Stromnetz eine Höchstlast von 4.500 Megawatt.
- In den nächsten fünf Jahren will Stromnetz Berlin mehr als 3,6 Milliarden Euro investieren. Zum Vergleich: In den Jahren 2021 bis 2025 wurden 1,6 Milliarden Euro investiert.
Spatenstich am Heizkraftwerk Berlin-Mitte - hier soll eine Anlage entstehen, mit der überschüssiger Strom aus Sonne und Wind in Fernwärme umgewandelt werden soll.Annette Riedl/dpa
© Annette Riedl/dpa
Neue Power-to-Heat-Anlage wird am Heizkraftwerk Mitte gebaut
Wie eng Strom- und Wärmeversorgung zusammenhängen, wurde beim Brandanschlag im Januar sehr deutlich. Wenn zu viel Strom aus Wind- und Solaranlagen kommt, kann dieser bald am Heizkraftwerk Berlin-Mitte innerhalb weniger Minuten in Fernwärme umgewandelt werden. Die BEW Berliner Energie und Wärme, der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz und Stromnetz Berlin haben gemeinsam den Bau einer sogenannten Power-to-Heat-Anlage auf den Weg gebracht. Die Inbetriebnahme ist bis Ende 2028 geplant.
Die Anlage will 50Hertz im sogenannten Engpassmanagement einsetzen, wenn im Osten Deutschlands mehr Strom aus erneuerbaren Energien produziert wird, als von Stromverbrauchern genutzt werden kann. Anstatt Windkraft- oder Photovoltaikanlagen dann abzuregeln, könne die neue Anlage Strom aufnehmen und diesen in das Berliner Fernwärmenetz einspeisen. Fernwärme wird auch im Sommer gebraucht, wenn nicht geheizt wird - etwa zur Erwärmung von Wasser.