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Streeck fordert „breite Expertise“ im Kampf gegen Pandemien

Virologe Streeck fordert für mögliche Pandemien eine gute Koordination von Expertenmeinungen und klare Strukturen bei Entscheidungen. Was er im Corona-Untersuchungsausschuss in Wiesbaden noch betont.

18.09.2026

Streeck: Bei möglichen neuen Pandemien wäre gute Koordination von Experteneinschätzungen und Forschung wichtig.Andrea Löbbecke/dpa

Streeck: Bei möglichen neuen Pandemien wäre gute Koordination von Experteneinschätzungen und Forschung wichtig.Andrea Löbbecke/dpa

© Andrea Löbbecke/dpa

Der Virologe Hendrik Streeck hat Verständnis dafür geäußert, dass sich Menschen in der Corona-Pandemie ungerecht behandelt gefühlt haben und deswegen wütend waren. Der Wut solle auch Raum gegeben werden, sagte er als Sachverständiger im Corona-Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags in Wiesbaden. Es stelle sich aber auch die Frage, ob eine Krise mit einem solchen Ausmaß überhaupt ohne Unrecht geschehen könne. Wer in einer solchen Situation Entscheidungen fällen müsse, stehe immer vor einem Dilemma, sagte der Experte. Streeck war während der Corona-Pandemie Mitglied des Expertenrats der Bundesregierung.

Streeck: „Breite Expertise“ wichtig im Kampf gegen Pandemien 

Mit Blick auf mögliche neue Pandemien mahnte er eine gute Koordination von Experteneinschätzungen und Forschung an. Wissenschaftliche Einschätzungen aus unterschiedlichen Fachrichtungen – etwa von Virologie und Psychologie – könnten gegensätzlich, aber trotzdem beide richtig sein, sagte er mit Blick auf die langen Schulschließungen in der Pandemie. Wichtig seien im Fall der Fälle unter anderem eine breite Expertise, klare Führungs- und Entscheidungsstrukturen, ausreichend Test- und Laborkapazitäten sowie eine Impfstrategie.

Den Experten fehlten Informationen aus China

In der ersten Welle einer Pandemie müsse man ohne Frage erst mal vorsichtig sein, solange unklar sei, wie gefährlich ein Erreger ist, sagte Streeck. Er erläuterte, dass es zum Beginn der Corona-Pandemie wenig bis keine Informationen dazu aus China gab. Die erste Reaktion des Gesundheitsamtes Frankfurt etwa am Flughafen nannte der Virologe „hochprofessionell“. Streeck ist inzwischen Bundestagsabgeordneter und Drogenbeauftragter der Bundesregierung.

Der Ausschuss wurde bereits vor zwei Jahren eingesetzt.Andrea Löbbecke/dpa

Der Ausschuss wurde bereits vor zwei Jahren eingesetzt.Andrea Löbbecke/dpa

© Andrea Löbbecke/dpa

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit sagte, aus heutiger Sicht sei ein positiver gesundheitlicher Gesamtnutzen pauschaler, wiederholter und lang andauernder Schul- und Kontaktbeschränkungen für Kinder und Jugendliche nicht überzeugend belegt. Kinder und Jugendliche hätten die damaligen Entscheidungen nicht selbst treffen können, würden deren Folgen nun aber tragen müssen. Deshalb sei man es ihnen schuldig, die Auswirkungen der Maßnahmen aufzuarbeiten, sagte der Experte.

Zugleich verwies der Virologe darauf, dass die Entscheidungen auf Grundlage der jeweils zum damaligen Zeitpunkt verfügbaren Daten getroffen worden seien. Dies müsse bei einer Bewertung aus heutiger Sicht berücksichtigt werden, sagte Schmidt-Chanasit. Die Einschränkungen seien damals auf dieser Datenbasis legitim erschienen.

Ausschuss legt mit Arbeit erst verzögert los

Den Untersuchungsausschuss hatte der hessische Landtag bereits im Juni 2024 auf Betreiben der AfD-Opposition eingesetzt. Nach einem gerichtlichen Streit über die ursprünglich 43 Fragen der AfD zur einstigen Corona-Politik gelten nur noch 11 als zulässig. Die abgelehnten Fragen hatten sich teils auch auf die Bundes- und EU-Ebene bezogen. Dagegen wandten sich alle anderen vier Fraktionen unter Hinweis auf fehlende Hessen-Bezüge.