Stolperstein-Verbot in Heidenau löst Empörung in Hamburg aus
Gleichstellungssenatorin Blumenthal zeigt sich entsetzt über das Stolperstein-Verbot im sächsischen Heidenau: „Wer sie verbannt, drängt die Opfer ein zweites Mal aus der Stadt.“
Sogenannte Stolpersteine erinnern in etlichen Kommunen Deutschlands an die Opfer des Nationalsozialismus. (Archivbild)Hendrik Schmidt/dpa/ZB
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Hamburgs Gleichstellungssenatorin Maryam Blumenthal hat sich schockiert über das Stolperstein-Verbot im sächsischen Heidenau gezeigt. „Wer Stolpersteine aus dem öffentlichen Raum verbannt, drängt die Opfer der Nationalsozialisten ein zweites Mal aus der Stadt“, sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Stolpersteine seien zentraler Bestandteil der Erinnerungskultur. „Denn sie bringen die Erinnerung mitten in unseren Alltag und fordern uns dazu auf, sie zu pflegen.“
Blumenthal: AfD will Erinnerungskultur umkehren
Blumenthal betonte, es gehe jedoch um weit mehr als um einzelne Steine. „Die AfD arbeitet seit Jahren offen darauf hin, unsere Erinnerungskultur umzukehren und das Gedenken an den Holocaust zu einem politischen Konfliktfeld zu machen.“ Die Partei wolle die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zurückdrängen, umdeuten und relativieren. „Das ist kein Streit über die richtige Form des Gedenkens. Es ist national-völkische Ideologie.“
Hamburgs Gleichstellungssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) ist entsetzt über den von AfD und CDU gefassten Beschluss zum Verbot von Stolpersteinen im sächsischen Heidenau. (Archivbild)Daniel Bockwoldt/dpa
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Umso schlimmer sei es, dass auch Abgeordnete der CDU zugestimmt haben. „Wer beim Gedenken an die Verbrechen der Nazis der AfD die Hand reicht, hat seinen Kompass komplett verloren“, sagte Blumenthal.
Am Donnerstagabend hatte eine Mehrheit einem Antrag von Stadträten der AfD und CDU zugestimmt, wonach in Heidenau nahe Dresden keine Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus mehr verlegt werden sollen. Nach Angaben der Stadtverwaltung stimmten 13 Stadträte dafür und 6 dagegen. Zudem gab es eine Enthaltung.
Stolpersteine gibt es in vielen europäischen Ländern
Die Erinnerungsform der Stolpersteine gibt es bereits seit den 90er Jahren und in vielen europäischen Ländern. Die in der Regel spendenfinanzierten kleinen Steine werden am letzten bekannten Wohn- oder Wirkungsort von Opfern des Nationalsozialismus verlegt – deren Namen und Lebensdaten stehen auf einer Messingplatte auf der Oberseite der Steine. Allein in Hamburg gibt es mehr als 7.000 dieser Betonwürfel mit Messingplatte.