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Stillstand in Potsdam: Bombenentschärfung im Zentrum

Am Dienstag stehen weite Teile der Potsdamer Innenstadt still. Eine Bombe soll entschärft werden. Tausende Menschen sind von Evakuierungen betroffen. Auch der Hauptbahnhof ist gesperrt.

14.06.2026

Am Dienstag soll in Potsdam eine Bombe entschärft. (Symbolbild)Friso Gentsch/dpa

Am Dienstag soll in Potsdam eine Bombe entschärft. (Symbolbild)Friso Gentsch/dpa

© Friso Gentsch/dpa

Wegen der Entschärfung einer 250 Kilogramm schweren Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg werden am Dienstag Teile der Potsdamer Innenstadt geräumt - mit weitreichenden Folgen. Der Hauptbahnhof - Verkehrsknotenpunkt für Tausende Pendler - bleibt zeitweise geschlossen, der Politikbetrieb im Landtag steht still, Tausende Bewohner müssen ihre Wohnungen verlassen. Ein Überblick.

Wie lange halten die Sperrungen an?

Etwa 6.500 Menschen müssen ihre Wohnungen bis 8.30 Uhr verlassen, kündigte die Stadt an. Um den Fundort wird ein Sperrkreis von rund 700 Metern Radius um die Bombe eingerichtet. Die Frage, wann die Sperrungen aufgehoben werden sollen, ließ die Stadtverwaltung offen.

Sprengmeister Mike Schwitzke sagte, er rechne damit, dass die Entschärfung 30 Minuten bis eine Stunde dauern werde. Je schneller der Sperrkreis stehe, desto schneller könne er mit der eigentlichen Arbeit beginnen und desto schneller werde dann auch der Sperrkreis wieder aufgehoben.

Welche Folgen hat das für den Verkehr?

Schwer wiegt auch die Sperrung des Hauptbahnhofs. Tausende Pendler müssen sich auf Verkehrsbeeinträchtigungen einstellen. Die letzte S-Bahn aus Berlin kommt um 8.12 Uhr am Hauptbahnhof Potsdam an, der letzte RE 1 hält dort um 8.05 Uhr. Die S-Bahnen Richtung Berlin starten und enden ab 8.30 Uhr am S-Bahnhof Babelsberg.

Während der Entschärfung wird der Zugverkehr eingestellt. Auch die Tram-Linien 91, 92, 93 und 96 fahren nicht. Busse starten und enden am Platz der Einheit, am Rathaus Babelsberg und Zentrum Ost - auch sie dürfen nicht in den Sperrkreis fahren.

Wie kommen Pendler an ihr Ziel?

„Sobald der Sperrkreis wieder aufgehoben wird, laufen auch die Verkehre wieder an“, kündigte ein Sprecher der Deutschen Bahn an. Bis dahin ruht der Verkehr an der größten Potsdamer Verkehrsstation. Die Verkehrsbetriebe planen nach Angaben der Stadtwerke ein „auf die Sperrung angepasstes Angebot“.

Die Stadt rechnet mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen, auch weil wichtige Zufahrtsstraßen im Süden der Stadt gesperrt sind. „Wir empfehlen eine weiträumige Umfahrung des gesamten Gebietes sowie mehr Zeit einzuplanen“, hieß es von der Stadtverwaltung. Die Umleitungen seien ausgeschildert. Autofahrer aus Richtung Süden werden über Saarmund und Bergholz-Rehbrücke nach Potsdam geleitet.

Wer ist noch von der Sperrung betroffen?

Das beliebte Museum Barberini liegt im Sperrkreis, hat am Dienstag aber „glücklicherweise Schließtag“, wie ein Sprecher erklärte. Das Kunsthaus „Das Minsk“ bleibt ebenfalls dienstags geschlossen. Auch der Landtag, die Staatskanzlei und mehrere Ministerien sind betroffen. Die Verwaltung des Landtags geht von rund 250 bis 300 Personen aus, die an einem Dienstag vor den Plenarsitzungen ab Mittwoch üblicherweise im Landtag sind.

Das Sport- und Freizeitbad Blu, die Investitions- und Landesbank, Hotels, Pflegeheime, eine Schule und eine Kita liegen ebenso im Sperrkreis und haben Konzepte für die Evakuierung entwickelt. Wer betroffen ist, kann ab 8.00 Uhr eine Sporthalle nutzen.

Warum wird an einem Dienstag entschärft?

Auf diese Frage antwortete die Stadt relativ unkonkret. „Nach Begutachtung des Fundes sowie des Fundortes durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg wurde gemeinsam mit der Einsatzleitung der konkrete Tag der Entschärfung festgelegt“, sagte eine Sprecherin.

Was wird bei der Sprengung gemacht?

Geplant sei, die Zündkette zu unterbrechen, sagte Sprengmeister Schwitzke. Das Ziel sei es, den Zünder mit der Hand rauszudrehen und die Bombe dann abzutransportieren. Das sei in Eingriff, wie er ihn bereits zigmal durchgeführt habe. „Tagesgeschäft“, sagte Schwitzke. Wann die Sperrzone aufgehoben werden soll, ließ auch er offen.

Die Sperrung ist nicht die erste ihrer Art im Herzen von Potsdam. Im Januar 2019 wurde eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe US-amerikanischer Bauart aus dem Zweiten Weltkrieg in der Nähe des Hauptbahnhofs gefunden. Damals waren rund 5.900 Menschen betroffen.

Wie reagieren Kita, Pflegeheime und Geschäfte?

Die Kita Havelblick will ihre Kinder für die Zeit der Evakuierung in anderen Kitas unterbringen. Einige Eltern lassen ihre Kinder zu Hause. Die betroffenen Pflegeheime wollen ihre Bewohner auf andere Potsdamer Häuser verteilen. Manche der teils schwerstpflegebedürftigen Menschen werden auch im Krankenhaus betreut. „Wir brauchen keine extra Versorgungsstationen“, sagte der Sprecher eines Pflegeheims.

Nach Angaben der Betreiber der Bahnhofspassagen sind ab 8.30 Uhr die Geschäfte am Hauptbahnhof geschlossen. Nach Ende der Sperrung werde der Betrieb zeitnah anlaufen, sagte ein Mitarbeiter des Centermanagements. Manche Bäckereien haben bereits vor der Evakuierung geöffnet und schließen dann. „Meist tritt erstaunlich schnell die Normalität ein.“