Aufruf für mehr Miteinander beim Katholikentag
Kinderzirkus, Biertrinken aber auch Debatten über Missbrauch: Was den Katholikentag in Würzburg so besonders macht – und warum Optimismus heute wichtiger denn je ist.
Steinmeier geht in Würzburg auf Tuchfühlung.Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Mit einem Appell für mehr Zuversicht und Engagement für Deutschland haben Politiker die Bürger auf dem Katholikentag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt aufgerufen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der im Januar 70 Jahre alt wurde, sagte: „Das Alter hat keinen Vorteil, außer einem einzigen: Man hat erlebt, dass man Krisen auch überwinden kann. Und das stattet einen mit einiger Zuversicht für die kommenden Jahre aus.“
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, er wünsche sich zur Bewältigung der großen Aufgaben dieser Zeit mehr Optimismus, aber auch mehr Einsatz und Leistung. Die heutige Gesellschaft solle sich die Generationen vor 30, 40, 50 oder 60 Jahren zum Vorbild nehmen. „Wo bleibt denn der Optimismus?“, fragte er. „Wir sind doch nicht zum ersten Mal in der Bundesrepublik Deutschland vor großen Aufgaben.“
Dem Bundesinnenminister fehlt Optimismus zur Bewältigung von Krisen.Sven Hoppe/dpa
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Auf Tuchfühlung mit dem Volk
Der Katholikentag ist ein großes Treffen katholischer Christinnen und Christen in Deutschland. Er findet in der Regel alle zwei Jahre in einer anderen Stadt statt. Steinmeier war nach der Eröffnung am Mittwoch und einem Gottesdienst am Donnerstag durch Würzburg gestreift, hatte mit vielen Menschen gesprochen und war stellenweise auch zum Mitmachen aufgefordert worden, etwa beim Kinderzirkus „Blamage“ oder beim Biertrinken.
Insgesamt sind bei dem Gläubigentreffen bis Sonntag rund 900 Veranstaltungen geplant, darunter Diskussionen und Podien etwa zu Reformbewegungen in der Kirche oder der Aufarbeitung des sexualisierten Missbrauchs.
Gottesdienste gehören auch zum Programm.Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Erwartet werden auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer. Bei Katholikentagen geht es längst nicht nur um kirchliche Themen, und auch die Angebote richten sich nicht nur an Christen.
Kerstin Claus, unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, erntete bei einem Podium viel Applaus, weil sie eine konsequente Aufarbeitung und bessere Strukturen anmahnte.
Auf zum Ehrenamt
Steinmeier warb auf einem Podium abermals für eines seiner Herzensprojekte: das Ehrenamt. Eine demokratische Gesellschaft lebe von Ehrenamtlichen. „Die Demokratie geht nicht ohne gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagte er. Demokratie werde gelebt oder nicht gelebt, aber nicht von oben befohlen. Sie werde gelebt auch durch das Ehrenamt.
Der Bundespräsident möchte sich Deutschland ohne Ehrenamtliche nicht vorstellen.Sven Hoppe/dpa
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„Das Ehrenamt beginnt eigentlich da, wo jemand an mehr denkt als nur an sich selbst. (...) Das Ehrenamt ist das Rückgrat der Gesellschaft.“ Ohne das Ehrenamt würde es hierzulande ärmer und kälter werden, sagte Steinmeier. Er warb einmal mehr für seinen Vorstoß für eine soziale Pflichtzeit.
Leitwort „Hab Mut, steh auf!“
Katholikentage werden vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken veranstaltet, das die katholische Zivilgesellschaft in Deutschland vertritt. Das Leitwort für die Veranstaltung in Würzburg ist „Hab Mut, steh auf!“. Mehrere Zehntausend Menschen werden bis zum Sonntag in der Mainstadt erwartet.