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Spediteure werfen Regierung Aktionismus bei Spritpreisen vor

Hamburgs Spediteure kritisieren die Spritpreis-Entlastung der Bundesregierung als „blinden Aktionismus“. Warum sie das australische Modell für sinnvoller halten.

20.04.2026

Der Verein Hamburger Spediteure kritisiert die Planungszeiten für den Ersatzbau der Köhlbrandbrücke im Hafen scharf. (Archivbild)Christian Charisius/dpa

Der Verein Hamburger Spediteure kritisiert die Planungszeiten für den Ersatzbau der Köhlbrandbrücke im Hafen scharf. (Archivbild)Christian Charisius/dpa

© Christian Charisius/dpa

Hamburgs Spediteure haben der schwarz-roten Bundesregierung bei ihren Ideen zur Entlastung bei den hohen Spritpreisen blinden Aktionismus vorgeworfen. So gehe die Regelung von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), dass Tankstellen nur noch einmal am Tag die Preise erhöhen dürfen, sie aber so oft sie wollen senken können, am Thema vorbei, sagte der Vorsitzende des Vereins Hamburger Spediteure, Axel Plaß.

Spediteure: Australisches Tankstellen-Modell sinnvoller

Die Bundesregierung hätte besser das funktionierende australische Modell übernommen. „Die Australier dürfen einmal erhöhen, aber dann nicht wieder runter“, sagte der Geschäftsführer der Spedition Konrad Zippel. Das heißt: Hat eine Tankstelle zu hoch gepokert, muss sie die hohen Preise 24 Stunden beibehalten. Die Folge: „kein Umsatz, doof gelaufen“. Am Folgetag werde sie dann sicher etwas vorsichtiger kalkulieren. Aus Plaß‘ Sicht sollte dieses System am besten im Wochenrhythmus etabliert werden. 

„Österreich hat es ja auch schon falsch gemacht“, sagte Plaß. Den Spediteuren bringe das überhaupt nichts. „Das ist einfach blinder Aktionismus.“ Das gleiche gelte für die steuerfreie 1.000-Euro-Entlastungsprämie, die die Unternehmen ihren Beschäftigten auszahlen sollen. 80 Prozent der Trucking-Spediteure verfügten über weniger als zehn Fahrzeuge und hätten größte Schwierigkeiten, diese am Laufen zu halten. Wie sollen die nochmal 1.000 Euro bezahlen, fragte Plaß. „Also das sind zwei Maßnahmen, die völlig an der Realität vorbeigehen und überhaupt nicht helfen.“

Spediteure kritisieren Wirtschaftsbehörde wegen Köhlbrandbrücke

Aber auch die Terminalbetreiber im Hafen und Hamburgs Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD) kamen bei den Spediteuren nicht gut weg. Weder bei der Autobahn A26 Ost noch bei der Köhlbrandbrücke, über die vom 1. Mai an keine Lastwagen über 44 Tonnen mehr fahren dürfen, gehe es voran, klagte Vereinsvize Bernd Themann von der Spedition Lagerhaus Harburg. „Für die Speditionspraxis bedeutet das nicht nur tägliche Staus, weite Umwege und erheblichen Zeitverluste, sondern auch zunehmende wirtschaftliche Risiken.“

Die bisherige Köhlbrandbrücke - ein Wahrzeichen der Stadt - soll durch ein 20 Meter höheres und zwischen 4,4 und 5,3 Milliarden Euro teures Bauwerk ersetzt werden. Den bisherigen Planungen soll die neue Brücke Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre fertig sein. Solch lange Planungszeiträume könne sich kein Welthafen leisten, sagte Plaß - und Themann erinnerte daran, dass die 2018 in Genua eingestürzte Autobahnbrücke innerhalb von drei Jahren ersetzt worden sei. „Es braucht ein beispielloses Planungsbeschleunigungsgesetz für den Ersatzbau der Köhlbrandbrücke und eine schnelle, rechtssichere Lösung für die Südumfahrung“, sagte Themann. 

Verspätungen an den Terminals nicht zufriedenstellend

Mit Blick auf die Abfertigungszeiten an den Containerterminals sagte Plaß: „Wenn wir schon was Positives sagen wollen, dann sagen wir, es hat sich nicht weiter verschlechtert.“ Derzeit lägen die Verspätungen bei drei bis vier Stunden. Das sei nicht zufriedenstellend und werde internationalen Ansprüchen nicht gerecht.

Die wirtschaftliche Lage der Hamburger Spediteure nannte Plaß weiter angespannt. So erwarten laut dem Konjunkturindikator 2026 des Vereins 38 Prozent der Unternehmen in diesem Jahr ein sinkendes Transportvolumen. 36 Prozent rechneten mit geringeren Umsätzen und 43 Prozent mit sinkenden Gewinnen. Sechs Prozent gingen sogar von Verlusten aus. An der Befragung der Spediteure nahmen den Angaben zufolge 114 von 318 befragten Unternehmen teil.