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Sommer im Mai - wer davon profitiert und wer nicht

Über 30 Grad: Das Frühsommerwetter spült bei einigen Branchen Geld in die Kassen, anderswo bremst es das Geschäft. Und was bedeuten die ersten heißen Tage für Wald und Landwirtschaft?

26.05.2026

Sonnenbrille und Eis empfehlen sich während frühsommerlich-heißer Tage.  Laszlo Pinter/dpa

Sonnenbrille und Eis empfehlen sich während frühsommerlich-heißer Tage. Laszlo Pinter/dpa

© Laszlo Pinter/dpa

Der Mai gibt zum Ende Vollgas. Am Pfingstwochenende sind die Temperaturen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland teilweise über 30 Grad geklettert. Die einen freut es, die anderen weniger. 

Gastronomie frohlockt

Schönes und warmes Wetter, bestenfalls in Kombination mit freien Tagen wie an Pfingsten,täten der gebeutelten Gastronomie gut, sagt Gereon Haumann, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga in Rheinland-Pfalz. Es sei aber mitnichten so, dass in der Branche eitel Sonnenschein herrsche - trotz der von der Bundesregierung beschlossenen Mehrwertsteuersenkung auf Speisen. 

„Wir sind davon ausgegangen, dass es eine enorme Entlastung für die Gastronomie vor allen Dingen wird, die immer noch sehr gebeutelt und stärker gebeutelt als die Hotellerie ist.“ Doch nach wie vor sei die Konsumzurückhaltung groß, sagt Haumann. Ohne die Steuersenkung würde es noch mehr Betriebsschließungen und Insolvenzen geben. 

Bei teilweise mehr als 30 Grad, bot sich auch der Griff zu einem Eis an. (Archivbild)Frank Hammerschmidt/dpa

Bei teilweise mehr als 30 Grad, bot sich auch der Griff zu einem Eis an. (Archivbild)Frank Hammerschmidt/dpa

© Frank Hammerschmidt/dpa

Haumann wünscht sich, dass an sommerlichen Tagen kräftig eingekehrt wird auf Terrassen, in Biergärten und in Weingärten. Weitere Hoffnungen knüpft er trotz der Zeitverschiebung an die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko, die im Juni losgeht. Hoffentlich bleibe das deutsche Team lange im Wettbewerb. So etwas habe Einfluss auf die Seele der Menschen und auf deren Gemüt. „Und was Seele und Leib zusammenhält, ist gutes Essen und Trinken.“

„Wir Deutschen sind Kalendermenschen“, betont Haumann. Es sei immer wieder zu beobachten, dass die Umsätze im dritten und vierten Quartal eines Jahres höher seien und viele Menschen das Geld in den ersten beiden Quartalen eher zusammenhielten. Das lasse sich nicht mit dem Wetter erklären. 

Abkühlung im Museum oder im Kino? 

„Natürlich konkurrieren Museen an sehr heißen Tagen auch mit klassischen Freizeitangeboten im Freien“, sagt eine Sprecherin des Museumsverbands Rheinland-Pfalz. Doch der Verband ordnet die Sommermonate nicht grundsätzlich als besucherschwache Zeit für Museen ein. Vereinzelt könnten klimatisierte Museumsräume sogar ein Argument für einen Besuch sein.

Freizeitaktivitäten auf dem Wasser sind an heißen Tagen wie zuletzt an Pfingsten angesagt. (Archivbild)Thomas Frey/dpa

Freizeitaktivitäten auf dem Wasser sind an heißen Tagen wie zuletzt an Pfingsten angesagt. (Archivbild)Thomas Frey/dpa

© Thomas Frey/dpa

Wie die Sprecherin mitteilte, haben viele Museen saisonale Öffnungszeiten, konzentrieren sich bewusst auf die Monate zwischen Ostern und Ende Oktober. „Viele Museen profitieren zudem von Ausflugsverkehr und Tourismus in der warmen Jahreszeit“, sagt sie. Das betreffe vor allem Museen mit Angeboten draußen, etwa Freilichtmuseen, Bergwerke oder Schlossmuseen. Dazu gebe es im Sommer häufig Museumsfeste, Aktionstage und Ferienprogramme.

Keine Hochzeit sind heiße Phasen wie nun im Mai für Kinos, wie Margit Klein vom Pro-Winzkino in Simmern im Hunsrück bestätigt. „Bei diesem schönen Wetter im Frühjahr ist das Kino bei den Leuten nicht angesagt.“ Das sei kein Wunder und den Betreibern auch schon vorher klar. Und sie ergänzt: „Später im Sommer, wenn es längere Zeit heiß ist, kommen die Besucher wieder gerne in die klimatisierten Kinosäle.“ 

Wie kommt die Landwirtschaft klar?

Dem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd zufolge ist auf den Feldern trotz der Temperatursprünge „noch alles in Ordnung“. „Die Getreidekulturen sowie der Wein kommen mit der Trockenheit momentan gut klar“, sagt eine Sprecherin. Die Trockenheit habe sogar einen Vorteil: Der Krankheitsdruck wird durch die abwesende Feuchtigkeit gemindert. Im empfindlicheren Gemüseanbau gebe es Möglichkeiten, angepasst zu wässern. 

Die Bauernverbände sehen derzeit noch keine Probleme. (Archivfoto)Thomas Frey/dpa

Die Bauernverbände sehen derzeit noch keine Probleme. (Archivfoto)Thomas Frey/dpa

© Thomas Frey/dpa

Auch der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau sieht nicht unbedingt ein Problem. Kritisch seien Extreme. „Bei Temperaturen über 27 oder 28 Grad wachsen die Pflanzen weniger oder stellen ihr Wachstum ganz ein, Getreide eher, Mais später“, erklärt ein Verbandssprecher. Bei Frosttemperaturen könne es auf der anderen Seite zu Schäden oder Ausfällen kommen. „Hier sind zum Beispiel Mais oder Kartoffeln sehr empfindlich.“ 

Aktuell seien nirgendwo Einbußen aufgrund von Wassermangel zu erwarten. „Ohne unsere modernen Sorten wäre die Landbewirtschaftung gerade in trockeneren Regionen unseres Landes kaum mehr denkbar“, sagt der Sprecher. Die Kulturen sind bereits deutlich toleranter gegenüber Trockenheit geworden.

Wälder haben vorgetankt

Ein Experte von Landesforsten Rheinland-Pfalz sagt: „An Temperatursprünge sind unsere Wälder angepasst.“ Lang anhaltende hohe Temperaturen würden dann problematisch, wenn Bäumen nicht mehr ausreichend Wasser zur Verfügung stehe. Wie stark Wälder betroffen seien, hänge vom Boden ab. Tiefgründige Böden mit gutem Vermögen, Wasser zu speichern, könnten Temperaturschwankungen deutlich besser abpuffern als flache, sandige oder steinreiche Standorte.

Dem Experten zufolge waren die Waldböden im Winter dank der Niederschläge gesättigt. Und nachdem es im März und April weniger Regen gegeben habe, hätten Regenfälle im Mai in einigen Regionen, etwa Eifel, Westerwald und im zentralen Pfälzerwald, wieder etwas Entspannung gebracht.

Aktuelle befinden sich die Bäume ihm zufolge in ihrer Hauptwachstumsphase. Die Niederschläge im vergangenen Jahr hatten dafür gesorgt, dass sich der allgemeine Zustand der Wälder gegenüber den Vorjahren verbessert habe. „Trotzdem stehen die Wälder in Rheinland-Pfalz weiterhin unter Stress.“

Lust auf einen spontanen Tagesausflug? 

Sonnige Gesichter bei der Tourismusbranche: Gästehäuser, Pensionen und Hotels profitieren sehr von gutem, sommerlichem Wetter mit viel Sonne und tollen Temperaturen. Etliche Gäste entschieden sich spontan zu Tagesausflügen oder buchen kurzfristig einen Aufenthalt, berichtete die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH. 

Auch Wanderungen mit anschließender Einkehr sowie Besuche in Freilichtmuseen machten bei den aktuellen Wetterbedingungen deutlich mehr Spaß. Die touristischen Betriebe in Rheinland-Pfalz seien gut auf die Sommermonate mit Temperaturen um die 30 Grad vorbereitet.