dpa

So schaut die Thüringer Bundeswehr auf die Wehrdienst-Demos

In etlichen Städten gingen Schülerinnen und Schüler gegen den neuen Wehrdienst auf die Straße. Das sagt die Bundeswehr im Freistaat zu den Demonstrationen und zum Anlaufen des Wehrdiensts.

05.03.2026

In mehreren Thüringer Städten gingen Schülerinnen und Schüler auf die Straße, um gegen die Wehrpflicht zu demonstrieren. Bodo Schackow/dpa

In mehreren Thüringer Städten gingen Schülerinnen und Schüler auf die Straße, um gegen die Wehrpflicht zu demonstrieren. Bodo Schackow/dpa

© Bodo Schackow/dpa

In etlichen Thüringer Städten sind Schülerinnen und Schüler gegen den neuen Wehrdienst auf die Straße gegangen. Unter anderem in Jena, Erfurt, Gotha und Weimar waren Demonstrationen während der Schulzeit geplant. In Erfurt beteiligten sich nach Angaben der Polizei in der Spitze etwa 300 Schülerinnen und Schüler, in Jena waren es rund 1.000. Die Veranstalter sprachen von 1.200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Proteste in Jena. Auf Plakaten stand „Bildung statt Krieg“, „Wehr dich!“ oder „Wir sind kein Kanonenfutter“. 

„Wir stehen heute hier, weil wir nicht für ein Land töten und sterben wollen, das fast nie auf unsere Stimmen hört. Wir dürfen nicht einmal wählen und mit entscheiden, wer in diesem Land regiert und trotzdem wird über unser Leben und unsere Zukunft von der Regierung entschieden“, wird ein Schüler aus dem Schulstreikbündnis Jena in einer Mitteilung zitiert.

Wie blickt die Bundeswehr auf die Demonstrationen?

Ziemlich entspannt. So sagt etwa der Chef des Logistikkommandos in Erfurt, Jochen Dreuer, das sei Teil der Demokratie: „Das ist doch toll, dass die jungen Männer und Frauen auf die Straße gehen können und sagen können: „Das finde ich nicht gut“.“ Ähnlich äußert sich der Kommandeur des Landeskommandos Thüringen, Klaus Glaab: „Ich betrachte das überhaupt nicht als in irgendeiner Art und Weise kritisch, sondern als Gesamtteil einer großen Diskussion, die wir führen müssen.“ Daraus könne beispielsweise auch eine Diskussion über eine allgemeine Dienstpflicht entstehen. 

Wie fallen die Reaktionen ansonsten aus? 

Gemischt. Recht deutliche Kritik kam zuletzt etwa von Landtagspräsident Thadäus König (CDU). Bei einem Empfang der Bundeswehr sagte er: „Wenn wir über die Wehrpflicht diskutieren, brauchen wir Dialog statt Demos.“ Die Linke hingegen unterstützt die Demonstrationen und bezeichnet sie als legitimen Protest: „Wir sagen Ja zur Selbstbestimmung und Nein zu Zwangsdiensten.“ Auch die Lehrergewerkschaft GEW erklärte sich solidarisch. „Wir ermutigen Pädagoginnen und Pädagogen, mit ihren Schülerinnen und Schülern zum Thema Wehrpflicht ins Gespräch zu kommen und zur gemeinsamen Teilnahme an örtlichen und/oder überregionalen Schulstreiks.“

Das Thüringer Bildungsministerium betonte, die Wehrpflicht werde aktuell in der Gesellschaft sehr stark und kontrovers diskutiert. Zudem seien die Schülerinnen und Schüler unmittelbar von dieser Thematik betroffen. Wegen des relativ geringen Stundenausfalls kämen auch Beurlaubungen in Betracht. Generell biete sich an, das Thema im Unterricht aufzugreifen. 

Wie war das noch mal genau mit dem Wehrdienst? 

Seit Anfang des Jahres bekommen junge Menschen, die volljährig werden, Fragebögen zugeschickt. Damit sollen Eignung und Motivation für die Grundausbildung erhoben werden. Männer müssen ihn zurückschicken, Frauen können es. Für Männer ist auch die Musterung verpflichtend, allerdings befinden sich die Kapazitäten dafür noch im Aufbau. Der Wehrdienst an sich ist aber zunächst freiwillig. Sollte das nicht ausreichen, behält sich die schwarz-rote Koalition die Einführung einer sogenannten Bedarfswehrpflicht vor.

Deutschland reagiert damit auf die Bedrohung durch Russland und die in der Folge geänderten Nato-Ziele. So soll die aktive Truppe von zuletzt mehr als 180.000 Männern und Frauen um 80.000 auf 260.000 Männer und Frauen wachsen. Zudem soll es 200.000 Männer und Frauen in der Reserve geben.

Wie klappt das mit der Freiwilligkeit? 

Nach Angaben von Glaab kann Freiwilligkeit durchaus etwas bewirken bei jungen Menschen. Die Bundeswehr hatte zuletzt erstmals seit Jahren ein deutliches Wachstum verzeichnet. Dreuer zufolge stiegen auch die Bewerberzahlen um 20 Prozent an. „Die Zahlen deuten in die absolut richtige Richtung hin“, meint Glaab. Es komme nun darauf an, den Zuwachs zu verstetigen. Aktuell gehe es nicht um eine Wehrpflicht, sondern um ein attraktiveres Angebot im Rahmen der Freiwilligkeit. Es brauche dafür Zeit und Geduld. „Lassen Sie uns den Weg mal weitergehen.“

Der Kommandeur des Landeskommandos Thüringen, Klaus Glaab (rechts), blickt entspannt auf die Demos. (Archivbild)Martin Schutt/dpa

Der Kommandeur des Landeskommandos Thüringen, Klaus Glaab (rechts), blickt entspannt auf die Demos. (Archivbild)Martin Schutt/dpa

© Martin Schutt/dpa

Wie sieht es mit der benötigten Infrastruktur in Thüringen aus? 

Klar ist: Wenn künftig wirklich Tausende junge Menschen den Wehrdienst antreten, braucht es in Thüringens Kasernen mehr Platz. „Aktuell sind für das, was wir an Aufwuchs vorhaben, natürlich die Kapazitäten nicht da“, so Glaab. Die Streitkräfte seien seit der Wiedervereinigung immer kleiner geworden. Um nun eine Trendwende herbeizuführen, setze man in Thüringen vor allem auf Nachverdichtungen in bestehenden Kasernen - das könnten unter anderem Container oder Modulbauten sein.

Mittel- oder langfristig könne es im Freistaat auch einen neuen Standort geben, sagte Glaab weiter. Es sei aber unseriös, dazu Versprechungen zu machen - die Entscheidungen dazu würden in Berlin gefällt. Generell habe sich seiner Meinung nach beim schnelleren Bauen in letzter Zeit viel getan im Freistaat. So gebe es eine neue Abteilung im Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr, die auch für die Bundeswehr zuständig sei und bei der die Planungskapazitäten konzentriert werden. „Es bewegen sich tatsächlich Dinge.“

In Jena demonstrierten nach Polizei-Angaben rund 1.000 Schülerinnen und Schüler gegen eine Wehrpflicht. Bodo Schackow/dpa

In Jena demonstrierten nach Polizei-Angaben rund 1.000 Schülerinnen und Schüler gegen eine Wehrpflicht. Bodo Schackow/dpa

© Bodo Schackow/dpa

Auf Transparenten der Demonstranten in Jena stand „Bildung statt Krieg“ oder „Wehr dich“.  Bodo Schackow/dpa

Auf Transparenten der Demonstranten in Jena stand „Bildung statt Krieg“ oder „Wehr dich“. Bodo Schackow/dpa

© Bodo Schackow/dpa

Hunderte Schülerinnen und Schüler beteiligten sich in Thüringen am bundesweiten Schulstreik zum Thema Wehrpflicht. Bodo Schackow/dpa

Hunderte Schülerinnen und Schüler beteiligten sich in Thüringen am bundesweiten Schulstreik zum Thema Wehrpflicht. Bodo Schackow/dpa

© Bodo Schackow/dpa