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Schweriner CSD ruft nach Angriff in Berlin zu Mahnwache auf

Nach dem erschütternden Angriff am Rande des Berliner CSD will die Community in Schwerin ein Zeichen der Solidarität setzen. Zuvor gab es schon in der größten Stadt von MV eine Mahnwache.

27.07.2026

Nach dem Angriff am Rande des CSD Berlin wollen Menschen in MV ihre Solidarität mit den Betroffenen zeigen.Markus Lenhardt/dpa

Nach dem Angriff am Rande des CSD Berlin wollen Menschen in MV ihre Solidarität mit den Betroffenen zeigen.Markus Lenhardt/dpa

© Markus Lenhardt/dpa

Nach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin ruft der Schweriner CSD-Verein in Schwerin zu einer Mahnwache in Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt auf. Der mutmaßliche Anschlag erschüttere zutiefst, teilte der Verein mit. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen sowie allen Menschen, die diese Gewalttat miterleben mussten.“

Alle Bürgerinnen und Bürger seien heute Abend um 18.00 Uhr zu der Mahnwache vor dem Rathaus in Schwerin eingeladen.

„Antwort auf Hass ist Solidarität“

„Wir lassen uns nicht einschüchtern. Unsere Antwort auf Hass ist Solidarität. Unsere Antwort auf Gewalt ist Zusammenhalt“, so der Vorstand des Vereins. „Wir stehen an der Seite des CSD Berlin und aller queeren Menschen, die sich ihr Recht auf Sichtbarkeit und ein Leben in Sicherheit nicht nehmen lassen.“

Bereits am Sonntagabend gab es in der Rostocker Kröpeliner-Tor-Vorstadt eine Mahnwache, laut Polizei versammelten sich dazu ungefähr 300 Menschen.

Am späten Samstagabend war ein Auto am Rande des Berliner CSD in eine Menschenmenge gefahren. Die Behörden hatten nach dem Angriff nach dem 21-jährigen Abdul B. gefahndet, der mehr als ein Dutzend Menschen mit einem Van angefahren haben soll. Eine Frau wurde so schwer verletzt, dass sie starb. Der Tatverdächtige, der den Angaben der Polizei zufolge polizeibekannt war und der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet wurde, wurde am Sonntag bei einem Polizeieinsatz in Berlin getötet.

Mehr registrierte Straftaten etwa gegen Homo- oder Transsexuelle

Jüngsten Zahlen zufolge ist die Anzahl registrierter Straftaten gegen Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung, etwa gegen Homo- oder Transsexuelle, in Mecklenburg-Vorpommern zuletzt deutlich gewachsen. 56 entsprechende Straftaten im Bereich „Geschlechtsbezogene Diversität“ und/oder „Sexuelle Orientierung“ wurden nach Angaben des Landeskriminalamtes 2025 gezählt. Im Jahr 2024 waren es demnach 41 und im Jahr davor 14. „Damit ist ein deutlicher Anstieg festzustellen“, hatte die Behörde auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur im Mai mitgeteilt.

Trauer in Berlin: Der Anschlag am Rande des CSD hat auch in MV Menschen auf die Straße getrieben.Christoph Soeder/dpa

Trauer in Berlin: Der Anschlag am Rande des CSD hat auch in MV Menschen auf die Straße getrieben.Christoph Soeder/dpa

© Christoph Soeder/dpa

Laut LKA sind auch Taten im Internet, etwa Beleidigungen, eingerechnet. Andere Delikte seien Bedrohungen, Volksverhetzungen, Sachbeschädigungen sowie Körperverletzungsdelikte.

Mitgezählt seien Straftaten, „wenn sich die Tatmotivation gegen Personen richtet, deren geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung von heteronormativen bzw. binären Vorstellungen abweicht“. Hierzu zählten insbesondere transgeschlechtliche, nichtbinäre sowie homosexuelle Menschen. Dabei sei unerheblich, ob die Betroffenen tatsächlich entsprechenden Gruppen angehörten. Vielmehr gehe es um die Motivation beziehungsweise Zuschreibung seitens der Täter.

Laut Landesverband deutlich höhere Dunkelziffer

Die meisten der registrierten Straftaten kamen laut LKA in den zurückliegenden drei Jahren politisch aus dem rechten Spektrum. Angaben zu anderen Tathintergründen, etwa einer islamistischen Motivation, machte die Behörde nicht. 

Sebastian Witt vom Landesverband LSVD Queer Mecklenburg-Vorpommern hatte mit Blick auf die Zahlen erklärt, die Dunkelziffer sei deutlich höher. Man gehe davon aus, dass 70 bis 80 Prozent gar nicht angezeigt würden, etwa aus Scham der Betroffenen. Witt sieht hinter dem Anstieg eine Mischung aus einer Zunahme der tatsächlichen Übergriffe - gerade aus dem rechten Lager - und einer erhöhten Anzeigebereitschaft.

Reaktionen aus der Landespolitik

Nach dem jüngsten Angriff in Berlin erklärte die Schweriner Regierungschefin, Manuela Schwesig (SPD), via Social Media: „Mein Mitgefühl gilt der Familie der getöteten Frau und allen Verletzten. Ich bin zutiefst erschüttert.“ Auch andere Landespolitiker reagierten auf die Tat. 

Die stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes, Simone Oldenburg (Linke), verurteilte den Angriff. „Heute ist ein Tag der Trauer und des Innehaltens. Er führt uns schmerzlich vor Augen, dass unser Kampf weitergehen muss.“ 

Der Spitzenkandidat der CDU bei der Landtagswahl im September, Daniel Peters, sagte, Betroffenheit allein reiche nicht aus. „Wir müssen handeln und unsere Freiheit und unsere Lebensweise schützen.“

Der AfD-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Enrico Schult, forderte mit Blick auf den mutmaßlichen Hintergrund des Anschlags: „Islamistische Gefährder dürfen keinen Handlungsspielraum mehr erhalten und müssen entweder abgeschoben oder in Gewahrsam genommen werden.“