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Schwacher Start in Pilzsaison: Worauf Sammler achten sollten

Herbstzeit ist Pilzzeit - normalerweise. Prall gefüllte Körbe wird es dieses Jahr aber wohl nicht geben. Dafür hat es bislang zu wenig geregnet. Welche Tipps Experten für die Suche in Hessen haben.

26.09.2026

Die Trockenheit der letzten Wochen sorgt für weniger prall gefüllte Körbchen der Pilzsammler als in vergangenen Jahren. (Symbolbild)Frank Hammerschmidt/dpa

Die Trockenheit der letzten Wochen sorgt für weniger prall gefüllte Körbchen der Pilzsammler als in vergangenen Jahren. (Symbolbild)Frank Hammerschmidt/dpa

© Frank Hammerschmidt/dpa

Egal ob Taunus, Spessart oder Odenwald: Mit Herbstbeginn ziehen normalerweise zahlreiche Pilzsammler durch die Wälder. Nach wochenlanger Sommerdürre sind die Böden in manchen Regionen Hessens allerdings immer noch stark ausgetrocknet. Zwar fällt die Pilzsaison nicht komplett aus, die Ausbeute fällt Experten zufolge aber eher mager aus.

„Mein Pessimismus ist nach wie vor hoch“, sagt der Pilzsachverständige Thomas Lehr aus Hofheim am Taunus mit Blick auf die anstehende Hauptsaison für viele Speisepilze im Oktober. „Knochentrocken“ sei es noch im Rhein-Main-Gebiet - abgesehen von den höheren Lagen. Hinzu kämen weiter erwartete sommerliche Temperaturen um 25 Grad. 

Kaum beliebte Speisepilze

Dort, wo mehr Regen falle, gebe es auch mehr Pilze, sagt Lehr. Lokal könne die Menge der Pilze deshalb sehr unterschiedlich ausfallen. Für den Pilzexperten ist diese Situation nicht neu: Trotz besserer Jahre etwa 2022 bis 2024 sei langanhaltende Dürre auch schon in früherer Zeit ein Problem gewesen. 

Alex Maier aus Fulda ist etwas optimistischer: Der Pilzsachverständige beobachtet eine leicht verbesserte Situation. Gerade in höheren Lagen in der Rhön sei schon mehr zu holen. Speisepilze wie der Steinpilz dürften aber Maier zufolge nicht allzu häufig in den Körbchen der Sammler landen. Für mehr Pilze brauche es nur zwei bis drei Wochen lang mehr Regen, am besten anhaltend.

Wo die Wahrscheinlichkeit für Funde besonders hoch ist

Wie viel es in der Nähe des eigenen Zuhauses regnet, sollten Pilzsammler genau beobachten. Zusätzlich zu Karten mit den Niederschlagsmengen rät Pilzexperte Lehr dazu, auch Messungen zur Feuchtigkeit im Boden zu beachten. Solche veröffentlicht etwa der Deutsche Wetterdienst (DWD). DWD-Messstationen auf dem Kleinen Feldberg im Taunus, in Darmstadt oder in Bad Nauheim zeigen unter anderem die Verdunstung und wie viel Wasser dem Boden zur Verfügung steht.

„Man kann auch dauerfeuchte Stellen, wo es moorig und sumpfig ist, ansteuern“, sagt Lehr. Sein Kollege Maier rät dazu, gerade die Nordseite eines Waldes abzusuchen, diese sei feuchter und weniger stark der Sonne ausgesetzt als im Süden.

Gute Chancen im Odenwald

Die Auswirkungen der Trockenheit bemerkt auch Pilzsachverständige Irmtraut Lampert aus Darmstadt. Bei einer Führung hätten sie und die Teilnehmenden vor kurzem zwar Pilze gefunden, aber nur wenige Speisepilze. Dass es im trockenen Südhessen schlecht aussieht, muss Pilzsammlern aber nicht alle Hoffnung nehmen: „Es gibt durchaus Ecken im Odenwald, wo Menschen Pilze finden“, erzählt Lampert.

Einer ihrer Tipps: nach Pilzen Ausschau halten, die Material abbauen, also zum Beispiel an Bäumen. In ihrer Gegend seien zum Beispiel viele Kiefern kaputtgegangen. Das kann für die Krause Glucke - auch Fette Henne genannt - günstig sein. „Die sieht aus wie ein Badeschwamm“, so Lampert. Andere Speisepilze, die an Bäumen zu finden sind, sind demnach Austernseitlinge und Schwefelporlinge.

Pilz-Veranstaltungen in Hessen

Für Anfänger seien diese Pilze allerdings nicht geeignet, warnt Lampert. Wer trotz der eher miesen Bedingungen sein Glück versuchen möchte und noch nicht so viel Erfahrung hat, kann deshalb darüber nachdenken, bei einer geführten Pilzwanderung mitzumachen. 

Die AOK Hessen organisiert zum Beispiel am 9. Oktober noch einmal eine Pilzlehrwanderung mit dem Leiter der Pilzschule Hessen. Die Teilnahme an der Veranstaltung im Naturpark Taunus bei Kelkheim ist kostenlos. Auch darüber hinaus gibt es quer durch Hessen verschiedene Pilzwanderungen, für die aber in der Regel eine Teilnahmegebühr anfällt.

Ende Oktober steht außerdem der diesjährige Pilztag beim Hessen Forst im Wildpark „Alte Fasanerie“ in Hanau an. Die Veranstaltung klingt geeignet für alle, die gerne die volle Pilz-Vielfalt ohne enttäuschende Suche erleben möchten: Geplant ist eine große Frischpilzausstellung, gepaart mit Spiel- und Bastelständen, an denen Kinder in die Welt der Pilze eintauchen können.

Nur den Pilz verzehren, der sicher bestimmt wurde

Wer sich bis zum Ende der klassischen Pilzsaison etwa Anfang November auf die Suche machen will, sollte auch bei kleinerer Pilzausbeute wichtige Regeln zum Sammeln beachten. „Man sollte nur die Pilze essen, bei denen man sich hundertprozentig sicher ist“, betont Pilzsachverständiger Maier. 

Hände weg heißt es auch bei überalterten oder sehr großen Pilzen. Nicht nur seien diese kein Genuss mehr, auch drohe eine Lebensmittelvergiftung, wenn verdorbene Exemplare mitgenommen werden. „Nehmen Sie hinsichtlich der Qualität nur die Pilze mit, die Sie auch auf dem Markt kaufen würden“, rät die Pilzgesellschaft.