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Schwache Herbstbelebung: Arbeitslosigkeit sinkt nur leicht

Im Herbst kommt üblicherweise der Arbeitsmarkt in Schwung, doch dieses Jahr fällt der Effekt wegen der Konjunkturschwäche gering aus. Einen Lichtblick gibt es bei den freien Stellen in Hessen.

30.09.2026

Blick auf den Frankfurter Osthafen: Der Arbeitsmarkt in Hessen kommt im September trotz der üblichen Belebung nur schleppend in Fahrt. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

Blick auf den Frankfurter Osthafen: Der Arbeitsmarkt in Hessen kommt im September trotz der üblichen Belebung nur schleppend in Fahrt. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

Die Herbstbelebung auf dem hessischen Arbeitsmarkt fällt deutlich schwächer aus als üblich. Zwar sank die Arbeitslosigkeit im September leicht um 2,1 Prozent und die Arbeitslosenquote fiel auf 5,9 Prozent, wie die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit in Frankfurt mitteilte. Bereinigt um Saisoneinflüsse stieg die Arbeitslosigkeit gegenüber August jedoch um rund 2.000 Menschen.

„Mit dem Start von Ausbildungs- und Studiengängen zieht der Arbeitsmarkt normalerweise an und die Arbeitslosigkeit geht zurück“, erklärte Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion. In diesem Jahr sei der Effekt deutlich geringer nach einem Hoffnungsschimmer im August.

In Hessen waren im September 210.403 Menschen arbeitslos gemeldet. Das ist ein Rückgang um 4.439 Personen gegenüber August, aber ein Anstieg um 3.913 Menschen zum Vorjahr. Mit 5,9 Prozent liegt die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte unter dem Vormonatswert. 

Deutlich mehr freie Stellen

Einen Lichtblick sieht die Regionaldirektion bei den gemeldeten Arbeitsstellen. So meldeten die hessischen Betriebe 9.897 neue Jobs, gut 15 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Wert in einem September seit 2022. Die meisten freien Stellen wurden in der Zeitarbeit ausgeschrieben, gefolgt von wirtschaftlichen Dienstleistungen sowie dem Gesundheits- und Sozialwesen.

Derzeit werde die Wirtschaft von Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur getragen, so die Regionaldirektion. Dagegen habe sich die Lage im verarbeitenden Gewerbe kaum verbessert, der Stellenabbau in der Industrie werde sich fortsetzen. Für eine Erholung und damit eine Aufhellung am Arbeitsmarkt brauche es den privaten Konsum und private Investitionen, sagte Martin. „Solange diese ausbleiben, werden wir keine Trendwende bei der Erwerbstätigkeit sehen.“

Negativtrend Jugendarbeitslosigkeit

Sorgen bereitet der Regionaldirektion die Jugendarbeitslosigkeit. Sie sei seit 2022 kontinuierlich gewachsen und übersteige inzwischen das Corona-Spitzenjahr 2020. „Vier von fünf arbeitslosen jungen Menschen in Hessen haben keinen Berufsabschluss“, erklärte Martin. 

DGB-Vertreter Michael Rudolph: Reformen dürfen nicht auf dem Rücken von Beschäftigten ausgetragen werden (Archivbild)Sascha Ditscher/dpa

DGB-Vertreter Michael Rudolph: Reformen dürfen nicht auf dem Rücken von Beschäftigten ausgetragen werden (Archivbild)Sascha Ditscher/dpa

© Sascha Ditscher/dpa

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mahnte an, nötige Reformen dürften nicht auf dem Rücken der Menschen ausgetragen werden. Diskussionen gingen teils in die falsche Richtung, etwa über das Ende der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren, sagte der Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Michael Rudolph. 

Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) betonte, es gebe noch 6.000 unbesetzte Ausbildungsplätze, besonders in Einzelhandel, Handwerk und Lagerlogistik. Eine berufliche Ausbildung schütze vor Arbeitslosigkeit. Gerade abseits großer Städte gebe es gute Chancen. „Junge Menschen sollten deshalb auch Ausbildungsangebote in ländlichen Regionen prüfen und sich örtlich wie beruflich flexibel zeigen“, sagte Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert.