Schluss mit Gästehaus: Schloss Meseberg vor unklarer Zukunft
Angela Merkel und Olaf Scholz trafen sich hier mit Staatsgästen und ihrem Kabinett: Schloss Meseberg war 20 Jahre lang große politische Bühne. Friedrich Merz tagt anderswo. Was nun mit dem Schloss?
Das Schloss Meseberg in Brandenburg ist bald nicht mehr das Gästehaus der Bundesregierung.Jens Kalaene/dpa
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Ein Dorf von Welt - das war Meseberg, wenn die Staatsgäste ins Schloss kamen. Der kleine Ort in Brandenburg wurde zum Schauplatz großer Politik. Doch der Vorhang schließt sich: Das Schloss verliert seinen Titel als Gästehaus der Bundesregierung. Ab Februar 2027 läuft der Vertrag der Regierung mit der Messerschmitt-Stiftung aus. Für Meseberg geht eine Ära zu Ende.
Der Ort mit rund 120 Einwohnern, der zur Stadt Gransee in Brandenburg gehört, liegt etwa 70 Kilometer nördlich von Berlin idyllisch am Huwenowsee. Rund 20 Jahre lang hat die Bundesregierung das Barockschloss als Bühne genutzt, wenn Präsidenten und Regierungschefs empfangen wurden oder das Kabinett tagte.
Ortsvorsteherin: Meseberg verliert Aufmerksamkeit
Christin Zehmke, Ortsvorsteherin von Meseberg, blickt mit Wehmut zurück. „Besonders in Erinnerung bleiben mir die Besuche hochrangiger Gäste, die Tage des offenen Schlosses und das Gefühl, dass unser kleines Dorf für einige Stunden im Mittelpunkt der internationalen Politik stand“, sagt sie. „Mit dem Ende der Nutzung als Gästehaus der Bundesregierung verliert Meseberg einen Teil seiner besonderen staatlichen Präsenz und seiner überregionalen Aufmerksamkeit.“
Das 1738 errichtete Schloss kaufte 1774 der Bruder des preußischen Königs Friedrich II., Prinz Heinrich, für seinen Günstling Major Ludwig von Kaphengst. Theodor Fontane schrieb in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg („Die Grafschaft Ruppin“, 1862): „Wie ein Zauberschloss liegt es auch heute noch da.“ Im Jahr 1885 erwarb Carl Robert Lessing, der Großneffe des Schriftstellers Gotthold Ephraim Lessing, das Schloss.
Das Schloss hatte schon viele Eigentümer
Die Witwe des Sohns von Lessing musste das Anwesen Anfang der 1930er-Jahre aus finanzieller Not verkaufen. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs waren der Diakonieverein Berlin-Zehlendorf und der Landwirt Fritz Lang die Besitzer. Während der NS-Zeit musste Lang das Schloss nach Angaben der Bundesregierung dem Wehrmachtsoffizier Wilhelm Diehn überlassen.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war das Schloss zunächst Herberge für Umsiedler- und Flüchtlingsfamilien. In der DDR befanden sich dort ein Kindergarten, Klassenräume und ein Lebensmittelladen.
Nach der deutschen Einheit fiel das Schloss dann in den Besitz des Landes Brandenburg. Im Jahr 1995 erwarb die Messerschmitt-Stiftung aus München das Gebäude - nach eigenen Angaben die größte private Denkmalschutzstiftung in Deutschland.
Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war mehrfach im Schloss Meseberg, dem Gästehaus der Bundesregierung. (Archivbild)Michael Kappeler/dpa
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Vom verfallenen Anwesen zur barocken Perle
Die Stiftung sanierte das verfallene Anwesen für 25 Millionen Euro und vermietete die Anlage zum Symbolpreis von einem Euro an die Bundesregierung. Seit 2007 öffneten sich die Türen als Gästehaus: Die damalige Kanzlerin Angela Merkel (CDU) empfing dort unter anderem Chinas Regierungschef Wen Jiabao, Russlands Präsident Wladimir Putin und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron - dieser kam gleich mehrfach.
Macron sagte Merkel dort 2018 im Asylstreit Unterstützung für eine europäische Lösung zu. Mit Putin ging es im gleichen Jahr auch um eine Lösung für die Ukraine-Krise. Kanzler Olaf Scholz (SPD) nutzte das Gästehaus ebenfalls: Er traf dort den Emir von Katar und hielt den deutsch-französischen Ministerrat mit Macron ab.
Nicht nur Staatsgäste kamen
Viele Male zog sich das Bundeskabinett in Meseberg zu Klausuren zurück, auch um aus Krisen zu finden - ob Schwarz-Rot und Schwarz-Gelb unter Merkel oder die Ampel unter Scholz. Kanzler Friedrich Merz (CDU) lud im Herbst 2025 dann aber zur Kabinettsklausur woandershin ein: In die Villa Borsig, das Gästehaus des Auswärtigen Amtes, am Tegeler See in Berlin.
Das Schloss Meseberg war Schauplatz zahlreicher Kabinettsklausuren unter Angela Merkel (CDU) und Olaf Scholz (SPD) als Kanzler. (Archivbild)Michael Kappeler/dpa
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„Künftig sollen hochrangige Veranstaltungsformate an verschiedenen, dem Anlass angemessenen Veranstaltungsorten oder auch in dem voraussichtlich 2028 fertiggestellten Veranstaltungsbereich im Erweiterungsbau des Bundeskanzleramtes durchgeführt werden“, sagt eine Regierungssprecherin. Die Kosten für einmalige externe Anmietungen lägen deutlich unter den Gesamtkosten von Schloss Meseberg pro Jahr.
Granseer Amtsdirektor hofft auf Perspektive
Die Bewirtschaftungskosten von Schloss Meseberg machten 2025 laut Bundesregierung rund eine Million Euro aus, dazu kamen Personalkosten von einer halben Million Euro und Bewachungskosten von 3,8 Millionen Euro. Im Februar gab die Regierung auch die zurückgegangene Nutzung und die Entfernung nach Berlin als Gründe für das Vertragsende an. Eine künftige Unterstützung des Schlosses ist laut Sprecherin nicht geplant.
Nico Zehmke, Amtsdirektor von Gransee, hofft auf eine Zukunft für das Schloss. „Die Initiative für eine neue Nutzungsperspektive muss jedoch von der Bundesregierung und der Eigentümerin ausgehen“, sagt Zehmke, Ehemann der Ortsvorsteherin. Bisher hätten sich keine Gespräche ergeben. „Ich hoffe dennoch, dass sich die Verantwortlichen ihrer Verantwortung für diesen kulturhistorisch bedeutenden Ort bewusst werden und gemeinsam mit der Messerschmitt-Stiftung eine langfristig tragfähige Perspektive entwickeln.“
Schlosswirt-Inhaber: Werbefaktor für Brandenburg
Das Hotel „Schlosswirt Meseberg“ neben dem Gästehaus hat ebenfalls eine ungewisse Zukunft. „Der einzige Grund vor 20 Jahren für uns, sich auf das Unterfangen Meseberg einzulassen, war die Nutzung des Schlosses als Gästehaus“, sagt Inhaber Bert Groche. „Da unser Vertrag dieses Jahr ausläuft, gab es unter diesen Voraussetzungen keinen Grund, diesen zu verlängern.“
Er hofft, dass sich für Schloss und Schlosswirt bald Nachnutzer finden - „vielleicht auch mit Unterstützung der Landesregierung“. „Der Werbefaktor für Brandenburg durch damalige Staatsbesuche aus der ganzen Welt war schon exklusiv“, sagt Groche. Die Brandenburger Landesregierung sieht sich indes nicht aufgerufen, sich um die Immobilie zu bemühen - sie verweist auf den Eigentümer.