Schließung in Erfurt - Zalando dringt auf rasche Einigung
Zalando will mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan für die Belegschaft in Erfurt verhandeln. Eine Einigungsstelle soll dabei für Klarheit sorgen. Beim Betriebsrat stößt das Vorgehen auf Kritik.
Zalando hat beim Arbeitsgericht in Erfurt die Einrichtung einer Einigungsstelle für die anstehenden Verhandlungen mit dem Betriebsrat am Standort Erfurt beantragt. (Archivbild)Martin Schutt/dpa
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Nach der Schließungsentscheidung für den Zalando-Standort in Erfurt strebt das Management des Internet-Modehändlers im Mai eine Einigung über einen Sozialplan und Interessenausgleich für die Mitarbeiter an. Zwar habe es mit dem Betriebsrat einige Gespräche, aber noch keine Verhandlungen dazu gegeben, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Um diesen Dialog in die nächste Phase zu führen, habe Zalando beim Arbeitsgericht Erfurt die Einrichtung einer Einigungsstelle beantragt.
Das Schlichtungsgremium solle helfen, gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung schnellstmöglich Klarheit für die Belegschaft zu schaffen: „Auch wenn wir weiterhin kein realistisches Szenario für den Weiterbetrieb des Standorts durch Zalando sehen, sind wir überzeugt, dass dieser Weg zeitnah eine verlässliche Grundlage für die persönliche Zukunftsplanung für die Mitarbeitenden bietet“, hieß es vom Unternehmen.
Einigungsstelle soll Verhandlungen moderieren
Die Gespräche und Verhandlungen zu einem tragfähigen Interessenausgleich und einem ausgewogenem Sozialplan werden in diesem Falle von einem neutralen Vorsitzenden moderiert und begleitet. Der Spruch der Einigungsstelle ist für beide Seiten bindend.
Mit diesem Schritt verlasse das Unternehmen „den Pfad der direkten Verständigung“, kritisierte der Betriebsrat in einer Mitteilung. „Statt in einen konstruktiven Dialog über den Interessenausgleich und Sozialplan zu treten oder die Hintergründe der Schließungspläne umfassend aufzuklären, versucht Zalando nun, den Betriebsrat gerichtlich in eine Einigungsstelle zu zwingen.“ Damit wolle Zalando den Weg für Kündigungen frei machen.
Betriebsrat sieht viele Fragen unbeantwortet
Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung hat das Unternehmen bisher viele Fragen unbeantwortet gelassen - etwa mit Blick auf alternative Konzepte für den Standort. Die Betriebsräte fordern einen intensiveren Austausch. „Ziel müsse es sein, die behauptete Alternativlosigkeit der Schließung sachlich zu prüfen und ernsthafte Verhandlungen über den Standorterhalt zu führen.“ Zudem müssten bestimmte Personengruppen wie Alleinerziehende, Schwerbehinderte und langjährige Mitarbeitende besser geschützt werden.
Das Erfurter Logistikzentrum von Zalando mit 2.700 Mitarbeitern soll Ende September komplett geschlossen werden. Neben der Beratung durch die Agentur für Arbeit direkt am Standort und internen Stellenbörsen gab es in der vergangenen Woche eine erste Jobmesse mit mehr als 80 interessierten Firmen aus der Region. Dabei haben sich nach Unternehmensangaben 1.100 Mitarbeiter zu beruflichen Perspektiven informiert.