dpa

Schleswig-Holstein reduziert Plätze für Flüchtlinge

Weniger Flüchtlinge, weniger Plätze: Das Land will bis Ende 2027 Millionen sparen und schließt die Unterkunft in Kiel. Welche Standorte künftig noch gebraucht werden.

30.06.2026

Wegen zurückgehender Flüchtlingszahlen kann das Land die Zahl der Betten in Landesunterkünften reduzieren. (Archivbild) Frank Molter/dpa

Wegen zurückgehender Flüchtlingszahlen kann das Land die Zahl der Betten in Landesunterkünften reduzieren. (Archivbild) Frank Molter/dpa

© Frank Molter/dpa

Mit der verringerten Zahl an Flüchtlingen, die nach Schleswig-Holstein kommen, reduziert das Land seine Kapazitäten in den Landesunterkünften. Das Kabinett beschloss, die Erstaufnahme ab 2027 auf die Standorte Neumünster, Bad Segeberg und Seeth (Kreis Nordfriesland) mit zusammen 3.470 Plätzen zu konzentrieren. Die Standorte Boostedt (Kreis Segeberg) und Rendsburg stehen dann nur noch als Reserve mit mehr als 2.300 Plätzen zur Verfügung. Die Landesunterkunft in Kiel wird zum Ende des Jahres 2026 geschlossen, wie das Integrationsministerium mitteilte.

Das Land wolle jederzeit ausreichend Plätze für Menschen bereithalten, die in Schleswig-Holstein Schutz suchen, betonte Integrationsministerin Aminata Touré (Grüne). „Gleichzeitig gilt es, angesichts der rückläufigen Zugangszahlen und der Haushaltslage des Landes verantwortungsvoll mit öffentlichen Mitteln umzugehen.“

Reservestandorte können wieder aktiviert werden

Touré dankte den Standorten Boostedt, Rendsburg und Kiel: „Die Oberbürgermeister und die Bürgermeisterin haben gemeinsam mit der Bevölkerung vor Ort eine großartige Leistung erbracht.“ Ihr Dank gelte genauso den Betreuungsverbänden, dem ärztlichen Dienst, den Wachdiensten, den Polizeistationen und zahlreichen Ehrenamtlichen, „die seit der ersten Stunde vor Ort professionell und empathisch gearbeitet und diese Ausnahmesituationen großartig geregelt haben“. 

Ab Anfang 2027 werde das Land 2.365 Plätze als Reserve vorhalten. Die Standorte Glückstadt, Boostedt und Rendsburg bleiben als Reserve erhalten und können bei Bedarf innerhalb von sechs bis zwölf Wochen wieder für die Unterbringung von Geflüchteten aktiviert werden. Das Land könne so bis Ende 2027 voraussichtlich rund 53 Millionen Euro einsparen, betonte die Ministerin.

Ministerium: 2025 rund 31 Prozent weniger Flüchtlinge als 2024

Derzeit werden insgesamt sieben Landesunterkünfte betrieben, von denen der Standort Glückstadt bereits als Reserve vorgehalten wird. Aktuell seien durchschnittlich rund 2.000 der 5.845 aktiven Unterbringungsplätze belegt. 

Im vergangenen Jahr waren nach Angaben des Ministeriums rund 31 Prozent weniger Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein gekommen als 2024. Ein weiterer Rückgang werde in diesem Jahr erwartet.

Für die Liegenschaft in Boostedt, die ehemalige Rantzau-Kaserne, hat die Bundeswehr ihr Interesse angemeldet. Dort sollen im Zuge der Vergrößerung der Bundeswehr den Planungen zufolge wieder Soldaten stationiert werden.