Scharfe Kritik an falschen Zuganzeigen - Bahn plant Programm
Die Kritik fällt deutlich aus: Wer heute im sächsischen Regionalverkehr mit der Bahn unterwegs sei, brauche „starke Nerven“, meint der Fahrgastverband Pro Bahn. Die Bahn legt ein Sofortprogramm auf.
Der Fahrgastverband Pro Bahn Mitteldeutschland sieht erhebliche Informationsdefizite der Eisenbahnunternehmen im sächsischen Regionalverkehr. (Symbolbild)Jan Woitas/dpa
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Der Fahrgastverband Pro Bahn Mitteldeutschland kritisiert erhebliche Defizite bei der Fahrgastinformation im sächsischen Regionalverkehr. Betroffen seien zahlreiche Linien und Verkehrsunternehmen - vor allem bei Baustellen, Umleitungen und kurzfristigen Fahrplanänderungen, teilte der Verband in Dresden mit. Immer wieder zeigten die Auskunftssysteme falsche Daten und Informationen an.
Die Deutsche Bahn hatte Anfang März ein Sofortprogramm für eine bessere Information der Reisenden angekündigt, den Startzeitpunkt aber offen gelassen. „Eine bessere Kundenkommunikation ist uns ebenso wie Pro Bahn ein wichtiges Anliegen“, schrieb das Unternehmen jetzt auf Anfrage.
„Neben mehr Sicherheit und Sauberkeit in Zügen und Bahnhöfen sollen die Fahrgäste vor und während ihrer Reise noch besser informiert werden – sowohl im Zug, am Bahnhof als auch auf den digitalen Auskunftskanälen.“ Das Programm für eine bessere Kundenkommunikation solle noch im Frühjahr im Detail vorgestellt werden.
Züge werden angezeigt, obwohl sie mitunter gar nicht fahren
Der Verband Pro Bahn kritisierte es als besonders schwerwiegend, „wenn Züge weiterhin als regulär fahrend angezeigt werden, obwohl sie umgeleitet werden oder ganz ausfallen. An Bahnhöfen führt dies folglich zu unübersichtlichen Situationen, in denen Fahrgäste ohne belastbare Informationen auf nicht verkehrende Verbindungen warten.“
Fahrgäste warteten am Karsamstag in Dresden-Plauen vergeblich
Pro Bahn verwies als jüngstes Beispiel auf Karsamstag und Fahrten des RE3 von Dresden-Neustadt nach Hof in Regie der Mitteldeutschen Regiobahn, der ohne jegliche Information in den gängigen Auskunftssystemen über Riesa umgeleitet wurde. Die Züge seien an den ausgelassenen Halten aber nicht als „ausgefallen“ angezeigt worden. In Dresden-Plauen etwa habe eine hohe Zahl an Fahrgästen „ohne Aussicht auf eine Mitfahrt“ gewartet, weil hier alle RE als fahrend angezeigt wurden. Nach Angaben der Bahn war ein Personenunfall bei Muldenhütten Ursache für die Umleitung.
Pro Bahn: keine Einzelfälle, sondern wiederkehrendes Muster
„Wir erleben derzeit ein systemisches Versagen der Fahrgastinformation“, sagte Pro Bahn-Landesvorsitzender Markus Haubold: „Es geht nicht um Einzelfälle, sondern um ein wiederkehrendes Muster: Anzeigen stimmen nicht, Apps zeigen falsche Daten, und vor Ort gibt es oft keinerlei verlässliche Hinweise. Für die Fahrgäste ist das schlicht nicht akzeptabel.“
Unzureichende Information auch in den Zügen selbst
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft unzureichende Informationen in den Zügen selbst. „Die Situation in den Fahrzeugen ist insbesondere bei DB Regio ärgerlich“, betonte Michael Koch, Referent für die Region Dresden und Vize-Bundeschef von Pro Bahn. Kurzfristige Fahrplanänderungen, Umleitungen oder Ausfälle würden häufig nicht auf den Bildschirmen dargestellt. Stattdessen könne man oft statische Anzeigen ohne Echtzeitdaten oder sogar falsche Informationen sehen.
Durchsagen vielfach unzureichend oder zu spät
Auch Durchsagen seien vielfach unzureichend oder erfolgen zu spät, sodass Fahrgäste wichtige Entscheidungen - etwa zum Umsteigen - nicht rechtzeitig treffen können, monierte Koch. Hinzu komme, dass Fahrplan-Updates in vielen Fahrzeugen offenbar noch immer nur manuell und nicht aus der Ferne aktualisiert werden – „ein Zustand, der im Jahr 2026 völlig aus der Zeit gefallen ist“.
Pro Bahn: Regionalverkehr erfordert starke Nerven
„Wer heute im Regionalverkehr unterwegs ist, braucht starke Nerven. Man kann sich auf die Informationssysteme oft nicht verlassen, weder am Bahnsteig noch im Zug. Das darf in einem modernen Verkehrssystem nicht der Normalzustand sein“, stellte Koch klar. Die Fahrgastrechteverordnung verpflichte die Eisenbahnunternehmen ausdrücklich, Fahrgäste rechtzeitig und angemessen über Abweichungen zu informieren.
Pro Bahn sieht die Verantwortung für diesen Zustand nicht ausschließlich bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen. Auch die Infrastrukturbetreiberin, die Bahn-Tochterfirma DB InfraGo, müsse ihren Beitrag leisten, insbesondere bei der Planung und Kommunikation von Baustellen. „Wir sehen immer wieder, dass Baustellen kurzfristig oder unzureichend kommuniziert werden“, so Markus Haubold.
„Verlässliche Information ist kein Zusatzservice, sondern eine Kernleistung des öffentlichen Verkehrs“, betonte Haubold abschließend: „Wer Fahrgäste gewinnen will, muss zuerst sicherstellen, dass sie überhaupt wissen, wann und wie ihr Zug fährt.“