Sachsens Firmen setzen stärker auf ausländische Mitarbeiter
Mehr Unternehmen in Sachsen holen internationale Arbeitskräfte ins Team. Doch wo steht der Freistaat im bundesweiten Vergleich? Und warum zögern Firmen weiterhin, Ausländer einzustellen?
Ein Mitarbeiter prüft bei einem Autozulieferer im Landkreis Zwickau Verschlüsse von Filteranlagen. (Archivbild)Jan Woitas/dpa
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Immer mehr Betriebe in Sachsen setzen auf ausländische Arbeitskräfte. Von den landesweit 102.900 Betrieben beschäftigte voriges Jahr jeder Vierte (25 Prozent) Mitarbeiter mit ausländischem Pass, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit informierte. Die Zahl ist über die Jahre gestiegen: 2015 waren es noch knapp 11.700 (10,2 Prozent), 2020 rund 19.300 (18 Prozent). Trotzdem liegt Sachsen im Bundesvergleich deutlich zurück: Deutschlandweit haben 4 von 10 Betrieben ausländische Mitarbeiter, in Baden-Württemberg und Hessen liegt der Anteil sogar bei fast 50 Prozent.
Trotz zuletzt lahmer Konjunktur sei der sächsische Arbeitsmarkt auf Zuwanderung angewiesen, betonte der Chef der Regionaldirektion Klaus-Peter Hansen. Grund ist, dass mehr Menschen altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden, als junge Arbeitskräfte nachwachsen. So kann den Angaben zufolge in den kommenden fünf Jahren jeder Dritte der rund 180.000 Altersabgänge wegen fehlenden Nachwuchses nicht nachbesetzt werden.
Deswegen sei erfreulich, dass mehr Unternehmen auf ausländisches Personal setzen. „Dennoch sehe ich Luft nach oben“, erklärte Hansen. „Letztendlich ist entscheidend, dass ein Mitarbeiter für den Unternehmenserfolg und als wertvolles und gleichberechtigtes Mitglied einer Mannschaft arbeitet – unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Sprache.“
DGB kritisiert ungleiche Behandlung bei der Bezahlung
In vielen Betrieben gehörten Menschen mit ausländischen Wurzeln schon zur Normalität, konstatierte DGB-Landesvize Ralf Hron. Allerdings kritisierte der Gewerkschafter eine Ungleichbehandlung bei der Bezahlung. So verdienten Arbeitskräfte aus Polen in Sachsen im Mittel 816 Euro weniger im Monat, Beschäftigte aus Tschechien 957 Euro weniger. Arbeitskräfte aus diesen Nachbarländern seien viel häufiger im Niedriglohnbereich tätig als Beschäftigte mit deutschem Pass. Hron: „Wer auf eine nachhaltige Fachkräfteentwicklung in seinem Unternehmen setzt, muss ausländischen Beschäftigten echte Perspektiven bieten, statt sie nur als Lückenfüller einzusetzen.“
Insgesamt gehen in Sachsen rund 151.000 Ausländer einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach. Der Medianlohn lag zuletzt bei 2.733 Euro und damit niedriger als bei deutschen Beschäftigten (3.469 Euro), wie die Regionaldirektion mitteilte.
Regionaldirektion: keine Verdrängung deutscher Arbeitnehmer
Eine Verdrängung deutscher Arbeitnehmer sehen die Experten nicht. Der Anstieg kompensiere den demografisch bedingten Rückgang der deutschen Bevölkerung, so die Regionaldirektion. Die Migration sorge vielmehr dafür, dass frei werdende Stellen überhaupt nachbesetzt werden könnten. Die Beschäftigungsquote der Deutschen liege trotz des Zuwachses ausländischer Arbeitnehmer stabil bei 70 Prozent.
Im Hinblick auf Unternehmen mit internationalen Belegschaften zeigen sich regional in Sachsen allerdings große Unterschiede. Den höchsten Anteil gibt es in Leipzig und Dresden. In beiden Städten hat rund jeder dritte Betrieb Mitarbeiter mit ausländischem Pass. Im Erzgebirgskreis sind es dagegen nur 16 Prozent. Damit ist die Region Schlusslicht in Sachsen.
Dass Unternehmen bisher keine Fachkräfte aus dem Ausland beschäftigen, liegt laut Regionaldirektion nicht nur an Vorurteilen. Häufig gebe es Unsicherheiten mit Blick auf Sprachbarrieren, kulturellen Unterschieden und rechtlichen Fragen. Die Erfahrung zeige aber, dass Betriebe, die einmal anfangen, ausländische Mitarbeiter einzustellen, oft weitere einstellen.