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Sachsen weitet Handyverbot an Schulen bis zur 8. Klasse aus

An den Grundschulen sind private Handys seit diesem Schulhalbjahr bereits tabu. Jetzt kündigt der Kultusminister eine Ausweitung des Verbots an. Die Gewerkschaft sieht darin „Profilierungspolitik“.

10.03.2026

In Sachsen soll bald auch für ältere Schüler ein Handyverbot gelten. (Symbolbild)Jens Kalaene/dpa

In Sachsen soll bald auch für ältere Schüler ein Handyverbot gelten. (Symbolbild)Jens Kalaene/dpa

© Jens Kalaene/dpa

Das Handyverbot an staatlichen Schulen wird in Sachsen auf ältere Jahrgänge ausgeweitet. Seit diesem Schulhalbjahr sind private Handys bereits an den Grundschulen tabu. Jetzt kündigte Kultusminister Conrad Clemens an, die Regel auf ältere Schülerinnen und Schüler bis zur achten Klasse zu erweitern. Die Bildungsgewerkschaft GEW reagierte mit Kritik.

„Ich kann auf Landesebene dieses Handyverbot ausweiten. Das werde ich auch tun“, sagte der CDU-Politiker im Podcast „Thema in Sachsen“ von „Sächsischer Zeitung“ und „Leipziger Volkszeitung“. Das ausgedehnte Handyverbot solle ab dem kommenden Schuljahr nach den Sommerferien gelten, berichteten die Zeitungen.

Clemens sieht in dem Verbot eine Ergänzung zu einem ebenfalls diskutierten Social-Media-Verbot bis 14 Jahren. „Und da finde ich, gehört es ganz gut zusammen: Social-Media-Verbot bis 14 Jahre. Und gleichzeitig Handyverbot bis zur achten Klasse“, sagte er. 

Minister: Selbstbeschränkung funktioniert schlecht

Die Selbstbeschränkung bei der Handynutzung habe ihre Grenzen - das merkten auch die Erwachsenen, argumentierte der Kultusminister. „Und wir erwarten gleichzeitig von Elfjährigen, dass sie verantwortungsbewusst sagen: Oh, jetzt ist es aber genug mit Insta oder Snapchat. Das funktioniert so nicht.“

Digitale Medien könnten im Unterricht sehr wohl genutzt werden - aber eben nicht für den privaten Gebrauch, erklärte Clemens. Zugleich solle die Medienkompetenz gestärkt werden. Es soll einen Medienpass geben - ein Unterrichtsmodul, in dem die Schülerinnen und Schüler einen verantwortungsvollen Umgang unter anderem mit Social Media und Online-Spielen lernen.

Kritik der Bildungsgewerkschaft 

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sparte nicht mit Kritik. „Das ist reine Profilierungspolitik: Der Minister verteilt Verbote, aber keine Lösungen“, urteilte GEW-Chefin Claudia Maaß. Von diesem Vorstoß hätten die Schulleitungen und Lehrkräfte aus den Medien erfahren. Unklar bleibe, wer das Handyverbot im Schulalltag durchsetzen solle – bei Unterrichtsausfall, Personalmangel und steigender Belastung. 

GEW: Schulen brauchen klare und praktikable Regeln

„Der Minister scheint zu erwarten, dass Lehrkräfte wieder das Verbot umsetzen und damit entstehende Konflikte lösen müssen. Das ist verantwortungslos“, so Maaß. Politische Rahmenvorgaben für die private Handynutzung im Schulalltag seien begrüßenswert. Doch Schulen brauchten klare und praktikable Regeln. „Ein pauschales landesweites Verbot ersetzt jedoch kein pädagogisches Konzept – und es löst auch nicht die Ursachen problematischer Nutzung.“

Gewerkschaft will mehr Medienbildung und Schulsozialarbeit

„Wenn der Kultusminister darüber hinaus für ein bundesweites Social-Media-Verbot für Kinder wirbt, muss er beim Kinder- und Jugendschutz ansetzen: bei Restriktionen für die Plattformen der Tech-Giganten, bei wirksamer Prävention und bei Unterstützung von Eltern. Schule kann begleiten – aber sie kann nicht die Versäumnisse im Jugendschutz kompensieren“, betonte Claudia Maaß. Sie schlug unter anderem eine verbindliche Medienbildung sowie mehr Schulsozialarbeit und Präventionsangebote vor.