Sachsen beginnt Kampagne zu Gewalt gegen Frauen
Die Zahlen sind bedrückend, die Dunkelziffer vermutlich noch mehr. Jede dritte Frau erlebt im Laufe ihres Lebens Gewalt. Eine Kampagne soll nun Betroffenen Mut machen und andere sensibilisieren.
Sachsen startet eine Kampagne zu Gewalt gegen Frauen. (Symbolbild)Fabian Sommer/dpa
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Belästigungen, Schläge und Vergewaltigungen: Frauen werden auch in Sachsen regelmäßig zum Opfer von Gewalt. Tatort ist häufig der eigentlich geschützte Raum einer Wohnung, aber genauso kann es auf der Straße, in Verkehrsmitteln oder bei der Arbeit passieren. Sachsen startet deshalb eine landesweite Kampagne, um einen unerträglichen Zustand ins Licht zu rücken, Betroffenen Mut zu machen und Beistand zu leisten.
„Gewalt ist kein Privatproblem. Darauf wollen wir mit unserer Kampagne „Alltag ohne Gewalt“ aufmerksam machen“, erklärte Sozialministerin Petra Köpping (SPD). Sexuelle und häusliche Gewalt in all ihren Formen gingen die Gesellschaft etwas an und seien eine Verletzung der Menschenrechte. Sie kämen unabhängig von Status, Herkunft oder Alter der Betroffenen vor.
Steigende Fallzahlen auch in Sachsen
„Gewalt gegen Frauen und Mädchen können wir nur dann wirksam entgegentreten, wenn wir auch unser eigenes Verhalten hinterfragen. Und wenn wir umfassend über Ursachen, Mechanismen, Folgen und Unterstützungswege informiert sind“, betonte die Ministerin. Die steigenden Zahlen häuslicher Gewalt seien alarmierend und Beleg für einen sehr großen Handlungsbedarf.
Laut Statistik erlebt weltweit etwa jede Dritte Frau im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexualisierte Gewalt. Nach Angaben des Sozialministeriums ist das auch in Sachsen ein Problem. „In den letzten sechs Jahren sind die polizeilich erfassten Fälle häuslicher Gewalt um 33 Prozent von 7.698 Fällen 2019 auf 10.202 Fälle 2024 gestiegen. Dazu gehören einfache und gefährliche Körperverletzung, digitale Belästigung und Vergewaltigung.“
Plakate, Spots in öffentlichen Verkehrsmitteln und Social Media
Die Kampagne „Alltag ohne Gewalt“ wolle Betroffene und ihr Umfeld stärken, Mut machen und Wege der Unterstützung aufzeigen, hieß es. Ihren Auftakt macht sie mit einer sachsenweiten Plakatkampagne, Spots im Fahrgast-TV der öffentlichen Verkehrsmittel, in sozialen Medien und bei Spotify. Der 14. Februar wurde als Starttermin bewusst gewählt. Er steht für „One Billion Rising“ („Eine Milliarde erhebt sich“) - eine globale Initiative für Gewalt gegen Frauen und Mädchen.
Kampagne soll bis Jahresende laufen und nicht nur auf Deutsch
„Ich bin sehr froh, dass wir mit der Kampagne „Alltag ohne Gewalt“ nun ein Instrument an der Hand haben, mit dem wir eine breite Öffentlichkeit für dieses wichtige Thema sensibilisieren“, so Sozialministerin Köpping. Bis Jahresende soll die Kampagne in Kooperation mit Mitgliedern des Gewaltschutznetzwerkes in Sachsen immer wieder Schwerpunkte setzen: zur Stärkung Betroffener, zur Ansprache von Tätern, zum Erkennen sexualisierter Gewalt. Neben Deutsch kommt das Anliegen auch auf Ukrainisch, Tschechisch, Polnisch, Arabisch und Englisch zur Sprache.