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Restauratorin untersucht Dinos bei Hagenbeck mit Skalpell

Die Dinosaurier-Skulpturen im Tierpark Hagenbeck brauchen eine Verjüngungskur. Vorher ist eine gründliche Untersuchung wichtig. Was eine Restauratorin herausfinden will.

24.07.2026

Christiane Maier untersucht die Farbschichten der Skulptur.Marcus Brandt/dpa

Christiane Maier untersucht die Farbschichten der Skulptur.Marcus Brandt/dpa

© Marcus Brandt/dpa

Mit einem Skalpell in der Hand nähert sich Restauratorin Christiane Maier der 117 Jahre alten Saurier-Skulptur Allosaurus im Tierpark Hagenbeck. Vorsichtig löst sie neben dem gelben Auge eine Schicht ab, die einst in den 1980er Jahren aufgetragen wurde. „Man sieht, es ist darunter durchfeuchtet“, sagt die 54-Jährige. Gleichzeitig schaut Maier nach Farbresten - denn die Restauratorin will wissen, wie die Oberfläche ursprünglich ausgesehen hat.

Der Allosaurus ist eine der zwölf Dinosaurier-Skulpturen im Wasser oder an Land, die seit Generationen fest zu einem Besuch bei Hagenbeck gehören. Der Zahn der Zeit hat an den denkmalgeschützten Riesen der Urzeit genagt, viele Risse sind zu sehen. Eine Restaurierung ist laut Tierpark unausweichlich.

Maier streicht unterhalb des Mauls mit den riesigen weißen Zähnen über das historische Modell. „Hier hat sich durch die Feuchtigkeit, die überall eindringt, schon die erste Putzschicht abgelöst“, sagt sie. Es gebe Stellen, an denen es noch schlimmer sei.

Was würde die Restaurierung kosten?

Maier öffnet einige durchsichtige Plastikbeutel auf dem Boden. Sie sind voller kleiner abgebrochener Einzelteile, die die Restauratorin neben der Figur gefunden hat. Man könne das wieder zusammenpuzzeln, sagt sie, während sie ein Stück Zement mit roten Farbresten in ihrer Hand begutachtet. Währenddessen legen Hagenbeck-Mitarbeiter mit Schaufeln das Fundament der Figur zur Begutachtung frei.

Mitarbeiter des Tierparks legen das Fundament frei.Marcus Brandt/dpa

Mitarbeiter des Tierparks legen das Fundament frei.Marcus Brandt/dpa

© Marcus Brandt/dpa

Maier untersucht den Allosaurus am Orang-Utan-Haus als eine Art Muster. Sie schaut, welche Materialien benutzt wurden, wie die Standfestigkeit des Modells ist. Die Expertin soll herausfinden, wie aufwendig und wie teuer eine Restaurierung wäre. Sie fotografiert die Details und erfasst die Schäden digital. Es wird ein Konzept erarbeitet. Der Tierpark will dann abgestimmt mit dem Denkmalschutzamt entscheiden, wie man weiter vorgehen will.

Bildhauer Josef Pallenberg stellte Modelle einst fertig

Der Tierpark in Hamburg-Stellingen wurde im Jahr 1907 eröffnet. Die großen Dinosaurier-Plastiken wurden den Angaben zufolge im Jahr 1908 von Tierparkgründer Carl Hagenbeck (1844-1913) in Auftrag gegeben. „Carl Hagenbeck hat sich von klein auf für Reptilien interessiert“, sagt Herman Reichenbach, Archivar bei Hagenbeck. Bei Besuchen in London habe Hagenbeck auch die Dinosaurier-Figuren im Crystal Palace Park gesehen.

Der Tierparkgründer habe an das Überleben von Dinosauriern geglaubt, hieß es. 1909 finanzierte Carl Hagenbeck eine Afrika-Expedition. Die Teilnehmer sollten Berichten von Reisenden nachgehen, in denen von einem Lebewesen in der Art des Brontosaurus die Rede war.

Der Archivar Herman Reichenbach zeigt auf seinem Handy historische Schwarz-Weiß-Fotos der Dino-Skulpturen.Marcus Brandt/dpa

Der Archivar Herman Reichenbach zeigt auf seinem Handy historische Schwarz-Weiß-Fotos der Dino-Skulpturen.Marcus Brandt/dpa

© Marcus Brandt/dpa

„Dann hat er sich gedacht: Wenn ich schon keinen lebenden Dinosaurier habe, dann will ich zumindest künstliche“, sagt Archivar Reichenbach. Der Erhalt dieser Unikate sei dem Tierpark sehr wichtig.

Der Kölner Bildhauer Josef Pallenberg stellte die Modelle im Winter 1909/10 fertig. Grundlage der unterschiedlichen Skulpturen - vom Diplodocus über Triceratops bis hin zum Stegosaurus - waren wissenschaftliche Erkenntnisse wie Abbildungen von Skeletten und Rekonstruktionen aus naturgeschichtlichen Museen, wie der Tierpark mitteilte. Carl Hagenbeck habe die „Urweltlandschaft“ als eine Ergänzung zu den lebenden Tieren im Tierpark gesehen.

Bomben beschädigten Figuren

Bis zum Ersten Weltkrieg fuhr eine Miniatureisenbahn mit Dampflok um den Dinosaurierteich mit den Skulpturen. Im Zweiten Weltkrieg wurden Figuren 1943 von Bomben beschädigt. Die schlimmsten Schäden wurden den Angaben zufolge 1948 dank Spenden behoben. Seither wurden die Figuren mehrfach restauriert. Eine Beschilderung beschreibt die einzelnen Tiere im Detail, die unterschiedlichen Verhaltensweisen und anatomischen Besonderheiten.

Es gibt ein historisches Foto der Saurier-Skulptur Allosaurus, aber der Restauratorin fehlen viele weitere Informationen.Marcus Brandt/dpa

Es gibt ein historisches Foto der Saurier-Skulptur Allosaurus, aber der Restauratorin fehlen viele weitere Informationen.Marcus Brandt/dpa

© Marcus Brandt/dpa

Restauratorin Maier muss in den kommenden Wochen noch einige Geheimnisse rund um die Dino-Skulpturen lüften. Denn es gibt zwar Schwarz-Weiß-Fotografien der Anfangszeit, aber wichtige Informationen sind nicht vorhanden. „Wir wissen noch nicht einmal, ob er hohl ist“, erklärt Maier über den Allosaurus. Die Untersuchung solle behutsam laufen. „Wir tasten uns ran.“

Die Untersuchung am Allosaurus soll als eine Art Muster dienen.Marcus Brandt/dpa

Die Untersuchung am Allosaurus soll als eine Art Muster dienen.Marcus Brandt/dpa

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Ziel sei es, dass der Dinosaurier wieder schön und möglichst original aussehe, betont Maier. Die Arbeiten im Tierpark Hagenbeck sind für die Restauratorin etwas Besonderes. Es sei faszinierend zu sehen, wie sich die Menschen damals Dinosaurier vorgestellt hätten, sagt sie. Die Skulpturen in solcher Größenordnung seien weit über Hamburg hinaus bekannt.

Mit dem Finger gleitet Maier über das gelbe Auge des Urzeit-Giganten. „Wenn man ganz nah ran geht, sieht man, dass es da noch ganz andere Blautöne gab“, stellt die Restauratorin fest. Sie zeigt auf eine schwarze Ecke im Mundwinkel des Allosaurus. „Wir wissen noch gar nicht, was das ist. Wir müssen das im Labor untersuchen.“ Ihr erstes Fazit bei der Bestandsaufnahme: „Es ist einiges dran zu tun.“

Ein Skalpell hilft Restauratorin Christiane Maier bei der Untersuchung.Marcus Brandt/dpa

Ein Skalpell hilft Restauratorin Christiane Maier bei der Untersuchung.Marcus Brandt/dpa

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Einige Stücke der Skulptur sind abgebrochen.Marcus Brandt/dpa

Einige Stücke der Skulptur sind abgebrochen.Marcus Brandt/dpa

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