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Raser baut tödlichen Unfall - wegen Mordes verurteilt

Eine Verfolgungsfahrt mit der Polizei findet ein dramatisches Ende: Der 18-jährige Fahrer verursacht einen Unfall, bei dem sein Beifahrer stirbt. Nun muss der junge Mann wegen Mordes in Haft.

09.10.2026

Der völlig zerstörte Wagen steht nach der Kollision mit einem Transporter auf der Straße An der Alster. (Archivbild)Fabian H�fig/NEWS5/dpa

Der völlig zerstörte Wagen steht nach der Kollision mit einem Transporter auf der Straße An der Alster. (Archivbild)Fabian H�fig/NEWS5/dpa

© Fabian H�fig/NEWS5/dpa

Knapp neun Monate nach einer tödlich geendeten Flucht vor der Polizei hat das Landgericht Hamburg einen jungen Autofahrer wegen Mordes, versuchten Mordes und weiterer Delikte verurteilt. Es verhängte eine Jugendstrafe von sieben Jahren.

Der 18-Jährige sei am 31. Januar mit circa 130 km/h nahe der Kennedybrücke ungebremst in den Gegenverkehr gerast, sagte die Vorsitzende der Jugendkammer, Anne Meier-Göring. Ein entgegenkommender Transporterfahrer konnte die Kollision nicht mehr verhindern. Während der 28-jährige Sprinterfahrer verletzt wurde, starb der 35 Jahre alte Beifahrer des Angeklagten. Es hätten weit mehr Menschen sterben können, betonte die Richterin.

Wie auf einem Formel-1-Kurs durch Hamburg

Der 18-Jährige war nur zwei Minuten vor dem Unfall im Stadtteil Eimsbüttel an einer Verkehrskontrolle vorbeigefahren, mit 86 km/h. Ein Polizist habe ihn als letztes Fahrzeug in seiner Schicht anhalten wollen. „Gib einfach Gas“, sagte der Beifahrer angeblich zu seinem Freund am Steuer. 

Über die nächste Kreuzung sei der Angeklagte mit 122 km/h bei Rot gerast, über die folgende in der Nähe der U-Bahnstation Schlump mit 146 km/h, sagte Meier-Göring. In dem Prozess, der bis zur Urteilsverkündung unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt wurde, habe sich das Gericht mehrfach die Videoaufzeichnung der Polizei angesehen. „Sie fuhren durch Hamburg wie auf einem Formel-1-Kurs“, sagte die Vorsitzende der Kammer.

Auto angeblich mit Bürgergeld bezahlt

Auf der Kennedybrücke habe der 18-Jährige in einer für ihn uneinsehbaren Linkskurve auf die Gegenfahrbahn gelenkt, obwohl ihm gerade noch eine Fahrzeugkolonne entgegengekommen war. „Das war nur noch Harakiri, das war eine Wette auf Leben und Tod“, sagte die Richterin. Sein eigenes Leben und das anderer Menschen seien ihm gleichgültig gewesen.

„Ich wollte der Polizei entkommen“, habe der Angeklagte vor Gericht erklärt. Der 3er-BMW sei sein erstes Auto gewesen, das er sich als 17-Jähriger ohne Führerschein für 3.700 Euro gekauft hatte. Angeblich hatte der mit 13 Jahren nach Deutschland gekommene Afghane den Wagen mit seinem Bürgergeld bezahlt. Doch das glaubte ihm das Gericht nicht. Er habe es wahrscheinlich durch Einnahmen aus dem Handel mit Marihuana finanziert.

Der Flüchtling, der in Hamburg nur einen älteren Bruder habe, habe schnell Deutsch gelernt, aber weder die Schule abgeschlossen noch eine Ausbildung gemacht. Der 35-Jährige, der bei dem Unfall starb, habe ihm einen Job bei einer Securityfirma besorgt, die auf einer Baustelle an der Universität tätig war.

Zu Fahrtbeginn Joint geraucht

Das Auto sei für den Angeklagten ein Statussymbol gewesen, mit dem er auf Tiktok angegeben habe, sagte Meier-Göring. Er habe den Wagen mit gestohlenen Kennzeichen, ohne Versicherung und häufig unter Cannabiseinfluss gefahren. An jenem Samstagmorgen Ende Januar hatte er seinen Kollegen in Altona abgeholt, um zur Arbeit zu fahren. Doch zunächst hätten beide Männer im Auto gemeinsam einen Joint geraucht. 

Mit seiner Flucht habe der Angeklagte die Beschlagnahme des Wagens verhindern wollen. Denn das war ihm im Jahr davor schon einmal passiert, mit dem Auto seines älteren Bruders. Die Polizei hatte bei einer Kontrolle starken Marihuanageruch wahrgenommen und in dem Fahrzeug Drogen entdeckt, wie die Richterin weiter erklärte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Gericht verurteilt den 18-jährigen Unfallfahrer zu einer Jugendstrafe von sieben Jahren.Marcus Brandt/dpa

Das Gericht verurteilt den 18-jährigen Unfallfahrer zu einer Jugendstrafe von sieben Jahren.Marcus Brandt/dpa

© Marcus Brandt/dpa