Raps als Hoffnungsträger – Bauern wollen Anbau ausweiten
Teller oder Tank? Raps kann beides, sagt der Präsident des Hessischen Bauernverbandes. Warum er die Ölfrucht auch als Hoffnungsträger in der Energiekrise sieht.
Vor allem in Mittel- und Südhessen steht der Raps auf den Feldern derzeit wieder leuchtend gelb in Blüte.Florian Wiegand/dpa
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Raps gilt als Alleskönner unter den Agrarpflanzen – er dient der menschlichen Ernährung, kommt als Tierfutter und bei Kraftstoffen zum Einsatz. Gerade letzteres könnte die leuchtend gelb blühende Ölpflanze angesichts geopolitischer Krisen und der Folgen des Iran-Kriegs für Verbraucher und Landwirte zum Lichtblick machen, erwartet der Präsident des Hessischen Bauernverbands, Karsten Schmal. Fragen und Antworten zum Thema:
Wie viel Raps wird in Hessen angebaut?
Laut Statistischem Landesamt wurde im vergangenen Jahr auf einer Fläche von rund 51.500 Hektar Ackerland Winterraps angebaut – bundesweit waren es 1,1 Millionen Hektar. Zum Vergleich: Die meistangebaute Feldfrucht in Hessen war Winterweizen, einschließlich Dinkel und Einkorn – einer Art Urform des Weizens - mit einer Anbaufläche von rund 148.900 Hektar. Nach Angaben von Thomas Eller, Vorsitzender der Hessischen Erzeugerorganisation für Raps, lassen sich aus einem Hektar Raps rund 1.600 Liter Öl gewinnen.
Wie entwickelt sich der Raps aktuell in Hessen?
Vor allem in Mittel- und Südhessen steht der Raps vielerorts bereits in Blüte. „Die Rapsbestände in diesem Jahr in Hessen sehen überwiegend gut bis sehr gut aus“, sagte Schmal. Die Aussaat im Sommer vergangenen Jahres habe mit weder zu trockenem Wetter noch zu großer Nässe günstige Bedingungen für den Raps geboten. Auch die Schneefälle im Winter habe der Raps sehr gut weggesteckt, und die milde Witterung im Frühjahr habe die Entwicklung der Pflanzen sehr gut vorangebracht.
Raps gilt auch als wichtige Nektar- und Pollenquelle für Bienen.Florian Wiegand/dpa
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Was macht die Rapsblüte aus?
Ein Meer von leuchtend gelben Blüten – Rapsfelder sind schon von weitem erkennbar. Etwa 120 bis 150 Millionen Blüten pro Hektar machten den Raps zur „auffälligsten Kultur in unserer Landschaft“, sagt Eller. Sie böten Nahrung für Bestäuberinsekten wie Bienen und Hummeln und leisteten somit auch einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität.
Wie wird Raps verwendet?
Raps sei eine vielfältig verwendbare Pflanze - neben hochwertigem Speiseöl für die menschliche Ernährung ist der sogenannte Rapskuchen als Restprodukt auch als hochwertiges Eiweißfutter für Tiere verwendbar. Rapsöl wird zudem Kraftstoffen für Biodiesel beigemengt – eine Form des Klimaschutzes, die sofort wirke, sagte Eller. In der Industrie wird Rapsöl zudem für Schmierstoffe, Farben und Kosmetika sowie für Tenside genutzt. Nicht zuletzt gelte Raps in der landwirtschaftlichen Fruchtfolge als unverzichtbar. Die tiefwurzelnde Ölpflanze verbessere nachhaltig die Bodenstruktur und könne auch in Regionen angebaut werden, die für andere Feldfrüchte aufgrund der Böden nicht geeignet seien.
Wie läuft die Schädlingsbekämpfung?
Wegen des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln ist der Rapsanbau auch umstritten. Zu den Schädlingen gehören beispielsweise Rapsstängelrüssler und Rapsglanzkäfer. „Wir sehen schon, dass aufgrund der höheren Temperaturen Schädlinge hier auftauchen, die wir früher in Menge und Ausmaß so nicht kannten“, sagt Schmal. Dazu gehöre etwa der Kohlschotenrüssler und der Rapsglanzkäfer.
Um andere Insekten zu schonen, werde der Raps abends in der Dunkelheit gespritzt, wenn diese nicht mehr flögen. Schmal sprach von einem „sehr verantwortungsvollen“ Umgang. Man müsse die Erträge schützen, aber versuche, dies so nützlingsschonend wie eben möglich zu machen.
Die Bauern plädieren für mehr Rapsöl im Biodiesel – warum?
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist es zu Preissprüngen bei Öl und Gas gekommen. Grund ist die faktische Blockade der für die weltweite Energieversorgung wichtigen Straße von Hormus. „Jeder Liter Biodiesel aus heimischem Raps reduziert unsere Abhängigkeit von importierten fossilen Energien und stärkt unsere Versorgungssicherheit“, argumentiert Schmal. Von einer stärkeren Beimengung von Rapsöl in Biodiesel dürften zugleich auch die Landwirte profitieren.
Biodiesel aus heimischem Raps leistet aus Sicht des Hessischen Bauernverbands einen Beitrag zur Vesorgungssicherheit.Florian Wiegand/dpa
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Die Preise zeigten bereits nach oben und lägen derzeit bei etwa 475 Euro je Tonne. „Ich denke sehr wohl, dass diese Energiekrise, die wir im Moment haben, dazu führen wird, dass die Preise eher fester tendieren zur Ernte hin, dass wir vielleicht auch die 500 Euro je Tonne überschreiten werden“, so der Bauernverbandspräsident.
Für Biodiesel würden dem Kraftstoff derzeit etwa sechs bis sieben Prozent Rapsöl beigemischt, sagte Schmal. „Das könnte man auch auf zehn Prozent hochsetzen.“ Moderne Motoren würden dies ohne weiteres vertragen – es handele sich aber um eine politische Entscheidung. Wenn Rohöl knapp werde, könne man so Alternativen schaffen, „und die Landwirte könnten ja auch die Anbaufläche höher setzen im nächsten Jahr, das wäre kein Problem.“ Schmal geht davon aus, dass dies auch so kommen wird.
In der Wetterau wie hier nahe Münzenberg blühen derzeit zahlreiche Rapsfelder leuchtend gelb.Florian Wiegand/dpa
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