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Rätsel um Friedhofs-Zaun - Wildschweine wühlen auf Gräbern

Wer schneidet immer wieder den Zaun auf, lockt Wildschweine an - und warum? Auf dem bedeutsamen Friedhof in Stahnsdorf im Berliner Speckgürtel lösen die Schäden auch emotionale Belastungen aus.

16.09.2026

Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt ist entsetzt: Der Friedhofs-Zaun wurde aufgeschnitten, Buchenholzteer als Lockmittel für Wildschweine an Bäumen hinterlassen. Annette Riedl/dpa

Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt ist entsetzt: Der Friedhofs-Zaun wurde aufgeschnitten, Buchenholzteer als Lockmittel für Wildschweine an Bäumen hinterlassen. Annette Riedl/dpa

© Annette Riedl/dpa

Kaum haben die Gärtner den Zaun auf dem riesigen Gelände des Südwestkirchhofs Stahnsdorf geflickt, entdecken sie am nächsten Tag erneut aufgeschnittene Stellen. Der Friedhof südwestlich von Berlin gilt nach eigenen Angaben als einer der größten und bedeutendsten in Deutschland. Die wiederkehrenden Beschädigungen seien inzwischen eine „ernsthafte Belastung“, sagte Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt der Deutschen Presse-Agentur.

Vergangene Woche wurde bekannt, dass Unbekannte den Zaun beschädigten und an Bäumen Buchenholzteer als Lockstoff für Wildschweine anbringen. „Da braucht man starkes Werkzeug, um das durchzutrennen“, so Ihlefeldt.

Wildschweine durchwühlen Grabfelder

Der oder die Täter schnitten ihm zufolge den vier Kilometer langen Zaun an 18 Stellen auf. Die Wildschweine, die in der Region im Berliner Speckgürtel seit Jahren durch Wohngebiete streifen und große Probleme machen, durchwühlen inzwischen auch Grabfelder auf dem Waldfriedhof der evangelischen Kirche. 

Bedeutsame Begräbnisstätte in Deutschland

Der Friedhof in Stahnsdorf mit 206 Hektar Fläche gilt als zweitgrößter in Deutschland - nach dem Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf - und zieht als Denkmal der Bestattungskunst auch Touristen an. Bedeutende Schauspieler, Sänger und andere Künstler sind dort beigesetzt. Manfred Krug und Dieter Thomas Heck gehören unter anderem dazu, aber auch der Erfinder und Ingenieur Werner von Siemens.

Der Zaun um den bekannten Stahnsdorfer Südwestkirchhof wird immer wieder aufgeschnitten. Annette Riedl/dpa

Der Zaun um den bekannten Stahnsdorfer Südwestkirchhof wird immer wieder aufgeschnitten. Annette Riedl/dpa

© Annette Riedl/dpa

Verwalter: Heimtückisches Vorgehen

Derzeit sei das Team ununterbrochen mit Reparaturen am Zaun beschäftigt, sagte Friedhofsverwalter Ihlefeldt. „Täglich werden frisch instand gesetzte Schadstellen vorsätzlich erneut geöffnet.“ Das sei schon ein „heimtückisches“ Vorgehen. „Das macht uns gerade viel Ärger“, sagte Ihlefeldt. Die Verwüstungen durch Schwarzwild seien jeden Tag aufs Neue sichtbar. 

Emotionaler Schock

Sechs Jahre sei der Friedhof dank des starken Zauns frei von Wildschweinen gewesen. Wie hoch der finanzielle Schaden jetzt ist, kann die Kirche bislang nicht sagen. Aber es hat auch emotionale Folgen, wenn Menschen vor aufgewühlten Gräbern stehen und die Totenruhe gestört wird, wie Ihlefeldt schilderte. 

Hinweise darauf, wer dahintersteckt und was die Motive sind, gebe es bislang nicht. Die Polizei ermittelt. Auch die Gemeinde Stahnsdorf rief dazu auf, Hinweise zu melden.

„Das wird uns noch lange verfolgen“

Eine schnelle Lösung sieht der Friedhofsverwalter nicht. Die Wildschweine werden jetzt Monate oder Jahre wieder auf dem Areal sein, wie der gelernte Gärtner Ihlefeldt meinte. „Das wird uns noch lange verfolgen.“ Geplant ist aber eine Bejagung der Tiere, sobald ein Antrag für eine Ausnahmegenehmigung dazu bewilligt ist.

Gefahren für die Besucher sieht der Friedhofschef, der auf dem Gelände auch wohnt, nicht. „Für Leib und Leben sind die Wildschweine keine Gefahr, wenn man sie nicht bedroht.“ Zudem sind die Tiere vor allem nachts aktiv. Hunde seien aber unbedingt an der Leine zu führen.