Psychiatrische Ambulanz am Drogenbrennpunkt Hauptbahnhof
Sucht, Obdachlosigkeit und psychische Erkrankungen - am Drogenbrennpunkt rund um den Hauptbahnhof geht das oft einher. Eine neue Einrichtung soll helfen.
Mit der Ambulanz soll auch der soziale Brennpunkt am Hauptbahnhof entlastet werden. Markus Scholz/dpa
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Eine neue psychiatrische Schwerpunktambulanz soll am sozialen und Drogenbrennpunkt rund um den Hauptbahnhof Erkrankten helfen und das Viertel entlasten. Die Einrichtung im Münzviertel soll ab April das bestehende Angebot für suchtkranke und obdachlose Menschen ergänzen, sagte Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) bei Vorstellung der Räumlichkeiten in der Repsoldstraße 27.
Es gehe darum, drogenabhängigen und deshalb häufig auch obdachlosen Menschen mit psychischen Erkrankungen ein niedrigschwelliges Angebot zu machen. „Wir stabilisieren sie und führen sie Schritt für Schritt zurück in Behandlung und Unterstützung“, sagte sie. So könnten verlässliche Perspektiven für die Betroffenen geschaffen werden. „Das entlastet zugleich die Stadtteile rund um den Hauptbahnhof.“
Mit niedrigschwelligen Angeboten soll psychisch Erkrankten aus der Drogenszene geholfen werden.Markus Scholz/dpa
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Kranke Menschen sollen niedrigschwellig abgeholt werden
Man wolle Menschen in Behandlung bringen, bevor sie eine krankheitsbedingte Gefährlichkeit entwickeln, sagte die Chefärztin der Klinik für Forensische Psychiatrie in Ochsenzoll, Annete Claßen, die die Einrichtung betreibt. „Wir setzen präventiv an der Schwelle forensischer Entwicklungen an. Das bedeutet, wir holen die Menschen niedrigschwellig dort ab, wo sie aktuell stehen – oft in instabilen, brüchigen oder unterbrochenen Versorgungssituationen.“
Künftig sollen in der Ambulanz – die nur einen Steinwurf von der Drogenhilfeeinrichtung Drop Inn entfernt liegt – zwei Psychiaterinnen sowie zwei Psychologen gemeinsam mit einem pflegerischen Team für die ambulante Versorgung von bis zu 80 Patienten zuständig sein. „Was wir noch brauchen, ist eine Sozialdienstmitarbeiterin“, sagte Claßen. Die Stelle sei noch zu besetzen.
Stadt gibt 3,5 Millionen für Ambulanz und Übergangsplätze
Erst im September vergangenen Jahres waren in der Repsoldstraße 30 Übergangsplätze für suchtkranke und obdachlose Menschen geschaffen worden. Zusammen mit der Ambulanz habe die Stadt dafür 3,5 Millionen Euro bereitgestellt, sagte Schlotzhauer. Die Kosten für den Betrieb der Ambulanz betragen demnach 800.000 Euro im Jahr.
Das städtische Sozialunternehmen F&W Fördern & Wohnen AöR hatte das Gebäude in der Repsoldstraße 2024 erworben. „Hier kommen Drogenhilfe, Obdachlosenhilfe und psychiatrische Unterstützung an einen Ort und hier wirken sie auch zusammen“, sagte Schlotzhauer.