dpa

Prozess um Geiselnahme in Badewanne - Angeklagte gestehen

In einer Drogenbande eskaliert ein Streit um angebliche Schulden. Acht Tage lang wird ein Mann in Geiselhaft genommen. Der Fall beschäftigt das Landgericht Hamburg schon zum zweiten Mal.

15.04.2026

Die beiden Angeklagte haben ihre Beteiligung an einer Geiselnahme eingeräumt. Christian Charisius/dpa

Die beiden Angeklagte haben ihre Beteiligung an einer Geiselnahme eingeräumt. Christian Charisius/dpa

© Christian Charisius/dpa

In einem neuen Prozess um die achttägige Geiselnahme eines Mannes in Hamburg haben die beiden Angeklagten ihre Beteiligung gestanden. Er räume die Vorwürfe ein, erklärte ein 25-Jähriger in einer Erklärung, die seine Verteidigerin vor der Strafkammer am Landgericht Hamburg verlas. „Ich schäme mich“, teilte der andere Angeklagte über seinen Anwalt mit. An einer Misshandlung der Geisel habe er sich aber nicht beteiligt, ließ der 27-Jährige erklären.

Die Anklage lautet auf gemeinschaftliche Geiselnahme und gefährliche Körperverletzung sowie Verstoß gegen das Waffengesetz. Der 27-Jährige soll außerdem mit Kokain gehandelt und einen Teleskopschlagstock besessen haben.

Gemeinsam mit Komplizen sollen die beiden Angeklagten einen Mann aus den Niederlanden nach Hamburg gelockt haben. Angeblich sollte er Geld für einen Autoverkauf bekommen. Tatsächlich sollte er gezwungen werden, einen ihm bekannten Drogenhändler, der angeblich Schulden bei einer Bande hatte, zu einer Reise nach Deutschland zu bewegen. 

Mit Elektroimpulsgerät angegriffen

Als der Mann aus Venlo in den Niederlanden am Abend des 7. Juni 2025 nach Hamburg kam, fuhr ihn ein Unbekannter zu einem Reihenhaus im Stadtteil Billstedt und ließ ihn vor dem Haus allein. Auf sein Klopfen oder Klingeln hätten mehrere Maskierte die Tür geöffnet und ihn sogleich mit einer Pistole mit Schalldämpfer bedroht, berichtete der Zeuge. Sie hätten ihn geschlagen und mit einem Elektroimpulsgerät attackiert. „Ich war im Schock.“

Zeuge bricht in Tränen aus

Die Geiselnehmer hätten ihn an Händen und Füßen gefesselt und eine Treppe in den Keller hinuntergestoßen. Dort habe er sich in einem Badezimmer in eine Badewanne legen müssen. Als der Vorsitzende Richter den Zeugen fragte, was dann geschehen sei, brach dieser in Tränen aus und konnte nicht weiterreden. Das Gericht unterbrach die Verhandlung. 

Laut Anklage wurde der Zeuge während der Geiselhaft gezwungen, Textnachrichten an den Schuldner im Ausland zu schreiben. Es sei jedoch nicht gelungen, diesen nach Deutschland zu locken. Der Gefangene sei ständig von zwei Männern mit Pistolen und einem Messer bewacht und mehrfach geschlagen worden. 

Flucht in Handfesseln

Nach acht Tagen gelang ihm die Flucht durch eine Hintertür in den Garten. Er lief auf ein anderes Grundstück, rief um Hilfe und bat eine Anwohnerin, die Polizei zu rufen. 

Eine Polizistin berichtete als Zeugin, sie habe den nur mit Boxershorts bekleideten Mann in Handschellen angetroffen. Er habe mehrere Verletzungen gehabt, unter anderem an Hand- und Fußgelenken. Die Polizei umstellte das Haus, in dem er festgehalten wurde. Dann stürmte ein Spezialkommando das Gebäude und nahm einen bewaffneten Mann fest. 

Angeklagte hofften auf 10.000 Euro Belohnung

Der inzwischen 29 Jahre alte Festgenommene wurde im Februar zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil des Landgerichts Hamburg ist noch nicht rechtskräftig. 

Die Angeklagten im aktuellen Prozess gaben an, für die Bewachung der Geisel seien ihnen jeweils 10.000 Euro als Belohnung versprochen worden. Sie hätten gehofft, damit ihre eigenen Drogenschulden begleichen zu können. Das Gericht hat acht weitere Verhandlungstermine angesetzt, das Urteil könnte am 10. Juni verkündet werden.