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Polizist schildert Auto-Anschlag: „Mit Vollgas durch“

Im Prozess um den tödlichen Auto-Anschlag von München vor einem Jahr schweigt der Angeklagte zur Tat - nun sprechen andere.

19.01.2026

Auch am zweiten Prozesstag verdeckte der Angeklagte sein Gesicht.Britta Schultejans/dpa

Auch am zweiten Prozesstag verdeckte der Angeklagte sein Gesicht.Britta Schultejans/dpa

© Britta Schultejans/dpa

Vor dem Oberlandesgericht (OLG) München hat ein Polizist den tödlichen Anschlag auf eine Verdi-Demonstration geschildert. „Der Angeklagte scherte vor uns ein und beschleunigte“, sagte der Beamte, der in einem Begleitfahrzeug am Ende des Demonstrationszuges mitgefahren war. „Mit Vollgas durch.“ Der Mann habe sein Auto „ungebremst in die Menschenmenge, in das Ende des Demonstrationszuges“ gefahren. Es sei eine „kerzengerade und zielgerichtete Fahrtrichtung“ gewesen. 

Der 25 Jahre alte Afghane, der unter Terrorverdacht und wegen zweifachen Mordes und 44-fachen versuchten Mordes vor Gericht steht, hatte zum Prozessauftakt Aussagen zur Tat und auch zu seiner Person verweigert. 

Angeklagter zeigte deutliche Geste

Dafür äußerte er sich ohne Worte: Er hob für die Kameras den rechten Zeigefinger nach oben - eine verbreitete Geste unter Muslimen weltweit, die den Glauben an den einen und einzigartigen Gott symbolisieren soll und die zuweilen auch als Erkennungszeichen unter Islamisten gilt. 

Zum Prozessbeginn äußerte sich der Angeklagte nur mit einer Geste.Peter Kneffel/dpa

Zum Prozessbeginn äußerte sich der Angeklagte nur mit einer Geste.Peter Kneffel/dpa

© Peter Kneffel/dpa

Der Angeklagte war vor knapp einem Jahr, am 13. Februar 2025, noch am Tatort festgenommen worden, nachdem er mit seinem Kleinwagen in die Menschenmenge gerast war. „Er war sehr ruhig“, sagte der Polizist. Der Mann habe „bewusstseinsgetrübt“ gewirkt, sein Blick sei „einfach starr ins Leere ausgerichtet“ gewesen.

Mutter und Tochter starben

Der 25-Jährige soll das Auto gezielt in einen Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi mit rund 1.400 Teilnehmern gelenkt haben. Eine Mutter und ihre erst zwei Jahre alte Tochter starben, 44 weitere Menschen wurden verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich. 

Der Polizist habe noch versucht, der Mutter zu helfen. Sie sei zunächst noch ansprechbar, aber sehr schwer am Kopf verletzt gewesen. „Sie griff mehrfach nach ihrem Kopf und mehrfach nach ihrem Kind“, sagte der Beamte. Von dem Kind habe er kein Lebenszeichen mehr wahrnehmen können. Er berichtete von einem „Kinderwagen, der dem Erdboden gleich war“. 

Ein kaputter Kinderwagen liegt nach dem Anschlag auf der Straße, ein zweijähriges Kind starb. (Archivbild)Christoph Trost/dpa

Ein kaputter Kinderwagen liegt nach dem Anschlag auf der Straße, ein zweijähriges Kind starb. (Archivbild)Christoph Trost/dpa

© Christoph Trost/dpa

Um den Tathergang zu rekonstruieren, sollen zunächst Polizeibeamte als Zeugen vor Gericht aussagen, erst zu einem späteren Zeitpunkt sollen dann die Betroffenen gehört werden. In wenigen Wochen jährt sich der Anschlag zum ersten Mal. 

Bis in den Sommer hinein sind Verhandlungstermine am OLG München angesetzt, das Urteil könnte am 25. Juni gesprochen werden. Auch am Jahrestag will das Gericht verhandeln - allerdings ohne Betroffene als Zeugen zu laden, damit diese an den Gedenkveranstaltungen teilnehmen können.