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Prozess um Antifa-Ost: Ehemaliges Mitglied sagt aus

Im Prozess um die Antifa-Ost-Gruppe sagt ein früheres Mitglied aus. Der Zeuge schildert Details zu einem Angriff und Trainings, mit denen sich die Gruppe vorbereitete.

08.04.2026

Sieben mutmaßliche Linksextremisten müssen sich seit November wegen Angriffen auf Neonazis vor dem Oberlandesgericht in Dresden verantworten. (Archivbild)Sebastian Kahnert/dpa

Sieben mutmaßliche Linksextremisten müssen sich seit November wegen Angriffen auf Neonazis vor dem Oberlandesgericht in Dresden verantworten. (Archivbild)Sebastian Kahnert/dpa

© Sebastian Kahnert/dpa

Im Prozess gegen mutmaßliche Linksextremisten wegen Überfällen auf Personen aus der rechten Szene hat ein ehemaliges Mitglied der Gruppe seine Zeugenaussage begonnen. Bereits im vorangegangenen Verfahren gegen die Gruppe um Lina E. hatte der heute 33-Jährige als Kronzeuge ausgesagt. Er wurde 2023 wegen eines Angriffs auf einen rechten Szene-Wirt in Eisenach selbst zu anderthalb Jahren auf Bewährung verurteilt.

33-Jähriger spionierte Opfer aus

Zu diesem Angriff äußerte er sich nun erneut vor dem Oberlandesgericht (OLG) in Dresden. Der 33-Jährige reiste demnach am Tattag am Dezember 2019 aus Berlin nach Eisenach, unterwegs stieg Johann G., einer der Angeklagten, zu ihm ins Auto. Die Stimmung sei entspannt und ausgelassen gewesen. G. habe er bei der Gruppe abgesetzt, die später den Angriff durchführte, und dann das Opfer ausspioniert, so der 33-Jährige. Die Beobachtungen habe er per Telefon an die Angreifer weitergegeben und sei dann weggefahren.

Auch zu Trainings, mit denen sich die Gruppierung auf „schnellstmögliche Angriffe mit maximaler Effizienz“ gegen Neonazis vorbereitete, machte der Zeuge Angaben. Es sei darum gegangen, eine Überzahl herzustellen und die das Opfer zu verletzen. 30 Sekunden sollten die Angriffe dauern.

Antifa Ost-Prozess gegen sieben Beschuldigte

In dem Prozess gegen sieben mutmaßliche Linksextremisten, der im November 2025 begann, soll der 33-jährige Zeuge an insgesamt zehn Prozesstagen aussagen. Sechs der Angeklagten, darunter eine Frau, sollen laut Bundesanwaltschaft einer kriminellen Vereinigung angehört haben, die mehrere Jahre lang gewaltsame Angriffe gegen Personen aus der rechten Szene verübte. Ihnen werden Straftaten wie gefährliche Körperverletzung, versuchter Mord und Sachbeschädigung vorgeworfen. Ein siebter Angeklagter hat die Vereinigung laut Anklage unterstützt. 

Im Fokus steht Johann G., der gemeinsam mit der bereits verurteilten Lina E. als Kopf der Gruppierung gilt. Er war lange Zeit untergetaucht und den Zielfahndern des Landeskriminalamtes Sachsen Ende 2024 ins Netz gegangen. Das jetzige Verfahren ist faktisch die Fortsetzung des Prozesses gegen Lina E. und drei Mitangeklagte, die das OLG bereits 2023 zu Haftstrafen verurteilte.