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Prozess in Chemnitz: Ausbeutung von Frauen im Rotlichtmilieu

Angelockt wurden illegal in Deutschland lebende Frauen mit Job-Angeboten als Masseurin, tatsächlich mussten sie in Wohnungsbordellen anschaffen. Das Netz erstreckte sich über mehrere Bundesländer.

24.08.2026

Am Landgericht Chemnitz steht seit Montag ein Quartett aus dem Rotlichtmilieu vor Gericht. (Symbolbild)Jan Woitas/dpa

Am Landgericht Chemnitz steht seit Montag ein Quartett aus dem Rotlichtmilieu vor Gericht. (Symbolbild)Jan Woitas/dpa

© Jan Woitas/dpa

Schluchzend betritt die kleine Frau in Handschellen den Gerichtssaal, hält sich eine Mappe vors Gesicht. Doch bei ihren Geschäften im Rotlichtmilieu soll die Vietnamesin wenig zimperlich gewesen sein. Laut Anklage hat die 48-Jährige die Not von illegal in Deutschland lebenden Landsfrauen ausgenutzt, um sie als Prostituierte in Wohnungsbordellen auszubeuten. Von der Zentrale in Halle/Saale aus soll sie mit ihren drei Helfern ein Bordellnetz in mindestens 19 Städten in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen betrieben haben. 

„Sie war die Chefin, die alle wesentlichen Entscheidungen traf“, sagt Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein beim Verlesen der Anklage am Landgericht Chemnitz. Die drei mitangeklagten Männer hätten sich um den praktischen Teil gekümmert wie etwa Wohnungen angemietet, Anzeigen in einschlägigen Internetportalen geschaltet und die Frauen abkassiert. 

Sexarbeit statt Massagen 

Angeworben wurden die Vietnamesinnen mit der Aussicht auf gut bezahlte Arbeit als Masseurin. Da sie illegal in Deutschland lebten und keine Aussicht auf eine reguläre Arbeit hatten, habe die Angeklagte ihre Notlage ausgenutzt und ihnen angeboten, Geld durch Prostitution zu verdienen, heißt es in der Anklage. Doch hätten sie dabei keinerlei Mitspracherecht gehabt. Sie hätten auch sexuelle Sonderwünsche von Freiern bedienen und Sex ohne Kondom haben müssen. 

Ihren Anfang hatten die Ermittlungen 2024 genommen. Damals waren der Chemnitzer Kriminalpolizei mehrere vietnamesische Frauen aufgefallen, die illegal in Deutschland waren und sich in der Region prostituierten. Rund zwei Jahre später durchsuchten mehr als 300 Polizisten im Februar zahlreiche Immobilien in fünf Bundesländern. Dabei waren nach früheren Angaben der Polizei nicht nur 19 Vietnamesinnen aufgegriffen worden, die offenkundig illegaler Prostitution nachgingen. Die Ermittler fanden auch rund 214.000 Euro, Handys, Medikamente, eine Schreckschusswaffe und 33.000 Euro Falschgeld. 

Prozesstermine bis Anfang Oktober

Die mutmaßliche Chefin des kriminellen Netzwerks und ihr Bruder sitzen seither in Untersuchungshaft. Mit ihnen vor Gericht stehen seit Montag auch zwei Deutsche. Der Vorwurf gegen sie lautet auf gewerbsmäßiges Einschleusen von Ausländern in bis zu 28 Fällen. Dafür drohen ihnen mehrjährige Haftstrafen. Zum Auftakt erklärten alle vier, sich vorerst nicht vor Gericht zur Anklage äußern zu wollen. 

Der Prozess wird voraussichtlich bis Anfang Oktober dauern.