Protest legt Brenner lahm – freie Fahrt in Bayern
Der wichtige Alpenpass Brenner ist dicht, bis zum Abend geht nichts mehr. Mega-Staus waren befürchtet worden. Doch es gibt eine Überraschung: Auf Bayerns Straßen herrschte ungewohnte Leere.
Nur wenige Urlauber waren Richtung Süden unterwegs. Felix Hörhager/dpa
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Freie Fahrt im Süden Bayerns - mit so wenig Verkehr wie fast nie an Ferienwochenenden mit bestem Wetter: Die Warnungen vor Mega-Staus wegen der Komplettsperre des Brennerpasses aufgrund einer Demonstration gegen Verkehrsflut haben offensichtlich die Autofahrer von einem Start Richtung Süden abgehalten. Auf den Autobahnen in Bayern südlich von München rollte der Verkehr fast ohne Behinderungen - zur Überraschung der Experten.
„Wie es scheint, haben alle die Warnungen ernst genommen“, sagte Miriam Melanie Köhler vom ADAC Südbayern. „Es ist ruhiger als sonst an Reisetagen in den Ferien.“ Die Lage sei den ganzen Tag schon auf Autobahnen und Landstraßen „ausnehmend ruhig“, ergänzt Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.
Polizei, ADAC und Behörden hatten dazu aufgerufen, Tirol während der Sperre weiträumig zu umfahren oder am besten gar nicht erst zu starten. Damit sollte ein Verkehrschaos am zweiten Pfingstferien-Wochenende vermieden werden – das in der Regel ohnehin sehr staugefährdet ist.
So ruhig auf den Straßen wie zuletzt bei Corona
„Damit haben auch wir nicht gerechnet, dass die Leute unsere Ratschläge so ernst nehmen und berücksichtigen, wie es heute passiert“, sagte Sonntag. „Wir sind sehr dankbar dafür. Das Worst-Case-Szenario wäre kein schönes gewesen.“ Das hätte bedeutet: Stundenlang in der Hitze im Auto mit Kindern, Hunden oder älteren Leuten.
Sogar der Ausflugsverkehr, der sonst an sonnigen Wochenenden für dicke Staus im Süden Münchens sorgt, blieb trotz des letzten sommerlichen Tages vor den vom Deutschen Wetterdienst angekündigten Gewittern weitgehend aus. „Das letzte Mal war in der Corona-Zeit, als es so ruhig auf unseren Straßen war“, sagte der Polizeisprecher.
Josef Seebacher von der Niederlassung Südbayern der Autobahn GmbH des Bundes sagte: „Im gesamten Netz der südbayerischen Autobahnen hatten wir mindestens 30 Prozent weniger Verkehr als an einem sonstigen normalen Samstag.“ Über die Alpen sei extrem wenig Verkehr gewesen - auch nicht auf die Tauernautobahn oder anderen Ausweich-Routen. „Die Leute sind wirklich daheimgeblieben.“
Die Autobahn Richtung Tirol war so leer wie zuletzt in der Corona-Zeit.Felix Hörhager/dpa
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Tirol schickt Lastwagen im Transitverkehr zurück
Lastwagen im Transitverkehr auf der Autobahn 93 auf dem Weg von Deutschland nach Tirol mussten gleich an der Grenze bei Kufstein umkehren: Die Tiroler Polizei schickte aus Deutschland kommende Lastwagen zurück, wie ein Sprecher der Polizei in Tirol auf Anfrage erläuterte. Lastwagen im Transitverkehr dürfen an bestimmten Tagen nicht nach Tirol einreisen.
Die Fahrer wurden seit dem Morgen kontrolliert und bei geplantem Transit gleich an der Grenze zurückgewiesen. Teils soll es zu Diskussionen zwischen Lkw-Fahrern und Grenzbeamten gekommen sein, die meisten nahmen es aber gelassen, wie laut ADAC Südbayern Stauberater des Autoclubs berichteten.
Lastwagen mussten an der Grenze umdrehen. Felix Hörhager/dpa
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Behörden und Einsatzkräfte im Alarmzustand
Polizei, Landratsämter, Rettungsdienste und die Autobahn GmbH hatten sich intensiv auf die Totalsperrung der Brennerautobahn und die befürchteten massiven Verkehrsprobleme vorbereitet.
Der ADAC Südbayern schickte Stauberater los, um die Lage am Reisetag bestmöglich zu beobachten und notfalls Reisenden helfen zu können. Unter anderem waren drei Helfer auf Motorrädern, ein Wagen als koordinierende Einheit und ein Staubeobachtungsflugzeug unterwegs. Die Stauberater hatten für den Krisenfall Wasser bei sich und Spielsachen für Kinder. Sie mussten aber nur bei einem Stau Richtung München helfen - wegen eines Unfalls, der nichts mit der Brenner-Sperre zu tun hatte.
Die Polizei im Süden Bayerns stockte ihr Personal auf. „Wir sind mit der größtmöglichen Stärke im Dienst“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, damit im Ernstfall schnell Hilfe kommen könne. Es sei der größte Verkehrseinsatz in der knapp 20-jährigen Geschichte des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Rund 300 Beamte seien allein vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd im Einsatz.
Bayerisches Rotes Kreuz in Alarmstufe 1
Auch Landratsämter, THW, Feuerwehr und Bayerisches Rotes Kreuz (BRK) verstärkten extra ihr Personal. Das BRK löste vorsorglich die Alarmstufe 1 von 3 aus. Die BRK-Kreisverbände Rosenheim, Traunstein und Miesbach bereiteten sich damit auf verschiedene Szenarien im Falle massiver Verkehrsprobleme vor - nicht nur für die Notfallrettung. Auch Dienste ohne Blaulicht – etwa Hausnotruf, Essen auf Rädern und ambulante Pflege – könnten betroffen sein, wenn sich der Verkehr staue, hieß es. Die Helfer hatten sich auch darauf vorbereitet, im Auto in der Hitze festsitzende Reisende mit Wasser zu versorgen.
Das Landratsamt Rosenheim aktivierte vorsorglich einen „Katastrophenschutzsonderplan Autobahn“. Er greift, wenn ein längerer Stillstand auf den Autobahnen droht. Eine Koordinierungsgruppe im Lagezentrum beobachtete permanent die Lage.
Acht Stunden Komplettsperre
Die Komplettsperre des Brennerpasses für den Transitverkehr ist seit 11.00 Uhr in Kraft. Sie dauert auf österreichischer Seite bis 19.00 Uhr, auf italienischer Seite bis 20.00 Uhr. Sie gilt nicht nur für die Autobahn, sondern auch für sämtliche Nebenstrecken. Anlass der Sperre ist eine Protestaktion auf der Brenner-Autobahn. Bewohner demonstrieren gegen die Verkehrsflut.
Anwohner demonstrierten auf der Autobahn gegen den überbordenden Verkehr. Peter Kneffel/dpa
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Fast elf Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lastwagen haben 2025 laut Autobahnbetreiber Asfinag die mautpflichtige Autobahn benutzt. Damit ist die Strecke die verkehrsreichste Nord-Süd-Verbindung der Alpen.
Sogar der Ausflugsverkehr blieb auf den Straßen weitgehend aus. Felix Hörhager/dpa
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Anzeigen an der Autobahn warnen vor der Totalsperre. Peter Kneffel/dpa
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Lkw im Transitverkehr wurden bei Kufstein nach Deutschland zurückgeschickt. Felix Hörhager/dpa
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Volle Lkw-Parkplätze an der Autobahn Richtung Tirol. Felix Hörhager/dpa
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