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Tausende bei Demo gegen digitale sexuelle Gewalt in Berlin

Fake-Profile, Deep Fakes, Scham – Betroffene berichten bei einer Demo am Brandenburger Tor. Es kommen deutlich mehr als die ursprünglich 500 angemeldeten Teilnehmer.

22.03.2026

Die Polizei sprach von 6700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Veranstalter von 13.000 Menschen.Carsten Koall/dpa

Die Polizei sprach von 6700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Veranstalter von 13.000 Menschen.Carsten Koall/dpa

© Carsten Koall/dpa

Mehrere tausend Menschen haben in Berlin an einer Demonstration „Gegen sexualisierte digitale Gewalt - Solidarität mit allen Opfern“ teilgenommen. Sie versammelten sich am Nachmittag am Brandenburger Tor auf dem vollständig gefüllten Pariser Platz. Auf Plakaten stand: „Menschenrechte auch im Internet“ und „Die Scham muss die Seiten wechseln“. Die Polizei sprach von 6700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Veranstalter von 13.000 Menschen.

Unter den überwiegend jungen Demonstrantinnen und Demonstranten waren auch bekannte Politikerinnen wie Saskia Esken (SPD), Ricarda Lang, Lisa Paus und Katrin Göring-Eckardt (alle Grüne).

Luisa Neubauer: Personenschutz wegen Bedrohung durch Männer

Die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer sagte in ihrer Rede: „Es ist ein so entscheidendes Zeichen, dass wir keine Sekunde Ruhe geben.“ Mehrfach betonte sie: „Ich würde mich gerne nur ins Klima kümmern. Aber es geht nicht. Nicht in dieser Gesellschaft und dieser Zeit und bei diesen Männern.“

Seit fünf Jahren brauche sie Personenschutz der Polizei, wenn sie zu Demonstrationen gehe, weil es Bedrohungen von Männern gebe, sagte Neubauer. Immer wieder melde sich das LKA bei ihr, weil es Stalker gebe, real und im Internet. Eine Hilfsorganisation berichte ihr, dass das Internet voll sei mit sexualisierten Fakebildern von ihr. Erstellt offenbar von Männern, die Gewaltfantasien hätten, die eine Sucht hätten nach Kontrolle und Abwertung von Frauen. „Solange diese Gewalt herrscht, kämpfen wir für Gesetze, die die Täter nicht länger schützen, sondern die Opfer.“

Gewalt „bleibt in den Suchmaschinen in den Köpfen“

Theresia Crone, eine weitere Klimaschutzaktivistin, sagte: „Digitale Gewalt endet nicht so richtig. Sie bleibt in den Suchmaschinen in den Köpfen.“ Sie berichtete von einem Fake-Profil mit ihrem Namen und Gesicht und Fotos von sexuellen Situationen und Gewalt. Sehr lange habe es gedauert, bis ein Täter bestraft worden sei. Und so etwas passiere tausendfach.

Die Kundgebung am Brandenburger Tor fand nach Angaben der Veranstalter wegen der aktuellen Diskussion in Solidarität mit der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes (44) statt. Hintergrund sind schwere Vorwürfe von Fernandes gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, über die zuerst der „Spiegel“ berichtet hatte. Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung“ handle. Zudem würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“.

Cyberstrafrecht soll reformiert werden

Fernandes warb ebenfalls für die Demonstration und schrieb bei Instagram: „Sexuelle Gewalt, physische und psychische Gewalt sind weiter verbreitet, als man ahnen mag. Sie finden statt, in der Mitte unserer Gesellschaft.“

Auf Bundesebene hatten Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, das Cyberstrafrecht zu reformieren und Strafbarkeitslücken zu schließen, etwa „bei bildbasierter sexualisierter Gewalt. Dabei erfassen wir auch Deep Fakes“, heißt es darin. Bundesjustizministerin Hubig hatte angekündigt, noch im Frühjahr einen Gesetzentwurf vorzulegen.

Fake-Profile, Deep Fakes, Scham – Betroffene berichten bei einer Demo am Brandenburger Tor.Carsten Koall/dpa

Fake-Profile, Deep Fakes, Scham – Betroffene berichten bei einer Demo am Brandenburger Tor.Carsten Koall/dpa

© Carsten Koall/dpa

Im Fokus der aktuellen Debatte stehen auch Deepfakes, bei denen etwa das Gesicht einer Frau in ein anderes Video - etwa eine Porno-Sequenz - eingefügt wird. (Symbolbild)Marcus Brandt/dpa

Im Fokus der aktuellen Debatte stehen auch Deepfakes, bei denen etwa das Gesicht einer Frau in ein anderes Video - etwa eine Porno-Sequenz - eingefügt wird. (Symbolbild)Marcus Brandt/dpa

© Marcus Brandt/dpa