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Privatisierung? Streit um das Staatsweingut Kloster Eberbach

Das defizitäre Staatsweingut verkaufen - oder fürs Land Hessen weiterentwickeln? Im Landtag sorgt der Drehort des Films „Der Name der Rose“ für eine Debatte um Sparzwang, Weinbaukrise und Kulturgut.

18.03.2026

Das Kloster Eberbach gehört mit seinen historischen Weinkellern zu den berühmtesten Kulturdenkmälern Hessens. (Archivbild)Boris Roessler/dpa

Das Kloster Eberbach gehört mit seinen historischen Weinkellern zu den berühmtesten Kulturdenkmälern Hessens. (Archivbild)Boris Roessler/dpa

© Boris Roessler/dpa

Soll eines der größten und traditionsreichsten Weingüter Deutschlands, das Kloster Eberbach des Landes Hessen, privatisiert werden? Dieser AfD-Vorschlag ist zusammen mit einer FDP-Forderung, dies zu prüfen, im Wiesbadener Landtag auf den Widerstand von Schwarz-Rot und den oppositionellen Grünen gestoßen. 

Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Opposition, Frank Grobe, verwies auf die roten Zahlen des Weinguts in dem 890-jährigen Kloster bei Eltville im Rheingau. Der Steuerzahler finanziere in Zeiten eines Sparhaushalts einen wirtschaftlich nicht funktionierenden Betrieb. „Der Staat ist nicht der bessere Winzer“, betonte Grobe. „Wenn man Marktverzerrungen vermeiden, Steuergeld schützen und den Weinbau im Rheingau stärken will, führt an einer Privatisierung der Staatsweingüter kein Weg vorbei“, ergänzte er.

Das Kloster Eberbach liegt idyllisch in einem Waldtal nahe Eltville. (Archivbild)Sascha Lotz/dpa

Das Kloster Eberbach liegt idyllisch in einem Waldtal nahe Eltville. (Archivbild)Sascha Lotz/dpa

© Sascha Lotz/dpa

Ein FDP-Antrag forderte ein Konzept zur Trennung des Weinguts von dem Kloster als „Kulturdenkmal von nationaler und internationaler Bedeutung“ sowie die Prüfung „einer Privatisierung oder Auslagerung des operativen Weinbaus“. 

Der SPD-Abgeordnete Marius Weiß kritisierte „ein plumpes Bashing“ des Staatsweingutes. Dieses trage seine „Marke in die Welt hinaus“, habe eine Vorbildfunktion in der Weinbranche, beschäftige viele Menschen und kümmere sich nicht zuletzt um Landschaftspflege. 

Diese Gewölbe wurden früher im Kloster Eberbach als Schlafräume für die Mönche genutzt. Heute gibt es hier Veranstaltungen. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

Diese Gewölbe wurden früher im Kloster Eberbach als Schlafräume für die Mönche genutzt. Heute gibt es hier Veranstaltungen. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

Auch die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Opposition, Miriam Dahlke, sprach von einem „Flaggschiff“ der beiden Weinbaugebiete des Landes, Rheingau und Hessische Bergstraße. Das Kloster Eberbach habe vernünftig gewirtschaftet inmitten der allgemeinen Weinbaukrise. Es könne nicht sein, hier „ein Stück Heimatgeschichte zu verkaufen“. 

CDU-Weinbauminister und Winzersohn Ingmar Jung appellierte an alle Fraktionen, beim Kloster Eberbach an einem Strang zu ziehen. Das Staatsweingut habe schon zahlreiche internationale Topbewertungen errungen: „Das ist absolute Weltklasse.“ Der Weinbetrieb werde zusammen mit dem Kulturdenkmal Eberbach weiterentwickelt. Jung ist Aufsichtsratschef des Staatsweinguts und Vorsitzender des Kuratoriums der Klosterstiftung.

Besucher schauen sich einst im Kloster Eberbach den hier teils gedrehten Film „Der Name der Rose“ an. (Archivbild)picture alliance / dpa

Besucher schauen sich einst im Kloster Eberbach den hier teils gedrehten Film „Der Name der Rose“ an. (Archivbild)picture alliance / dpa

© picture alliance / dpa

Das 1136 als Zisterzienserkloster gegründete Kulturdenkmal Kloster Eberbach war vor vier Jahrzehnten als Drehort des Films „Der Name der Rose“ international bekanntgeworden.