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Preis für Zivilcourage geht nach Sachsen und Brandenburg

Sie setzen sich ein für Vielfalt, machen Geschichte lebendig, führen Tag für Tag schwierige Gespräche. Für ihr Engagement gegen Antisemitismus wurden zwei Vereine ausgezeichnet.

02.11.2026

Zwei Vereine aus Brandenburg und Sachsen wurden für ihr Engagement für Zivilcourage und gegen Antisemitismus ausgezeichnet. Fabian Sommer/dpa

Zwei Vereine aus Brandenburg und Sachsen wurden für ihr Engagement für Zivilcourage und gegen Antisemitismus ausgezeichnet. Fabian Sommer/dpa

© Fabian Sommer/dpa

Zwei Initiativen aus Sachsen und Brandenburg sind vom Förderkreis Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin mit dem Preis für Zivilcourage ausgezeichnet worden. Die Vereine „Geschichte hat Zukunft“ aus Neuendorf im Sande und „Buntes Meißen“ übernehmen auf unterschiedliche Weise gesellschaftliche Verantwortung, stärken demokratische Strukturen vor Ort und setzen sich gegen Menschenfeindlichkeit ein, wie es zur Begründung hieß. Sie erhalten ein Preisgeld von jeweils 2.000 Euro. Die Preisverleihung fand im Rahmen einer Benefizveranstaltung statt. Der Erlös des jährlichen Charity-Dinners geht an die Initiative „Raum der Namen“, der die Erinnerung an Opfer des Holocausts pflegt.

Aigner: „Nie wieder ist tot“

Auch Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) nahm teil an der Benefizveranstaltung. Sie blicke mit Sorge auf das Erstarken radikaler Kräfte hierzulande. Jüdische Bürgerinnen und Bürger seien vielen Anfeindungen ausgesetzt. In ihrer Rede zog sie eine Bilanz: „Das „nie wieder!“ ist tot.“ Das sage sie, „weil man feststellen muss, dass jüdische Bürgerinnen und Bürger bei uns eben wieder Angst haben, sich auch zu zeigen, sich zu bekennen, und dass es wirklich täglich mehrfach letztendlich Vorfälle gibt gegen jüdische Mitbürgerinnen und -bürger. Also Antisemitismus hat leider wieder hier bei uns Einzug gehalten.“

Ilse Aigner, Lea Rosh und Julia Klöckner treffen sich für ein Charity-Dinner für jüdische Erinnerungskultur im Hotel Adlon Kempinksi. Fabian Sommer/dpa

Ilse Aigner, Lea Rosh und Julia Klöckner treffen sich für ein Charity-Dinner für jüdische Erinnerungskultur im Hotel Adlon Kempinksi. Fabian Sommer/dpa

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Klöckner: auch heute für Juden einstehen

Diese Beobachtung teilte auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU). Sie sprach ebenfalls auf der Veranstaltung. „Unsere historische Verantwortung, die entscheidet sich nicht nur daran, wie wir der ermordeten Juden gedenken. Sie entscheidet sich auch daran, wie frei, wie sicher, wie unbeschwert Juden heute in unserem Land und in dieser Stadt leben können.“ Der Blick in das Jahr 2026 sei „schmerzhaft“. Es brauche Menschen, die hinsähen und eingriffen, so Klöckner weiter. „So wie Sie, liebe Preisträgerinnen und Preisträger. Sie leben mit Ihren beiden Initiativen Zivilcourage jeden Tag und auch gegen zunehmende Widerstände.“

„Man muss mit den Nachbarn reden“

Der Verein „Geschichte hat Zukunft“ setze sich dafür ein, die Geschichte des ehemaligen jüdischen Landwerks Neuendorf im Sande bei Fürstenwalde/Spree aufzuarbeiten, hieß es. Er verbinde lokale Erinnerungsarbeit mit historischer und politischer Bildung. Der Verein „Buntes Meißen - Bündnis für Zivilcourage“ stärke mit seiner Arbeit zivilgesellschaftliches Engagement vor Ort und setze sich auch unter schwierigen Bedingungen für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein.

Die Vorsitzende des Förderkreises, Lea Rosh, sagte, Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus begegne einem wieder offen. „Gerade deshalb brauchen wir Menschen, die nicht wegsehen und nicht schweigen, sondern widersprechen, Verantwortung übernehmen und vor Ort handeln.“ Die diesjährigen Preisträger zeigten, dass Zivilcourage keine abstrakte Forderung sei. „Sie beginnt im Alltag, in unseren Städten und Gemeinden - und sie ist eine Voraussetzung dafür, dass unsere Demokratie wehrhaft bleibt.“ Diese Zivilcourage im Alltag ist nicht immer leicht, wie die Preisträgerinnen und Preisträger deutlich machten.

Bernd Pickert, vom Verein „Geschichte hat Zukunft“ sagte, eine Aufgabe läge darin, Geschichte zu dokumentieren und mit ihr zu arbeiten. „Und das heißt aber auch immer wieder, ganz schwierige Gespräche zu führen mit Leuten.“ Auch wenn man dabei etwa antisemitisch geprägten Verschwörungserzählungen begegne. „Man muss mit Nachbarn reden, was soll man denn sonst machen.“