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Polnische Expertin: AfD macht Druck auf NS-Gedenkstätten

Mit dem deutschen Einmarsch in Polen begann 1939 der Zweite Weltkrieg. Sehr viel Leid ist bisher nicht aufgearbeitet. In Polen fürchtet man, dass die Stimmung dafür in Deutschland kippen könnte.

01.09.2026

Polen wurde im Zweiten Weltkrieg das erste Opfer der NS-Eroberungen. (Archivbild)-/dpa

Polen wurde im Zweiten Weltkrieg das erste Opfer der NS-Eroberungen. (Archivbild)-/dpa

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Das Erstarken der AfD in Deutschland könnte aus Sicht einer polnischen Expertin die weitere historische Aufarbeitung von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg gefährden. Die Partei kritisiere eine Erinnerungspolitik, die Deutschland mit historischer Schuld verbindet, sagte Hanna Radziejowska, Leiterin der Berliner Filiale des polnischen Pilecki-Instituts. In der Praxis führe dies zu Druck auf Gedenkstätten und Forschungseinrichtungen.

„Es sind noch immer viele Erinnerungslücken zu schließen. Wir befürchten, dass die Fortschritte in den deutsch-polnischen Beziehungen dadurch zum Stillstand kommen und es womöglich gar einen massiven Rückschritt gibt“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Polnische Zwangsarbeiter auch in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt, wo am kommenden Sonntag (6.9.) gewählt wird, will die AfD ihrem Programm zufolge das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste schließen. Es sucht in deutschen Museen nach unrechtmäßig erworbenen Kulturgütern. Für das ab Kriegsbeginn 1939 besetzte Polen ist Herkunftsforschung wichtig, weil damals viele seiner Museen, Archive und Privatsammlungen geplündert wurden.

Ab 1939 seien Polinnen und Polen wie in andere deutsche Regionen auch nach Sachsen-Anhalt zur Zwangsarbeit verschleppt worden, sagte Radziejowska weiter. Sie mussten in der Landwirtschaft, in der Chemieindustrie und in Bergbau und Rüstung im Harz arbeiten. In vielen Fällen sei deren Schicksal nicht erforscht. „Es gibt viele Friedhöfe mit vergessenen polnischen Opfern, die ohne Namen begraben wurden. Wir sollten uns darum kümmern, diese Namen zurückzubringen, wenn es noch möglich ist.“

Das Pilecki-Institut in Berlin erforscht diktatorische Herrschaft in Osteuropa. (Archivbild)Carsten Koall/dpa

Das Pilecki-Institut in Berlin erforscht diktatorische Herrschaft in Osteuropa. (Archivbild)Carsten Koall/dpa

© Carsten Koall/dpa

Historikerin: Wenig Wissen über Besatzung in Polen

In Deutschland sei das Wissen über die Nazi-Besatzung in Polen immer noch gering, beklagte die Historikerin in einem Gespräch zum Jahrestag des Kriegsbeginns, des deutschen Überfalls am 1. September 1939. „Es war von Anfang an ein Vernichtungskrieg gegen die polnische Intelligenz, gegen die polnischen Juden.“

Viele Deutsche betrachteten den Angriff auf die Sowjetunion 1941 als das wichtigere Ereignis im Zweiten Weltkrieg; und sie sorgten sich bis heute mehr um das Verhältnis zu Russland. Radziejowska kritisierte, dass die AfD trotz des Moskauer Krieges gegen die Ukraine eine enge Kooperation mit Russland fordert.

Das Pilecki-Institut, finanziert von der Regierung in Warschau, erforscht das Schicksal Polens und Zentraleuropas unter den totalitären Systemen des 20. Jahrhunderts.