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Palmer mahnt Fairness an im Streit um Hagel-Video

Kurz vor der Landtagswahl sorgt ein altes Video von CDU-Mann Hagel für Diskussionen – nun meldet sich Palmer zu Wort. Der Tübinger OB findet deutliche Worte für das Vorgehen einer Grünen-Abgeordneten.

26.02.2026

Tübingens OB Palmer hat sich in die Debatte um frühere Aussagen des CDU-Spitzenkanddaten Manuel Hagel eingeschaltet. (Archivbild)Christoph Schmidt/dpa

Tübingens OB Palmer hat sich in die Debatte um frühere Aussagen des CDU-Spitzenkanddaten Manuel Hagel eingeschaltet. (Archivbild)Christoph Schmidt/dpa

© Christoph Schmidt/dpa

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer mahnt im Wirbel um frühere Aussagen von CDU-Spitzenkandidat zur Landtagswahl, Manuel Hagel, zur Fairness im Wahlkampf. Inhaltlich gebe er der Grünen-Politikerin und Bundestagsabgeordneten Zoe Mayer zwar recht. Ihr Vorgehen sei kritisch, sagte Palmer in einem Facebook-Post.

Die Kunst des richtigen Zeitpunkts 

„Es gibt in der Politik viele konkurrierende Ziele. Die Kunst besteht darin, diese in Einklang zu bringen. Das berechtigte Anliegen, das Zoe Mayer umtreibt, hätte auch in zwei Wochen Aufmerksamkeit gefunden.“ Ein acht Jahre altes Video so kurz vor der Wahl zum Thema zu machen, erwecke bei vielen unweigerlich den Eindruck, es gehe gar nicht um die Sache, sondern nur darum, dem politischen Gegner zu schaden. „Die Betonung liegt auf acht Jahre altes Video“, fügte Palmer hinzu.

Der frühere Grünen-Politiker warnte vor den Folgen, die die Grünen Stimmen kosten könnten. „Es kann eine Koalition mit der CDU erschweren. Ein belastetes Klima kostet Einfluss, vor allem, falls man die Wahl verliert und in einer Koalition als Juniorpartner darum kämpfen muss, eigene Positionen zu sichern“, sagte Palmer.

Das Problem sei, dass ausgerechnet eine Bundestagsabgeordnete der Grünen zwölf Tage vor der Wahl ein acht Jahre altes Video kommentiert und damit den Kandidaten der CDU für das Ministerpräsidentenamt zu beschädigen versucht. „Sie sagt ausdrücklich, dass sie das nicht mit Cem Özdemir abgestimmt und ihn nicht gefragt hat. Ich finde, es wäre besser gewesen, sie hätte das getan und mit ihrer berechtigten Kritik zwei Wochen gewartet.“

Viel Wirbel um CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel. (Archivbild)Kay Nietfeld/dpa

Viel Wirbel um CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel. (Archivbild)Kay Nietfeld/dpa

© Kay Nietfeld/dpa

Hagel wegen „rehbraunen Augen“ am Pranger 

Hagel steht derzeit wegen seiner früheren Aussagen in der Kritik. Rückendeckung bekam er aus den eigenen Reihen. Mayer hatte die Debatte angestoßen. Die Grünen-Politikerin aus Karlsruhe hatte auf X und Instagram ein Video gepostet, in dem der Ausschnitt eines Interviews mit Hagel zu sehen ist. Der Clip zeigt Hagel in einer Ulmer Gaststätte, er war im Frühjahr 2018 auf Youtube veröffentlicht worden. Hagel war damals 29 Jahre alt, Landtagsabgeordneter und Generalsekretär der CDU.

Hagel berichtet in der Szene von einem Besuch an einer Realschule. In der Klasse hätten damals 80 Prozent Mädchen gesessen. „Also da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen“, sagt Hagel. Dann geht er auf eine Schülerin näher ein, die die erste Frage gestellt habe: „Ich werd’s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.“

Eigentlich wollte Hagel mit dem Beispiel ausdrücken, dass Sprache in der Politik wichtig ist und Menschen erreichen muss. „Der Einstieg für dieses Interview 2018 war Mist“, hatte Hagel kommentiert. 

Mayer betonte, dass sie erst vor wenigen Tagen auf den Ausschnitt aufmerksam geworden sei. Ihr sei das Video zugesendet worden, nachdem sie auf Social Media über „eigene Erfahrungen mit Sexualisierung als junges Mädchen im politischen Umfeld“ gesprochen habe.