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Ostbayern bleibt im Rennen um Deutschlands Atomendlager

Seit 2020 läuft die Suche nach dem aus geologischer Sicht sichersten Standort für ein Atommüllendlager. Die neuste Einschränkung der Gebiete zeigt, welche Regionen in Bayern noch im Rennen sind.

27.10.2026

Der Schacht Konrad ist das erste genehmigte Atommüllendlager in Deutschland. Zu Beginn der 2030er Jahre soll die Einlagerung von bis zu 303.000 Kubikmetern schwach- und mittelradioaktiver Abfälle beginnen. (Archivbild)Julian Stratenschulte/dpa

Der Schacht Konrad ist das erste genehmigte Atommüllendlager in Deutschland. Zu Beginn der 2030er Jahre soll die Einlagerung von bis zu 303.000 Kubikmetern schwach- und mittelradioaktiver Abfälle beginnen. (Archivbild)Julian Stratenschulte/dpa

© Julian Stratenschulte/dpa

Bei der Suche nach einem Standort für ein Atommüllendlager für hoch radioaktiven Abfall sind mehrere Regionen in Niederbayern und der Oberpfalz weiterhin als geeignete Flächen im Rennen. Die Gebiete - viele davon im Bayerischen Wald gelegen - gehören nach Angaben der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) damit zu einem recht exklusiven Kreis: Weniger als fünf Prozent der Fläche Deutschlands sind im Suchverfahren noch in der Auswahl. 

So kommen etwa ein Gebiet im Fichtelgebirge sowie eines im Raum Neu-Ulm, die vor einem Jahr noch in der Prüfung waren, nach aktuellem Stand nicht mehr infrage. Diese sind inzwischen zwar als gut geeignet für die Endlagerung eingestuft worden, jedoch gibt es einem Sprecher zufolge deutlich bessere Formationen.

Glauber ärgert sich über Unsicherheit für Ostbayern

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) sprach von einer guten Nachricht für die Menschen in den betroffenen Regionen in Schwaben und Franken. Für viele Menschen in Ostbayern bleibe die Unsicherheit allerdings bestehen, dass dort Ende 2027 möglicherweise ein Teilgebiet als Standortregion vorgeschlagen werde. 

Aus bayerischer Sicht seien die von der BGE weiterhin betrachteten Kristallin-Gebiete in den östlichen Landesteilen der Oberpfalz und von Niederbayern ungeeignet, sagte der Minister. Der Freistaat erwarte vom Bund, dass diese Regionen schnell aus dem weiteren Verfahren genommen werden.

Erste Festlegung erfolgt 2027 - dann startet Phase zwei

Bei den jetzt veröffentlichten Gebieten handelt es sich um die letzte Eingrenzung vor der offiziellen Festlegung auf mögliche Standortregionen, die dann anschließend noch genauer untersucht werden müssen. Dieser Schritt soll laut BGE 2027 erfolgen. Die finale Entscheidung über diese zu erkundenden Standortregionen trifft der Bundestag.

Nur fünf Bundesländer sind bei der Endlagersuche aktuell komplett außen vor: Nach dem Saarland und Rheinland-Pfalz wurden nun die letzten verbliebenen Regionen in Sachsen, Berlin und Hessen aussortiert.

Wie läuft die Endlagersuche ab?

2020 hatte die bundeseigene Gesellschaft zunächst in einem Bericht 90 solcher Gebiete ausgewiesen, bei denen eine weitere Prüfung lohnen könnte, dies waren knapp 54 Prozent der Fläche Deutschlands. Diese Gebiete werden im weiteren Verfahren weiter eingegrenzt, aktuell sind nur noch deutlich weniger als fünf Prozent der Fläche Deutschlands dabei. Die Ergebnisse werden auf der Internetseite der BGE als interaktive Karte veröffentlicht. 

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat eine schwere Aufgabe zu erfüllen. Sie muss herausfinden, welche Standorte für den Bau eines Endlagers für hoch radioaktiven Müll geeignet sein konnten. (Archivbild) Julian Stratenschulte/dpa

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat eine schwere Aufgabe zu erfüllen. Sie muss herausfinden, welche Standorte für den Bau eines Endlagers für hoch radioaktiven Müll geeignet sein konnten. (Archivbild) Julian Stratenschulte/dpa

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Bei der Suche wird die geologische Sicherheit der Teilgebiete in einem wissenschaftsbasierten Verfahren schrittweise analysiert. Bei jedem Prüfschritt werden die Sicherheitsanforderungen erhöht, weshalb in der Folge immer mehr Gebiete ausscheiden. Gebiete, die eine Hürde nicht überspringen, werden nicht weiterbearbeitet. Erst im späteren Verfahren wird berücksichtigt, wie nah eine geeignete Region etwa an Ballungszentren gelegen ist. 

Das wichtigste Werkzeug für die Einengung sind laut BGE sogenannte repräsentative vorläufige Sicherheitsuntersuchungen. Hier wird auf Basis existierender geologischer Daten und Geodaten geprüft, inwieweit der sichere Einschluss der hoch radioaktiven Abfälle unter den jeweiligen geologischen Gegebenheiten erwartet werden kann. Generell gelten Granit, Salz und Ton als potenziell geeignete Gesteinsarten für das angestrebte unterirdische Endlager.

Welche Anforderungen werden an den Standort gestellt?

Gebiete, deren Untergrund beschädigt oder gefährdet ist, kommen nach Angaben des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) nicht als Endlagerstandort infrage. Damit werden Bergbaugebiete und Gegenden, in denen Vulkane aktiv waren oder die Gefahr von Erdbeben besteht, ausgeschlossen. Auch Wasser ist ein Problem. Radioaktive Stoffe dürfen nicht durch Wasserpfade an die Erdoberfläche gelangen. Schließlich geben die Abfälle auch im Endlager noch Wärme ab. Das Gestein soll sie gut ableiten können. Das Endlager soll am Ende durch eine mindestens 300 Meter mächtige Gesteinsschicht von der Erdoberfläche abgetrennt sein.

Wie geht es jetzt weiter?

Die jetzt neu veröffentlichten Arbeitsstände sind noch keine verbindlichen Ergebnisse, weil die Einengung der Teilgebiete auf Standortregionen erst Ende 2027 erfolgt. Die BGE wird dann zum Abschluss der ersten Phase der Endlagersuche konkrete Regionen für die oberirdische Erkundung vorschlagen. Nach einer eingehenden Prüfung durch Wissenschaftler und das BASE entscheidet dann der Gesetzgeber, also der Bundestag, wo es in der zweiten Phase weitergeht.

27.000 Kubikmeter hoch radioaktiver Atommüll

Bei der Endlagersuche geht es um einen Ort in der Tiefe zur dauerhaften Lagerung von rund 1.750 Behältern mit circa 27.000 Kubikmetern hoch radioaktivem Müll aus mehr als 60 Jahren Atomkraft-Nutzung in Deutschland. Das entspricht in etwa dem Volumen von 40 bis 45 Einfamilienhäusern.

Dafür soll nach aktueller Gesetzeslage ein Ort gefunden werden, der für eine Million Jahre sicher ist, da der Müll Hunderttausende Jahre strahlt. Aufbewahrt wird er aktuell in 16 oberirdischen Zwischenlagern in verschiedenen Bundesländern.

Das Bundesumweltministerium geht davon aus, dass bis 2050 ein entsprechendes Endlager gefunden sein wird. Das wäre etwa 20 Jahre später als ursprünglich geplant. Bis wann das Endlager dann wirklich genutzt werden kann, ist noch offen.