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Orientierung für Wanderfreunde - Ohne Wegewarte läuft nichts

Markierungen prüfen, Schilder ersetzen, Gespräche mit Wanderern: Wie fleißige Helfer im Hintergrund dafür sorgen, dass Wandern in Hessen zum Erlebnis wird.

09.04.2026

Mitunter kommt es vor, dass ein Baum, an dem eine Markierung hing, nicht mehr steht. Dann gilt es, eine neue Stelle für die Hinweisschilder zu finden.Michael Bauer/dpa

Mitunter kommt es vor, dass ein Baum, an dem eine Markierung hing, nicht mehr steht. Dann gilt es, eine neue Stelle für die Hinweisschilder zu finden.Michael Bauer/dpa

© Michael Bauer/dpa

Die Sonne scheint, die Temperaturen steigen - beste Bedingungen, um die Wanderstiefel wieder aus dem Keller zu holen. Zum Start in die neue Saison steht den Wanderinnen und Wanderern in Hessen ein großes Wegenetz zur Verfügung. Doch die Strecken wollen in Schuss gehalten werden. Das erledigen die Wegwarte. Einer von ihnen ist Peter Lill-Hendriks.

Wenn der 69-Jährige unterwegs ist, schaut er genauer hin als die meisten anderen. Wo Wanderer einfach weitergehen, prüft er Markierungen, entdeckt fehlende Schilder oder gleich ganze Bäume, die verschwunden sind – und die Wegmarkierungen mit ihnen.

Hinweis auf mangelhafte Markierungen 

Seit sechs Jahren ist Lill-Hendriks Wegewart auf der insgesamt 180 Kilometer langen Bonifatius-Route von Mainz nach Fulda. Er ist einer der vielen fleißigen Helfer im Hintergrund, die dafür sorgen, dass die Wanderer nicht die Orientierung verlieren. Zu diesem Amt ist er eher zufällig gekommen – bei einer Wanderung in Eschborn. „Mir ist aufgefallen, dass die Markierungen nicht mehr funktioniert haben oder gar nicht mehr da waren“, erinnert er sich zurück.

Er habe Kontakt mit der Geschäftsstelle der „Boni-Route“ aufgenommen, auf die mangelhaften Markierungen hingewiesen und seine Hilfe angeboten. Die gerne angenommen wurde.

Das Logo der Pilgerroute zeigt einen symbolisierten Bischofsstab auf weiß-roten Karos.Michael Bauer/dpa

Das Logo der Pilgerroute zeigt einen symbolisierten Bischofsstab auf weiß-roten Karos.Michael Bauer/dpa

© Michael Bauer/dpa

„Das hat sich so entwickelt, dass ich mittlerweile für 83 Kilometer der Strecke verantwortlich bin. Ich laufe die Strecke einmal im Jahr ab oder kontrolliere sie vom Fahrrad aus“, erzählt der 69-Jährige. Immer im Rucksack dabei: Markierungen zum Aufkleben oder Kunststoffplatten zum Annageln sowie Hammer und anderes Werkzeug. Wo immer er es für nötig hält, bringt er neue Infotafeln mit dem Logo der Pilgerroute – ein symbolisierter Bischofsstab auf weiß-roten Karos – an, ersetzt ausgeblichene, überklebte oder entfernte Markierungen.

Wanderweg verbindet Domstädte Mainz und Fulda

Der Wanderweg wurde im Jahr 2004 zum 1250. Todestag des heiligen Bonifatius eingeweiht und verbindet die beiden Domstädte Mainz und Fulda. Lill-Hendriks sieht als Wegewart auf mehr als einem Drittel der Gesamtstrecke nach dem Rechten. Zuständig ist er für den Bereich zwischen Mainz und Hochheim (Main-Taunus-Kreis) sowie zwischen Kriftel (Main-Taunus-Kreis) und Düdelsheim (Wetteraukreis). Er erhält für seine Tätigkeit eine kleine Aufwandsentschädigung.

Konflikte oder unangenehme Erlebnisse seien dabei die absolute Ausnahme, erzählt der in Hainburg (Kreis Offenbach) lebende Wegewart. So habe sich einmal ein Anwohner darüber beschwert, dass ein Baum in seinem Blickfeld plötzlich eine Wegmarkierung trug – obwohl der Baum im öffentlichen Raum gestanden habe. Der Wegewart reagierte pragmatisch und entfernte das Schild wieder.

Neben solchen Erfahrungen gebe es aber auch viele positive Begegnungen. In Mainz wurde er bei der Arbeit von Passantinnen angesprochen, die wissen wollten, was er da mache und was es mit den Wegschildern auf sich habe. Daraus entwickelte sich ein nettes Gespräch. Zum Abschied schenkte er den beiden Frauen ein Wegschild als Andenken. „Am Ende waren alle zufrieden“, sagt er.

Entlang der Bonifatius-Route gibt es immer wieder Gelegenheit, Rast zu machen und den Blick in die Ferne zu genießen. (Archivbild)Michael Bauer/dpa

Entlang der Bonifatius-Route gibt es immer wieder Gelegenheit, Rast zu machen und den Blick in die Ferne zu genießen. (Archivbild)Michael Bauer/dpa

© Michael Bauer/dpa

„Ohne unsere zuverlässigen Wegewarte könnte die Bonifatius-Route nicht so gut zu begehen sein“, sagt Michael Friedrich, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Bonifatius-Route. „Sie sind unsere Kontaktpersonen, wenn es um die Pflege und Beschilderung des Weges geht.“ Gut 3.000 Wegschilder gibt es nach seinen Worten entlang der Strecke, dazu noch einmal 42 größere Hinweistafeln. 

Wegepaten schauen auf den Wisper Trails nach dem Rechten

Auch bei den Wisper Trails im Wispertaunus sorgen Ehrenamtliche dafür, dass die Strecken in Schuss bleiben. Jeder der 16 Wege werde zweimal im Jahr von seinem Wegepaten abgelaufen, sagt Christine Lukas von der Tourist-Info Lorch am Rhein. Dabei werde unter anderem geschaut, ob die Schilder noch vollständig sind oder Bänke repariert werden müssen. Ist eine Stelle zugewachsen oder liegt ein Baum quer, würden Forstamt oder Bauhof zu Hilfe gerufen. Bei Sturmschäden sei dann etwas mehr zu tun. 

Der Wispersee gehört zu den Höhepunkten auf dem Wanderweg.Andrea Löbbecke/dpa

Der Wispersee gehört zu den Höhepunkten auf dem Wanderweg.Andrea Löbbecke/dpa

© Andrea Löbbecke/dpa

Aktuell sucht Lukas nach weiteren ehrenamtlichen Wegepaten. „Ich spreche gezielt Menschen an, die wanderaffin sind.“ Es habe sich bewährt, wenn sich zwei Paten einen Weg teilen. Lukas freut sich auch über Rückmeldungen von Wanderern, die auf einem Trail unterwegs waren. „Das sind oft ganz wertvolle Tipps.“ Viele Gäste seien ortsfremd und könnten den Wegepaten auch einen Hinweis geben, wenn eine Beschilderung zu lückenhaft ist.

Den Wispertaunus westlich von Wiesbaden kann man auf dem 44 km langen Wispertaunussteig und 15 Rundwanderwegen wie dem „Rhein-Wisper-Glück“ oder „Wisper Geflüster“ erkunden. Auf überwiegend naturbelassenen Wegen und Pfaden geht es durch tief eingeschnittene Täler und über aussichtsreiche Höhen.

Nicht nur durch Wälder und Felder, sondern auch durch Städte wie hier Nidderau-Windecken führt die Bonifatius-Route. Auch dort kümmert sich Wegewart  Peter Lill-Hendriks um Marikierungen, damit Wanderer nicht die Orientierung verlieren.Michael Bauer/dpa

Nicht nur durch Wälder und Felder, sondern auch durch Städte wie hier Nidderau-Windecken führt die Bonifatius-Route. Auch dort kümmert sich Wegewart Peter Lill-Hendriks um Marikierungen, damit Wanderer nicht die Orientierung verlieren.Michael Bauer/dpa

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