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Dämpfer für Organisatoren: Hamburger skeptisch wegen Olympia

2015 haben sich die Hamburgerinnen und Hamburger gegen eine Bewerbung für Olympische Spiele ausgesprochen. Der Senat will einen neuen Anlauf unternehmen. Eine Umfrage liefert ein Stimmungsbild.

25.03.2026

Ende Mai können die Hamburgerinnen und Hamburger über eine Olympiabewerbung abstimmen. (Archivbild) Peter Kneffel/dpa

Ende Mai können die Hamburgerinnen und Hamburger über eine Olympiabewerbung abstimmen. (Archivbild) Peter Kneffel/dpa

© Peter Kneffel/dpa

Gut zwei Monate vor dem Olympia-Referendum haben die Hamburger Organisatoren und der rot-grüne Senat von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) einen Dämpfer kassiert. Eine Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger sieht eine Bewerbung ihrer Stadt als Austragungsort für die Spiele laut einer Umfrage skeptisch - anders als in den Mitbewerberstädten und -regionen. 

Bei der repräsentativen Umfrage des Instituts Infratest dimap im Auftrag des NDR gaben 50 Prozent der Befragten auf die Frage, ob sie die Olympiabewerbung Hamburgs eher gut oder eher schlecht finden, „eher schlecht“ an, wie der Sender mitteilte. „Eher gut“ wurde die Bewerbung der Hansestadt für die Olympischen und Paralympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 demnach nur von 41 Prozent der Befragten gesehen. 

Steffen Rülke, Leiter der Olympia-Projektgruppe des Senats, nimmt „diese Momentaufnahme sportlich“. Mit dem zuletzt vorgestellten Konzept habe man ein gutes Angebot vorgelegt. „Die Spiele sind eine Chance für eine bessere Zukunft. Wir investieren in Sportstätten, einen leistungsfähigeren ÖPNV, eine grünere Stadt und Barrierefreiheit“, sagte er und fügte hinzu: „Wir starten jetzt mit unserem neuen Konzept und mit viel Zuversicht in den Endspurt. Ich bin fest davon überzeugt: Die Hamburgerinnen und Hamburger haben ein feines Gespür dafür, wie sie die beste Entscheidung für ihre Stadt treffen.“

„Die Umfrage zeigt: Es ist noch Überzeugungsarbeit zu leisten“, sagte die Grünen-Landesvorsitzende Selina Storm. „Wir sehen es auch als unsere Aufgabe an, in den nächsten Wochen mit den Menschen noch mehr ins Gespräch zu gehen und zu zeigen, dass die ganze Stadt von Olympia profitieren kann.“

Olympia-Gegner sehen sich bestätigt

Die Olympia-Gegner von NOlympia sehen sich hingegen in ihrer Ablehnung bestätigt. „Mit dem kürzlich vorgelegten Finanzkonzept des Senats täuscht der Senat die Öffentlichkeit über die wirklich anstehende Finanzierungslast – unter anderem werden die Kosten für Sicherheit, Stadion und CO2 in Höhe von drei Milliarden Euro einfach weggelassen“, sagte NOlympia-Sprecher Eckart Maudrich. Die Hamburgerinnen und Hamburger hätten verstanden, dass der Senat kein Interesse an finanzieller Transparenz habe und sie veräppeln wolle.

Die Linken-Fraktionsvize Heike Sudmann erklärte mit Blick auf die Umfragewerte, die Menschen ließen sich nicht durch schöne Bilder und Animationen vom Grundproblem ablenken. Die Zahlen zeigten: Die Hamburgerinnen und Hamburger „haben ganz andere Sorgen, der Senat hat sich bei Olympia verrannt und will zig Milliarden Euro verpulvern“. 

CDU-Fraktionschef Dennis Thering sieht die Schuld für mangelnde Olympia-Überzeugung der Hamburgerinnen und Hamburger beim Senat, der „viel zu spät angefangen hat, dafür zu werben und bis heute nicht mit der notwendigen Begeisterung für Olympia am Werk ist“. Die sportpolitische Sprecherin der AfD, Antje Hebel, sprach von einer „schallenden Ohrfeige für den rot-grünen Senat“.

Hamburg mit geringstem Zuspruch unter Mitbewerbern

Hamburg ist neben Berlin, München und der Region Rhein-Ruhr einer von vier Kandidaten für eine deutsche Bewerbung. Im Feld der Mitbewerber liegt Hamburg der Umfrage zufolge stimmungsmäßig hinten. So wurde eine Bewerbung in Nordrhein-Westfalen laut Intratest dimap in einer Befragung vom Februar von 57 Prozent der Befragten „eher gut“ gesehen. Auch in Berlin überwog demnach im Juni vergangenen Jahres die Zahl der Befürworter (46 Prozent) gegenüber den Skeptikern (43 Prozent). 

In München hatten sich in einem Referendum im Oktober vergangenen Jahres mehr als 66 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für eine Bewerbung als Austragungsort ausgesprochen. In Hamburg haben die Bürgerinnen und Bürger am 31. Mai die Gelegenheit, über die Bewerbung ihrer Stadt abzustimmen. 

2015 gab es bereits ein Referendum in Hamburg. Damals stimmten die Bürger Hamburgs mehrheitlich (51,6 Prozent der Befragten) mit Nein gegen Olympische Spiele. 

 Hohe Kosten versus Investitionen in Infrastruktur

Als Vorteile einer Bewerbung wurden von den Befürwortern in Hamburg vor allem (54 Prozent) die Modernisierungen der Verkehrsinfrastruktur genannt. Knapp die Hälfte (49 Prozent) erwartet eine Ankurbelung der Wirtschaft, 46 Prozent erhoffen sich ein besseres internationales Ansehen der Stadt, 45 Prozent die Sanierung von Stadtvierteln und Sportstätten. 43 Prozent der Befragten verwiesen auf die erwarteten hohen Besucherzahlen.

Negativ schlugen bei den Olympia-Skeptikern vor allen die hohen Kosten zu Buche (79 Prozent), die zulasten anderer Bereiche gehen könnten. 46 Prozent bemängelten den Bau unnötiger Infrastruktur, 41 Prozent befürchten Übertourismus und Verkehrschaos, ein gutes Drittel (34 Prozent) steigende Mieten und ein Viertel (24 Prozent) Sicherheitsprobleme.

Weibliche Befragte sehen Olympiabewerbung skeptischer

Bei den Hamburgerinnen ist die Skepsis hinsichtlich einer Bewerbung ihrer Stadt stärker ausgeprägt: 52 Prozent finden sie „eher schlecht“. Bei den männlichen Befragten waren es 48 Prozent. 

Die größten Bedenken gibt es der Umfrage zufolge in der Altersgruppe 65+ mit 55 Prozent, die eine Bewerbung „eher schlecht“ finden. Zum Vergleich: In der Altersgruppe der 16- bis 34-Jährigen finden 45 Prozent der Befragten eine Bewerbung „eher gut“, während 41 Prozent sie als „eher schlecht“ einstuften.

Höchste Zustimmung unter SPD-Anhängern 

Unter den Anhängern der regierenden Sozialdemokraten ist die Zustimmung für eine Bewerbung am größten: 57 Prozent finden sie „eher gut“ und nur 35 Prozent „eher schlecht“. Auch bei den CDU-Anhängern sind die Befürworter mit 50 Prozent gegenüber 45 Prozent Skeptikern in der Mehrheit. 

Bei den Anhängern der mitregierenden Grünen finden 53 Prozent eine Bewerbung dagegen „eher schlecht“. Auch bei der AfD (57 Prozent) und den Linken (72 Prozent) sind die Skeptiker in der Mehrheit.