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Notar soll Millionenerbe von 88-Jähriger erschlichen haben

Ein Kloster, eine Kirchengemeinde und Nachbarn sollten das siebenstellige Erbe einer verstorbenen Pflegeheimbewohnerin erhalten. Doch nun steht ihr damaliger Notar vor dem Landgericht Limburg.

13.10.2026

Statt rechtssicherer Vererbung Anklage gegen Notar - vor dem Landgericht Limburg hat ein Strafprozess gegen einen Juristen wegen mutmaßlicher Erbschleicherei begonnen.Jens Albes/dpa

Statt rechtssicherer Vererbung Anklage gegen Notar - vor dem Landgericht Limburg hat ein Strafprozess gegen einen Juristen wegen mutmaßlicher Erbschleicherei begonnen.Jens Albes/dpa

© Jens Albes/dpa

Eine Frau, 88 Jahre alt, will mit ihrem Millionenvermögen unter anderem Ordensschwestern bedenken. Doch es kommt anders: Ihr damaliger Notar soll sich das Erbe erschlichen haben. Nun steht er vor dem Landgericht Limburg. Die Anklage wirft dem 49-jährigen Anwalt mit Doktortitel jeweils einen besonders schweren Fall des Betrugs und der Urkundenfälschung vor. 

Die Seniorin wollte ihr Erbe eigentlich einem Kloster in Eibingen im Rheingau, einer Kirchengemeinde an ihrem Wohnort Braunfels in Mittelhessen und ihren Nachbarn zugutekommen lassen.

Beim Prozessauftakt sagte der Verteidiger Prof. Alfred Dierlamm, sein Mandant äußere sich vorläufig nur zu seinem Lebenslauf. Der Angeklagte behalte sich vor, erst an einem anderen Verhandlungstag womöglich auch zu den Tatvorwürfen Stellung zu nehmen.

Vor dem Landgericht Limburg hat ein nicht alltäglicher Prozess gegen einen Juristen mit Doktortitel begonnen. (Archivbild) Thomas Frey/dpa

Vor dem Landgericht Limburg hat ein nicht alltäglicher Prozess gegen einen Juristen mit Doktortitel begonnen. (Archivbild) Thomas Frey/dpa

© Thomas Frey/dpa

Laut Staatsanwaltschaft soll der damalige Notar 2023 statt eines Testaments einen unanfechtbaren Erbvertrag mit seiner hochbetagten Mandantin aufgesetzt haben, die später in einem Pflegeheim in Horbach im nördlichen Rheinland-Pfalz starb. Er habe ein Dokument so manipuliert, dass er Alleinerbe wurde - und die Seniorin dies unterschreiben lassen. Das Vermögen der 88-Jährigen habe sich auf mehr als 975.000 Euro sowie ein Grundstück im Wert von 250.000 Euro belaufen. 

Angeklagter: Großvater hat meinen Vater erschossen

Der 49-Jährige sagte, er stamme aus einer Handwerkerfamilie und habe als Jugendlicher ein prägendes Erlebnis gehabt: Sein Großvater habe seinen Vater erschossen - warum, wisse er bis heute nicht. Zur Wahl seines Studienfachs Jura erklärte der Anwalt: „Ich wollte später einen Beruf ergreifen, in dem ich in solchen Situationen Leute unterstützen kann.“

Der Angeklagte, Vater zweier Kinder, ergänzte, er arbeite seit 18 Jahren als Rechtsanwalt - mittlerweile in einer Kanzlei zusammen mit seiner zweiten Ehefrau, die ebenfalls Anwältin sei. Die Durchsuchung seiner Wohn- und Arbeitsräume sei einschneidend für ihn gewesen - seitdem sei das Strafverfahren gegen ihn jeden Tag Gesprächsthema in seinem unmittelbaren Umfeld. Seine Frau leide darunter, seinen Kindern gegenüberzutreten sei niederschmetternd.

Vorerst zwölf Verhandlungstage

Wie ein Gerichtssprecher am Rande des Prozesses sagte, hatte sich der Angeklagte zuvor im Ermittlungsverfahren zu den Tatvorwürfen gegen ihn geäußert. Vorläufig sind bis zum 24. November insgesamt zwölf Verhandlungstage terminiert.