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Neustart in der Bauhalle: Mit Unterstützung ins Berufsleben

Nach einer abgebrochenen Ausbildung fand Nicholas Hahn den Weg in eine Werkstatt, in der junge Menschen beruflich neu ansetzen können. Dort geht es um mehr als praktische Arbeiten.

23.10.2026

Nicholas Hahn mag die verschiedenen Arbeitsschritte in der Bauhalle. Werkstattpädagoge Harry Krüger erklärt sie ihm.Peter Gercke/dpa

Nicholas Hahn mag die verschiedenen Arbeitsschritte in der Bauhalle. Werkstattpädagoge Harry Krüger erklärt sie ihm.Peter Gercke/dpa

© Peter Gercke/dpa

Es riecht nach Holz. Die Säge kreischt, die überwiegend jungen Arbeitskräfte im Raum arbeiten an ihren Projekten. Sie stellen Tannenbäume und Elche her. Die Dekoartikel sollen in ein paar Wochen bei einem Adventsmarkt in Burg (Landkreis Jerichower Land) verkauft werden.

Von einem Altersdurchschnitt von unter 30 können viele Unternehmer angesichts des demografischen Wandels mit einer älter werdenden Bevölkerung nur träumen. Doch in der Bauhalle der Burger Rolandmühle ist kein Jugendwahn ausgebrochen. Dort arbeiten Jugendliche und junge Erwachsene, deren Bildungsbiografie nicht geradlinig verlaufen ist.

Manche geraten in einen Negativkreislauf

Einer von ihnen ist Nicholas Hahn. Nach dem Realschulabschluss hat der 23-Jährige eine Ausbildung zum Elektriker begonnen. Doch aus verschiedenen Gründen hat es nicht funktioniert. In der Praxis lief es einigermaßen, aber in der Schule gab es Probleme, wie der 23-Jährige sagt. Er brach die Ausbildung ab.

Mit Unterstützung seiner Eltern kam Nicholas über das Programm „Stabil“ in die Werkstatt des Jugendwerks. Dort wird er wie die anderen 13 Jugendlichen eng von Werkstatt- und Sozialpädagogen begleitet. Bis zu 18 Monate lang gibt es die Unterstützung. Es geht etwa um arbeitslose Schulabgänger ohne Abschluss, die mit Problemen wie psychische Einschränkungen, Süchten, Schulden, instabiler Wohn- oder Familiensituation zu kämpfen haben.

„Ich mag eine Stigmatisierung dieser Jugendlichen nicht - manche brauchen einfach etwas mehr Unterstützung, weil sie nicht so gute Startvoraussetzungen hatten“, sagt die Geschäftsführerin des Jugendwerks Rolandmühle, Stefanie Arndt.Peter Gercke/dpa

„Ich mag eine Stigmatisierung dieser Jugendlichen nicht - manche brauchen einfach etwas mehr Unterstützung, weil sie nicht so gute Startvoraussetzungen hatten“, sagt die Geschäftsführerin des Jugendwerks Rolandmühle, Stefanie Arndt.Peter Gercke/dpa

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Bei manchen sei dieser Zeitraum zu knapp bemessen, sagt die Geschäftsführerin des Jugendwerks Rolandmühle, Stefanie Arndt. Sie verweist auf einen Kreislauf, in den Jugendliche geraten können. „Auf Suchtmittelkonsum folgen oft finanzielle Probleme, dann Mietschulden und gesundheitliche Probleme. Deshalb ist es so wichtig, junge Menschen über längere Zeit zu begleiten.“

Warum brauchen so viele junge Menschen Unterstützung?

Im September waren in Sachsen-Anhalt 9.988 Menschen im Alter von 15 bis unter 25 Jahren arbeitslos. Es gebe keine einfache Erklärung, warum so viele junge Menschen Unterstützung beim Start ins Berufsleben brauchten, so Stefanie Arndt. „Es gibt eine Gleichzeitigkeit der Krisen - Kriege, Energiekrise, Corona. Das macht was mit den jungen Menschen“, sagt sie. Auch viel Zeit vor den Bildschirmen trägt aus ihrer Sicht dazu bei. „Ich will nicht alles den sozialen Medien zuschieben, aber die Konzentrationsfähigkeit geht zurück, wenn man seine Aufmerksamkeit auf maximal 30-Sekunden-Videos richtet.“

In der Rolandmühle wird geschaut, wo genau die Teilnehmer Unterstützung brauchen. Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück, danach geht es an die Arbeit. Sozialpädagogin Kati Fischer sagt: „Das Produkt ist das eine, es geht aber um mehr, etwa um Kommunikation. Auch das gemeinsame Essen ist unheimlich wichtig.“ Einige der Jugendlichen sind finanziell in einer herausfordernden Situation. „Man kann zusehen, wie die Teilnehmerzahl am Monatsende steigt“, ergänzt Fischer.

Über ein Punktesystem lernen die Teilnehmer, ihre Arbeit einzuschätzen und Feedback der Begleiter anzunehmen. Wenn es gut läuft, kann man eine monatliche Prämie von bis zu 40 Euro erhalten. Dabei geht es um die Qualität der Arbeit, aber auch um Pünktlichkeit und Empathie. „Es ist wichtig, zu lernen, sich selbst einzuschätzen, und auch zu verstehen, dass man sich eine Prämie verdienen muss“, sagt Kati Fischer. Ihre Tür steht offen, wenn die Teilnehmer etwa Hilfe bei einem Problem oder Unterstützung bei einer Bewerbung brauchen.

Export in die ganze Welt

Ein regionales Küchenunternehmen arbeitet mit der Rolandmühle zusammen. Für die Firma bauen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen Mustertafeln mit Küchengriffen zusammen. Diese werden in verschiedene Länder exportiert. In der Werkstatt hängt eine Weltkarte, auf denen die Länder markiert sind. Die Teilnehmer sollen so den Wert ihrer Arbeit vor Augen geführt bekommen.

Die Mustertafeln mit Küchengriffen werden in verschiedene Länder exportiert.Peter Gercke/dpa

Die Mustertafeln mit Küchengriffen werden in verschiedene Länder exportiert.Peter Gercke/dpa

© Peter Gercke/dpa

Im Burger Jugendwerk kann man nicht nur in der Werkstatt arbeiten, im Rahmen von „Stabil“ gibt es auch die Bereiche Hauswirtschaft und Gastronomie. Insgesamt sind in Sachsen-Anhalt seit 2022 mehr als 2.200 junge Menschen mit dem Programm erreicht worden. „Wir lassen niemanden zurück“, sagt Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD). „Unsere Betriebe brauchen jede helfende Hand.“

Rund 150 Teilnehmer haben im Anschluss eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen, 180 eine Ausbildung begonnen. 345 wechselten in andere Angebote wie berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen. Manchmal klappt eine Vermittlung im Anschluss nicht, weil gesundheitliche Probleme bestehen, ein Aufenthalt in einer Entzugsklinik ansteht oder Frauen schwanger werden.

Nun hat Nicholas einen neuen Berufswunsch

Aus Sicht von Stefanie Arndt lohnt sich das Investment. „Manche Dinge werden über Generationen weitergegeben. Wenn die Kinder sehen, Arbeit gehört vielleicht nicht zur Lebensrealität meiner Eltern, dann ist das oft auch keine Lebensrealität für die Kinder“, sagt sie. „Ich mag eine Stigmatisierung dieser Jugendlichen nicht - manche brauchen einfach etwas mehr Unterstützung, weil sie nicht so gute Startvoraussetzungen hatten.“

Nicholas Hahn gefallen die verschiedenen Arbeiten in der Bauhalle. Er arbeitet gern mit der Säge. Für die weiteren Schritte wie das Schleifen der Holzelche spricht er sich mit seinen Kollegen ab. „Wenn man fertig ist, hat man ein Produkt, das man selbst geschaffen hat“, sagt der 23-Jährige. Er ist nun schon einige Monate im Programm dabei und richtet den Blick nach vorn. Sein neuer Berufswunsch: Schornsteinfeger.

Ein regionales Küchenunternehmen arbeitet mit der Rolandmühle zusammen. Für die Firma bauen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen Mustertafeln mit Küchengriffen zusammen.Peter Gercke/dpa

Ein regionales Küchenunternehmen arbeitet mit der Rolandmühle zusammen. Für die Firma bauen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen Mustertafeln mit Küchengriffen zusammen.Peter Gercke/dpa

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Mit Unterstützung seiner Eltern kam Nicholas über das Programm „Stabil“ in die Werkstatt des Jugendwerks in Burg.Peter Gercke/dpa

Mit Unterstützung seiner Eltern kam Nicholas über das Programm „Stabil“ in die Werkstatt des Jugendwerks in Burg.Peter Gercke/dpa

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In Rolandmühle kann man nicht nur in der Werkstatt arbeiten, im Rahmen von Stabil gibt es auch die Bereiche Hauswirtschaft und Gastronomie.Peter Gercke/dpa

In Rolandmühle kann man nicht nur in der Werkstatt arbeiten, im Rahmen von Stabil gibt es auch die Bereiche Hauswirtschaft und Gastronomie.Peter Gercke/dpa

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