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Neuer Trainer, neuer Stil: Lund macht beim THW Kiel Tempo

Mit neuen Stars und einem neuen Coach will Handball-Rekordmeister THW Kiel wieder angreifen. Wie der Norweger Börge Lund den Verein aus dem Norden auf Kurs bringen will.

23.07.2026

Börge Lund ist neuer Trainer des THW Kiel. (Archivbild)Frank Molter/dpa

Börge Lund ist neuer Trainer des THW Kiel. (Archivbild)Frank Molter/dpa

© Frank Molter/dpa

Mit namhaften Verstärkungen und einem neuen Trainer will Handball-Rekordmeister THW Kiel nach einer enttäuschenden Saison wieder in die Spur kommen. „Wir gucken nicht so viel nach hinten, wie das alles war. Das ist ja ein Neustart“ sagte der neue Zebra-Coach Börge Lund am Rande der Vorbereitung. Der 47-Jährige will vor allem Tempo machen. Am Spielstil des Clubs hatte sich in der vergangenen Saison viel Kritik entzündet - er galt manchen als zu langsam und zu rückraum-lastig.

„Ich setze ja vielleicht auf ein schnelleres Spiel“, sagte Lund. Er wolle Eins-gegen-Eins-Situationen schaffen und zu so vielen Abschlüssen wie möglich aus sechs Metern kommen. „Aber wir müssen eine gesunde Balance finden, dass es nicht so wie ein Westernfilm wird.“ Ziel des aus seiner Sicht „größten Vereins der Welt“ sei in der kommenden Saison das internationale Geschäft.

„Wir werden sicherlich super Spiele hinkriegen, wir werden aber auch Probleme haben“, sagte der Norweger. „Wir haben viel, viel Arbeit vor uns.“ Lund spricht von psychologischer Sicherheit. Seine Spieler sollen sich nicht nur innerhalb des Teams wohlfühlen, sondern auch in ihrer Aufgabe auf dem Feld.

Lund schon als THW-Spieler erfolgreich

Der THW hatte die vergangene Saison nur auf dem sechsten Platz abgeschlossen und erstmals seit 33 Jahren einen Platz im Europapokal verpasst. Es war die schlechteste Liga-Platzierung seit 23 Jahren.

Die Folge: Der langjährige Coach Filip Jicha wurde trotz Vertrags bis 2028 freigestellt. Lund wurde als Spieler in Kiel 2007 bis 2010 dreimal deutscher Meister, zweimal Pokalsieger und gewann 2010 die Champions League. Zuletzt war er als Trainer bei Elverum HB in Norwegen tätig. In Kiel unterschrieb er einen bis 2028 gültigen Vertrag.

Namhafte Neuzugänge: Köster und Makuc

Mit den Neuzugängen Domen Makuc (FC Barcelona), Julian Köster (VfL Gummersbach) und Vincent Büchner (ThSV Eisenach) sowie dem zurückgekehrten Eigengewächs Jarnes Faust bereitet sich der THW seit dieser Woche auf die neue Saison vor.

„Wir wollen uns, da spreche ich auch für die anderen Jungs, weiterentwickeln, dass es nicht noch mal so eine Saison ist wie im letzten Jahr“, sagte Köster. Er sei es als gestandener Nationalspieler gewohnt, Verantwortung zu übernehmen. „Davor möchte ich mich nicht drücken. Ich glaube, ich kann mit meinem Spiel der Mannschaft helfen. Und das ist die oberste Priorität.“

Lund habe ein „spannendes Handballkonzept mitgebracht, was für mich ehrlicherweise relativ neu ist“, sagte Köster. Daran müsse er sich noch gewöhnen. „Aber Börge hat da eine ganz klare Vorstellung, was ich sehr, sehr gut finde.“

Manager ist optimistisch

Auch THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi gibt sich optimistisch. Lund arbeite sehr akribisch, sagte der 47-Jährige. „Er bringt natürlich neue Komponenten mit rein.“ Das habe sich der Verein erhofft. „So einen frischen Wind, neue Energie, neue Trainingsinhalte, neue Ansprachen, neue Kommunikationswege.“ Ziel sei es, so schnell wie möglich ins internationale Geschäft zurückzukehren. „Die Mannschaft hat definitiv das Potenzial, davon sind wir alle überzeugt.“

Der Verein sei sich der Konkurrenzsituation in der Bundesliga bewusst. Die habe nicht abgenommen, sagte Szilagyi. „Ich habe große Hoffnung, dass wir besser als in den vergangenen beiden Jahren durch die Saison kommen, dass wir nicht so viele verletzungsbedingte Ausfälle haben, dass wir nicht so viel kompensieren müssen.“

Die Hoffnungen des Vereins ruhen auch auf den Rückkehrern Emil Madsen (Halbrechts) und Elias Ellefsen à Skipagøtu (Mitte). „Strukturell ist er gesund“, sagte Szilagyi über Spielmacher à Skipagøtu. „Er ist jetzt schon voll im Training integriert, auch im Vollkontakt, was Emil noch nicht ist.“